Ver­zin­sung bei bean­trag­ter Aus­set­zung der Voll­zie­hung

Nach § 237 Abs. 1 Satz 1 AO ist, soweit ein Ein­spruch oder eine Anfech­tungs­kla­ge gegen einen Steu­er­be­scheid, eine Steu­er­an­mel­dung oder einen Ver­wal­tungs­akt, der einen Steu­er­ver­gü­tungs­be­scheid auf­hebt oder ändert, oder gegen eine Ein­spruchs­ent­schei­dung über einen die­ser Ver­wal­tungs­ak­te end­gül­tig kei­nen Erfolg gehabt hat, der geschul­de­te Betrag, hin­sicht­lich des­sen die Voll­zie­hung des ange­foch­te­nen Ver­wal­tungs­akts aus­ge­setzt wur­de, zu ver­zin­sen.

Ver­zin­sung bei bean­trag­ter Aus­set­zung der Voll­zie­hung

Zin­sen wer­den erho­ben vom Tag des Ein­gangs des außer­ge­richt­li­chen Rechts­be­helfs bei der Behör­de, deren Ver­wal­tungs­akt ange­foch­ten wird, oder vom Tag der Rechts­hän­gig­keit beim Gericht an bis zum Tag, an dem die AdV endet (§ 237 Abs. 2 Satz 1 AO). Die Zin­sen betra­gen für jeden Monat ein­halb Pro­zent (§ 238 Abs. 1 Satz 1 AO). Sie sind von dem Tag an, an dem der Zins­lauf beginnt, nur für vol­le Mona­te zu zah­len; ange­fan­ge­ne Mona­te blei­ben außer Ansatz (§ 238 Abs. 1 Satz 2 AO).

Sinn und Zweck der in § 237 AO ent­hal­te­nen gesetz­li­chen Rege­lung der Ver­zin­sungs­pflicht ist es, den Nut­zungs­vor­teil abzu­schöp­fen, den der Steu­er­pflich­ti­ge dadurch erhält, dass er wäh­rend der Dau­er der Aus­set­zung über eine Geld­sum­me ver­fü­gen kann, die nach dem im ange­foch­te­nen Steu­er­be­scheid kon­kre­ti­sier­ten mate­ri­el­len Recht „an sich“ dem Steu­er­gläu­bi­ger zusteht [1].

Der Bun­des­fi­nanz­hof hält auch die Höhe der Aus­set­zungs­zin­sen – zumin­dest für den hier ent­schie­de­nen Streit­zeit­raum von 2008 bis 2011 – nicht für ver­fas­sungs­wid­rig:

Ein Gericht kann die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts über die Ver­fas­sungs­mä­ßig­keit einer Norm nach Art. 100 Abs. 1 GG nur ein­ho­len, wenn es von der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der zur Prü­fung gestell­ten Rege­lung über­zeugt ist [2]. Eine sol­che Über­zeu­gung ver­moch­te sich der Bun­des­fi­nanz­hof im Streit­fall hin­sicht­lich der gesetz­lich fest­ge­leg­ten Zins­hö­he nicht zu bil­den. Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof bereits für den Ver­zin­sungs­zeit­raum 11.11.2004 bis 21.03.2011 ent­schie­den [3]. Auch für den vor­lie­gend strei­ti­gen Ver­zin­sungs­zeit­raum 03.06.2008 bis 5.12 2011 haben sich die das Zins­ni­veau bestim­men­den Ver­hält­nis­se nicht in einer Wei­se geän­dert, dass Anlass bestün­de, hier­von abzu­wei­chen.

Bun­des­fi­nanz­hof, Urteil vom 14. April 2015 – IX R 5/​14

  1. stän­di­ge Recht­spre­chung, BFH, Urteil vom 01.07.2014 – IX R 31/​13, BFHE 246, 193, BStBl II 2014, 925, m.w.N.[]
  2. vgl. z.B. BVerfG, Urteil vom 20.03.1984 – 1 BvL 23/​83, BVerfGE 66, 265, unter B.2.; BVerfG, Beschlüs­se vom 06.04.1989 – 2 BvL 8/​87, BVerfGE 80, 59, unter B.1.; und vom 22.09.2009 – 2 BvL 3/​02, BVerfGE 124, 251, unter B.2.a[]
  3. BFH, Urteil in BFHE 246, 193, BStBl II 2014, 925, unter II. 1.[]