Beschnei­dungs­re­ge­lung in Ber­lin

Solan­ge es kei­ne bun­des­ge­setz­li­che Rege­lung bezüg­lich reli­gi­ös moti­vier­ter Beschnei­dun­gen gibt, will das Land Ber­lin grund­sätz­lich von einer straf­recht­li­chen Ver­fol­gung abse­hen, wenn bestimm­te Vor­aus­set­zun­gen erfüllt wer­den.

Beschnei­dungs­re­ge­lung in Ber­lin

Die­se Rege­lung hat der Ber­li­ner Sena­tor für Jus­tiz und Ver­brau­cher­schutz, Tho­mas Heil­mann nun bekannt gege­ben, und das Jüdi­sche Kran­ken­haus am Diens­tag in einem Brief über die Ber­li­ner Rechts­pra­xis infor­miert. Glei­ches gilt für die Ärz­te, die sich mit Fra­gen zum The­ma Beschnei­dung an die Senats­ver­wal­tung für Jus­tiz und Ver­brau­cher­schutz und die Senats­ver­wal­tung für Gesund­heit und Sozia­les gewandt hat­ten.

Das Land Ber­lin hat sich zu die­ser Hand­lungs­wei­se ver­an­lasst gese­hen, nach­dem das Land­ge­richt Köln im Mai urteil­te 1 , dass die Beschnei­dung eines Jun­gen grund­sätz­lich straf­bar gewe­sen war. Damit ist auch in Ber­lin eine gro­ße Unsi­cher­heit bei Ärz­ten sowie jüdi­schen und mus­li­mi­schen Eltern aus­ge­löst wor­den. Eini­ge Ärz­te sowie das Jüdi­sche Kran­ken­haus neh­men seit­her kei­ne Beschnei­dun­gen mehr vor.

Unter fol­gen­den Vor­aus­set­zun­gen fin­det eine straf­recht­li­che Ver­fol­gung von reli­gi­ös moti­vier­ten Beschnei­dun­gen in Ber­lin nicht statt:

  • Bei­de Eltern­tei­le bzw. die Sor­ge­be­rech­tig­ten wil­li­gen schrift­lich ein, nach­dem sie aus­führ­lich über die gesund­heit­li­chen Risi­ken des Ein­griffs auf­ge­klärt wur­den.
  • Die Eltern wei­sen die reli­giö­se Moti­va­ti­on und die reli­giö­se Not­wen­dig­keit der Beschnei­dung vor Reli­gi­ons­mün­dig­keit des Kin­des nach (etwa zusam­men mit der Ein­wil­li­gungs­er­klä­rung oder durch eine Bestä­ti­gung der jewei­li­gen Reli­gi­ons­ge­mein­schaft).
  • Der Ein­griff wird nach medi­zi­nisch fach­ge­rech­tem Stan­dard vor­ge­nom­men. Dazu gehö­ren ins­be­son­de­re die Ste­ri­li­tät der Umge­bung sowie der medi­zi­ni­schen Hilfs­mit­tel, eine größt­mög­li­che Schmerz­frei­heit und eine blut­stil­len­de Ver­sor­gung. Nach jet­zi­gem Stand kann den Ein­griff nur ein appro­bier­ter Arzt oder eine appro­bier­te Ärz­tin durch­füh­ren. Feh­len eine oder meh­re­re Vor­aus­set­zun­gen, ist die Straf­bar­keit jeweils im Ein­zel­fall durch Staats­an­wäl­te und Gerich­te zu prü­fen.

Der Ber­li­ner Jus­tiz­se­na­tor erhofft sich mit die­ser Rege­lung "in der schwie­ri­gen Über­gangs­zeit wenigs­tens eine gewis­se Erleich­te­rung".

Senats­ver­wal­tung für Jus­tiz und Ver­brau­cher­schutz, Mit­tei­lung vom 5. Sep­tem­ber 2012

  1. LG Köln, Urteil vom 07.05.2012 – 151 Ns 169/​11[]