Bestechung eines aus­län­di­schen Amts­trä­gers – und sei­ne Straf­bar­keit in Deutsch­land

Im Hin­blick auf den Vor­wurf der Bestechung eines aus­län­di­schen Amts­trä­gers bzw. wegen Bei­hil­fe dazu ist deut­sches Straf­recht anwend­bar, soweit gemäß §§ 3, 9 Abs. 1 bzw. Abs. 2 StGB ein inlän­di­scher Tat­ort besteht.

Bestechung eines aus­län­di­schen Amts­trä­gers – und sei­ne Straf­bar­keit in Deutsch­land

Ein Tat­ort ist für jeden der mit­tä­ter­schaft­lich agie­ren­den Ange­klag­ten dort begrün­det, wo einer von ihnen gehan­delt hat, selbst wenn sich das Han­deln auf Tat­bei­trä­ge beschränkt, die für sich gese­hen nur Vor­be­rei­tungs­hand­lun­gen sind1. Teil­nah­me ist nach § 9 Abs. 2 StGB auch an dem Ort began­gen, an dem nach § 9 Abs. 1 StGB die (Haupt)Tat began­gen ist2.

Der Amts­trä­ger­be­griff nach Art. 2 § 1 Nr. 2 Int­BestG ist ohne Rück­griff auf das Hei­mat­recht des jewei­li­gen Amts­trä­gers auto­nom auf der Grund­la­ge des OECD-Über­ein­kom­mens über die Bekämp­fung der Bestechung aus­län­di­scher Amts­trä­ger im inter­na­tio­na­len Geschäfts­ver­kehr vom 07.12 1997 aus­zu­le­gen3. Aus­zu­ge­hen ist des­halb von dem Amts­trä­ger­be­griff des Art. 1 Abs. 4 a)) des genann­ten OECD-Über­ein­kom­mens, der als aus­län­di­schen Amts­trä­ger Per­so­nen defi­niert, die in einem ande­ren Staat durch Ernen­nung oder Wahl ein Amt im Bereich der Gesetz­ge­bung, Ver­wal­tung oder Jus­tiz inne­ha­ben, für einen ande­ren Staat ein­schließ­lich einer Behör­de oder eines öffent­li­chen Unter­neh­mens öffent­li­che Auf­ga­ben wahr­neh­men oder Amts­trä­ger oder Bevoll­mäch­tig­ter einer inter­na­tio­na­len Orga­ni­sa­ti­on sind4. Nach den Erläu­te­run­gen zu dem Über­ein­kom­men über die Bekämp­fung der Bestechung aus­län­di­scher Amts­trä­ger im inter­na­tio­na­len Geschäfts­ver­kehr ist ein "öffent­li­ches Unter­neh­men" unge­ach­tet sei­ner Rechts­form ein Unter­neh­men, das von der öffent­li­chen Hand unmit­tel­bar oder mit­tel­bar beherrscht wird5. Dem­entspre­chend kommt es auf die Rechts­form der Ein­rich­tung gera­de nicht an. Maß­geb­lich ist viel­mehr, ob das Unter­neh­men von der öffent­li­chen Hand beherrscht wird.

Dass sich die Ein­rich­tung selbst ver­wal­tet und auch zur Gewinn­erzie­lung tätig wer­den kann, steht der Annah­me eines öffent­li­chen Unter­neh­mens im Sin­ne des OECD-Über­ein­kom­mens nicht ent­ge­gen.

Güns­tig­keits­ver­gleich bei Tat­hand­lun­gen vor dem 20.11.2015

Der Tatrich­ter wird zudem im Rah­men des gebo­te­nen Güns­tig­keits­ver­gleichs zu prü­fen haben, ob die durch das Gesetz zur Bekämp­fung der Kor­rup­ti­on vom 20.11.20156 ein­ge­führ­te Straf­vor­schrift des § 335a StGB, die an die Stel­le der genann­ten Rege­lung des Int­BestG getre­ten ist, ein mil­de­res Gesetz im Sin­ne von § 2 Abs. 3 StGB dar­stellt7.

Der Amts­trä­ger­be­griff in § 335a Abs. 1 Nr. 2a Alt. 1 StGB wird nicht ein­heit­lich aus­ge­legt. In die­se Norm wur­den durch das Gesetz zur Bekämp­fung der Kor­rup­ti­on die spe­zi­al­ge­setz­li­chen Rege­lun­gen aus dem EUBe­stechungs­ge­setz (Art. 2 § 1 Abs. 1 Nr. 2a EUBestG) und dem Int­BestG (Art. 2 § 1 Nr. 2a und b Int­BestG) über­führt. In die­sen Rege­lun­gen wur­de der Begriff des aus­län­di­schen Amts­trä­gers jedoch unter­schied­lich ver­wen­det. Amts­trä­ger eines ande­ren Mit­glied­staa­tes der EU ist nach Art. 2 § 1 Abs. 1 Nr. 2a EUBestG ein Amts­trä­ger eines sol­chen Staa­tes, soweit sei­ne Stel­lung der eines Amts­trä­gers nach deut­schem Recht ent­spricht. Ein aus­län­di­scher Amts­trä­ger muss daher sowohl nach dem jewei­li­gen aus­län­di­schen Recht Amts­trä­ger sein, als auch die Kri­te­ri­en eines Amts­trä­gers nach deut­schem Recht erfül­len, so dass eine zwei­stu­fi­ge Prü­fung zu erfol­gen hat8. Dage­gen liegt Art. 2 § 1 Nr. 2 Int­BestG – wie bereits aus­ge­führt – ein Begriff des aus­län­di­schen Amts­trä­gers zugrun­de, der auto­nom völ­ker­recht­lich zu bestim­men ist9. In der Lite­ra­tur wer­den vor die­sem Hin­ter­grund ver­schie­de­ne Lösungs­an­sät­ze für die Aus­le­gung des Amts­trä­ger­be­griffs des § 335a Abs. 1 StGB ver­tre­ten10.

Dabei könn­te aller­dings der Wil­le des Gesetz­ge­bers, der sich aus­weis­lich der Gesetz­ge­bungs­ma­te­ria­li­en bei der Begriffs­be­stim­mung an den Vor­ga­ben des OECD-Über­ein­kom­mens sowie des Über­ein­kom­mens der Ver­ein­ten Natio­nen vom 31.10.2013 gegen Kor­rup­ti­on (VN-Über­ein­kom­men) ori­en­tie­ren woll­te11, für einen auto­nom völ­ker­recht­li­chen Amts­trä­ger­be­griff in § 335a StGB spre­chen. Ein sol­ches Ver­ständ­nis fin­det auch im Geset­zes­text eine Stüt­ze, da die­ser in Auf­bau und Struk­tur eng an Art. 2 § 1 Int­BestG ange­lehnt ist12.

Der Bun­des­ge­richts­hof sieht kei­nen Anlass, die­se Fra­ge vor­lie­gend abschlie­ßend zu klä­ren. Der von der Straf­kam­mer für die Ableh­nung der Amts­trä­ger­ei­gen­schaft allein her­an­ge­zo­ge­ne Aspekt der gewähl­ten Orga­ni­sa­ti­ons­form ist jeden­falls für die Ein­ord­nung nach deut­schem Recht grund­sätz­lich nicht rele­vant13 und dürf­te auch nach rus­si­schem Recht nicht maß­geb­lich sein14.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 23. Okto­ber 2018 – 1 StR 234/​17

  1. st. Rspr.; vgl. etwa BGH, Beschluss vom 14.04.2011 – 1 StR 458/​10, wis­tra 2011, 335, 336 Rn. 14 mwN []
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 29.05.1991 – StB 11/​91 Rn. 5, NJW 1991, 2498 []
  3. vgl. BGH, Urteil vom 29.08.2008 – 2 StR 587/​07, BGHSt 52, 323, 344 ff. Rn. 65 f. []
  4. vgl. BGH aaO mwN []
  5. vgl. BT-Drs. 13/​10428, S. 24 []
  6. BGBl. I, S.2025 []
  7. vgl. zu der dabei gebo­te­nen kon­kre­ten Betrach­tungs­wei­se zuletzt BGH, Urteil vom 04.07.2018 – 5 StR 46/​18, NStZ 2018, 652, 653 []
  8. vgl. BGH, Beschluss vom 10.06.2015 – 1 StR 399/​14, BGHSt 60, 266, 270 ff. Rn. 17 ff. []
  9. vgl. BGH, Urteil vom 29.08.2008 – 2 StR 587/​07, aaO []
  10. vgl. dazu zusam­men­fas­send NK/​Kuhlen, StGB, 5. Aufl., § 335a Rn. 25 ff. []
  11. vgl. BT-Drs. 18/​4350, S. 24 f. []
  12. vgl. NK/​Kuhlen, StGB, 5. Aufl., § 335a Rn. 21 []
  13. vgl. im Ein­zel­nen Münch­Komm-StG­B/­Rad­tke, 3. Aufl., § 11 Rn. 49 mwN []
  14. vgl. Straf­ge­setz­buch der Rus­si­schen Föde­ra­ti­on, Stand 1.01.2007, Deut­sche Über­set­zung, S.208 zu dem Begriff der Amts­per­son; vgl. dazu fer­ner Birke/​Dann, WiJ 2012, 133, 136 []