Die feh­ler­haf­te Gesamt­stra­fen­bil­dung – und das Ver­bot der refor­ma­tio in pei­us

Das bei allei­ni­ger Revi­si­on des Ange­klag­ten zu beach­ten­de ver­fah­rens­recht­li­che Ver­bot der refor­ma­tio in pei­us aus § 358 Abs. 2 Satz 1 StPO hat im Fal­le der feh­ler­haf­ten nach­träg­li­chen Gesamt­stra­fen­bil­dung zur Fol­ge, dass dem Ange­klag­ten ein durch die feh­ler­haf­te Anwen­dung des § 55 StGB erlang­ter Vor­teil nicht mehr genom­men wer­den darf 1.

Die feh­ler­haf­te Gesamt­stra­fen­bil­dung – und das Ver­bot der refor­ma­tio in pei­us

Das Ver­schlech­te­rungs­ver­bot führt hier dazu, dass die Ein­zel­stra­fe für die im ange­foch­te­nen Urteil neu abge­ur­teil­te Tat und die zwin­gend nach § 460 StPO zu bil­den­de Gesamt­stra­fe aus den Stra­fen aus den vor­her­ge­hen­den Urtei­len zusam­men die Dau­er von 17 Mona­ten (Sum­me der Gesamt­stra­fen von elf Mona­ten aus dem ange­foch­te­nen Urteil und von sechs Mona­ten aus dem noch ein­zu­be­zie­hen­den Ver­fah­ren) nicht über­stei­gen dür­fen. Da die Höhe der nun­mehr im Ver­fah­ren nach § 460 StPO noch fest­zu­set­zen­den nach­träg­li­chen Gesamt­stra­fe aus den sich aus den Vor­ver­ur­tei­lun­gen erge­ben­den (Einzel)Strafen offen ist, hebt der Bun­des­ge­richts­hof, um jede Schlech­ter­stel­lung der Ange­klag­ten aus­zu­schlie­ßen, den Ein­zel­straf­aus­spruch mit auf. Der neue Tatrich­ter wird – zweck­mä­ßi­ger­wei­se nach Durch­füh­rung des Ver­fah­rens zur nach­träg­li­chen Gesamt­stra­fen­bil­dung gemäß § 460 StPO – unter Beach­tung des Ver­bots der refor­ma­tio in pei­us eine neue Ein­zel­stra­fe zu bestim­men haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 8. Juni 2016 – 4 StR 73/​16

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 08.12 1995 – 2 StR 584/​95, StV 1996, 265 [LS]; vom 11.02.1988 – 4 StR 516/​87, BGHSt 35, 208, 212; Urteil vom 03.11.1955 – 3 StR 369/​55, BGHSt 8, 203[]