Die gesamt­stra­fen­fä­hi­ge, aber schon voll­streck­te Stra­fe – und der Här­teaus­gleich

Das Tat­ge­richt hat einen Här­teaus­gleich zu erör­tern und gege­be­nen­falls im Rah­men des für die Straf­zu­mes­sung gel­ten­den tatrich­ter­li­chen Ermes­sens vor­zu­neh­men, wenn die Ein­be­zie­hung einer grund­sätz­lich nach § 55 Abs. 1 StGB gesamt­stra­fen­fä­hi­gen Stra­fe nicht mehr mög­lich ist, weil die­se schon voll­stän­dig voll­streckt wur­de; dies gilt ins­be­son­de­re im Fall der Voll­stre­ckung einer Geld­stra­fe als Ersatz­frei­heits­stra­fe [1].

Die gesamt­stra­fen­fä­hi­ge, aber schon voll­streck­te Stra­fe – und der Här­teaus­gleich

So auch in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall: Nach den Fest­stel­lun­gen des Land­ge­richts ist der Ange­klag­te Y. durch rechts­kräf­ti­ge Ent­schei­dung des Amts­ge­richts Köln vom 17.11.2017 wegen einer am 26.01.2016 began­ge­nen Straf­tat des Fah­rens ohne Fahr­erlaub­nis in Tat­ein­heit mit Urkun­den­fäl­schung zu einer Geld­stra­fe von 70 Tages­sät­zen zu je 10 € ver­ur­teilt; die­se Geld­stra­fe ist im Wege der Ersatz­frei­heits­stra­fe durch Unter­bre­chung der Unter­su­chungs­haft in der vor­lie­gen­den Sache voll­streckt wor­den. Die Straf­kam­mer hat die bei die­ser Sach­la­ge ange­zeig­te Vor­nah­me eines Här­teaus­gleichs unter­las­sen.

Der Här­teaus­gleich ist in die Bemes­sung der Gesamt­frei­heits­stra­fe ein­zu­stel­len [2].

Das Revi­si­ons­ge­richt kann in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 354 Abs. 1 StPO den unter­blie­be­nen Här­teaus­gleich aus­nahms­wei­se selbst vor­neh­men [3].

Um jeg­li­che Beschwer des Ange­klag­ten aus­zu­schlie­ßen, nahm der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall als Aus­gleich einen Abzug in Höhe der voll­streck­ten Vor­stra­fe vor und setzt die Gesamt­frei­heits­stra­fe auf fünf Jah­re und drei Wochen fest, mit­hin auf die inso­weit gesetz­lich zuläs­sig nied­rigs­te Stra­fe.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 1. Juli 2020 – 2 StR 514/​19

  1. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 17.09.2014 – 2 StR 325/​14 2 f.; vom 11.02.2016 – 2 StR 397/​15 5; vom 25.02.2016 – 2 StR 31/​16, NStZ-RR 2016, 251[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 25.02.2016 – 2 StR 31/​16, NSt­ZRR 2016, 251; BGH, Urteil vom 29.07.1982 – 4 StR 75/​82, BGHSt 31, 102, 103; LK/­Ris­sing-van Saan/​Scholze, StGB, 13. Aufl., § 55 Rn. 32; SSWStGB/​Eschelbach, 4. Aufl., § 55 Rn.20[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 19.06.1997 – 4 StR 232/​97; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 63. Aufl., § 354 Rn. 27[]