Die Tat­be­tei­li­gung des Drogenkuriers

Beim Betäu­bungs­mit­tel­han­del gel­ten für die Abgren­zung von (Mit-)Täterschaft und Bei­hil­fe die all­ge­mei­nen Grund­sät­ze über die Abgren­zung zwi­schen die­sen Beteiligungsformen.

Die Tat­be­tei­li­gung des Drogenkuriers

Ob ein Betei­lig­ter eine Tat als Täter oder Gehil­fe begeht, ist danach in wer­ten­der Betrach­tung nach den gesam­ten Umstän­den, die von sei­ner Vor­stel­lung umfasst sind, zu beurteilen.

Wesent­li­che Anhalts­punk­te kön­nen sein

  • der Grad des eige­nen Inter­es­ses am Erfolg der Tat,
  • der Umfang der Tatbeteiligung,
  • die Tat­herr­schaft oder wenigs­tens der Wil­le zu ihr sein1.

Beschränkt sich – wie regel­mä­ßig bei einem Kurier – die Betei­li­gung am Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln auf einen Teil­akt des Umsatz­ge­schäfts, kommt es maß­geb­lich dar­auf an, wel­che Bedeu­tung der kon­kre­ten Betei­li­gungs­hand­lung im Rah­men des Gesamt­ge­schäfts zukommt:

  • Erschöpft sich die Tätig­keit im blo­ßen Trans­port von Betäu­bungs­mit­teln, ist regel­mä­ßig von einer unter­ge­ord­ne­ten Bedeu­tung auszugehen.
  • Eine ande­re Bewer­tung kommt nur in Betracht, wenn der Kurier erheb­li­che, über den rei­nen Trans­port hin­aus­ge­hen­de Tätig­kei­ten ent­fal­tet, am An- und Ver­kauf des Rausch­gifts unmit­tel­bar betei­ligt ist oder sonst ein eige­nes Inter­es­se am wei­te­ren Schick­sal des Gesamt­ge­schäfts hat, weil er eine Betei­li­gung am Umsatz oder zu erzie­len­den Gewinn erhal­ten soll2.

Durch den Trans­port (hier:) des Mari­hua­nas und des­sen anschlie­ßen­de Ver­wah­rung in sei­nem Hotel­zim­mer hat­te der Kurier unmit­tel­ba­ren Besitz an die­sem, sodass er sich tat­ein­heit­lich wegen täter­schaft­li­chen uner­laub­ten Besit­zes von Betäu­bungs­mit­teln in nicht gerin­ger Men­ge (§ 29a Abs. 1 Nr. 2 Var. 4 BtMG, § 52 StGB) schul­dig gemacht hat3.

Weiterlesen:
Notwendige Verteidigung wegen Akteneinsicht

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. Okto­ber 2020 – 1 StR 331/​20

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 13.05.2020 – 1 StR 43/​20 – mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschlüs­se vom 12.08.2014 – 4 StR 174/​14 – 3; vom 29.01.2019 – 4 StR 589/​18 – 4; Weber, BtMG, 5. Auf­la­ge, § 29 Rn. 701[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 02.10.2008 – 3 StR 352/​08 – 1; Patzak in Körner/​Patzak/​Volkmer, BtMG, 9. Auf­la­ge, § 29a Rn. 158[]

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