Dro­gen­dea­ler als Ban­de

Wesent­li­ches Merk­mal einer Ban­de ist die auf eine gewis­se Dau­er ange­leg­te Ver­bin­dung von min­des­tens drei Per­so­nen zur gemein­sa­men Delikts­be­ge­hung [1]. Dar­an fehlt es, wenn sich die Betei­lig­ten eines Betäu­bungs­mit­tel­ge­schäfts auf der Ver­käu­fer- und der Erwer­ber­sei­te selb­stän­dig gegen­über ste­hen, auch wenn sie in einem ein­ge­spiel­ten Bezugs- und Absatz­sys­tem im Rah­men einer andau­ern­den Geschäfts­be­zie­hung han­deln.

Dro­gen­dea­ler als Ban­de

Ob eine Per­son, die regel­mä­ßig von einem bestimm­ten Ver­käu­fer Betäu­bungs­mit­tel zum Zwe­cke des gewinn­brin­gen­den Wei­ter­ver­kaufs bezieht, in des­sen Absatz­or­ga­ni­sa­ti­on als ver­län­ger­ter Arm ein­ge­bun­den ist oder die­ser auf der Abneh­mer­sei­te als selb­stän­di­ger Geschäfts­part­ner gegen­über steht, beur­teilt sich wesent­lich nach der getrof­fe­nen Risi­ko­ver­tei­lung [2].

Inso­weit ist es unzu­rei­chend, zur Fra­ge, ob eine Ban­de vor­liegt, nur den der Beschaf­fung des Rausch­gifts nach­fol­gen­den Ver­kauf durch den Ange­klag­ten und sei­ne Mit­tä­ter in den Blick zu neh­men, da Bezugs­punkt für die Prü­fung, ob die Betei­lig­ten ande­rer­seits auf wirt­schaft­lich unter­schied­li­chen Sei­ten die­ses Geschäfts ste­hen, sämt­li­che Teil­ak­te des Han­del­trei­bens sind, mit­hin auch der Teil­akt der mit­tä­ter­schaft­lich orga­ni­sier­ten Beschaf­fung.

Anders als in den Fall­kon­stel­la­tio­nen, in denen es um die Bewer­tung rei­ner Absatz­be­zie­hun­gen zwi­schen Ver­käu­fer und Erwer­ber geht, war im vor­lie­gend ent­schie­de­nen Fall der stets „auf eine bestimm­te Art und Wei­se“ erfol­gen­de Tat­ab­lauf nicht nur durch ein Zusam­men­wir­ken beim Absatz­ge­schäft gekenn­zeich­net, son­dern auch durch eine arbeits­tei­lig erfol­gen­de Beschaf­fung des Rausch­gifts, wes­we­gen das Land­ge­richt inso­weit die Betei­lig­ten und den Ange­klag­ten als Mit­tä­ter ange­se­hen hat. Die­ser Teil­akt war durch ein gemein­sa­mes Inter­es­se an dem Voll­zug des vom Ange­klag­ten zuvor mit sei­nem Händ­ler aus­ge­han­del­ten Ankauf­ge­schäfts und mit­hin durch ein gemein­sa­mes Agie­ren auf der Erwer­ber­sei­te geprägt. Dies kommt in den Moda­li­tä­ten zur Fahrt nach F. , der Ver­sen­dung der Dro- gen an die Mit­tä­ter des Ange­klag­ten und der damit ver­bun­de­nen Über­bür­dung des Ent­de­ckungs­ri­si­kos auf die­se zum Aus­druck.

Mit­tä­ter­schaft allein ist noch nicht aus­rei­chend für die Annah­me einer ban­den­mä­ßi­gen Bege­hung, es bedarf viel­mehr einer aus­drück­li­chen oder kon­klu­den­ten Abre­de dar­über, mit den ande­ren Ban­den­mit­glie­dern in Zukunft für eine gewis­se Dau­er eine unbe­stimm­te Zahl von Straf­ta­ten zu bege­hen [3].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. Sep­tem­ber 2014 – 1 StR 145/​14

  1. BGH, Beschluss vom 22.03.2001 – GSSt 1/​00, BGHSt 46, 321; Urtei­le vom 22.04.2004 – 3 StR 28/​04, NStZ 2004, 696; und vom 29.02.2012 – 2 StR 426/​11[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 06.02.2007 – 4 StR 612/​06, NStZ 2007, 533; vom 05.10.2007 – 2 StR 436/​07, NStZ-RR 2008, 55; vom 05.07.2011 – 3 StR 129/​11, Stra­Fo 2011, 413 mwN; vom 31.07.2012 – 5 StR 315/​12, NStZ 2013, 49[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 22.03.2001 – GSSt 1/​00, BGHSt 46, 321, 328 ff.; Beschluss vom 14.05.2014 – 2 StR 465/​13[]