Erpres­sung – Gewalt oder Dro­hung?

Gewalt setzt auch beim Erpres­sungs­tat­be­stand die Ent­fal­tung von – nicht not­wen­dig erheb­li­cher – Kör­per­kraft durch den Täter vor­aus, die einen unmit­tel­bar oder mit­tel­bar auf den Kör­per eines ande­ren wir­ken­den Zwang aus­übt, der nach der Vor­stel­lung des Täters geeig­net ist, einen geleis­te­ten oder erwar­te­ten Wider­stand zu über­win­den oder aus­zu­schlie­ßen 1.

Erpres­sung – Gewalt oder Dro­hung?

Eine Erpres­sung kann auch durch Dro­hung mit einem emp­find­li­chen Übel began­gen wer­den (§ 253 Abs. 1 StGB). Dabei kann ein schlüs­si­ges Han­deln aus­rei­chend sein, wenn der Täter das ange­droh­te emp­find­li­che Übel durch ein bestimm­tes Ver­hal­ten genü­gend erkenn­bar macht 2.

Besteht das kon­klu­dent ange­droh­te emp­find­li­che Übel in unmit­tel­bar dro­hen­den kör­per­li­chen Über­grif­fen und damit einer gegen­wär­ti­gen Gefahr für Leib oder Leben, kann eine räu­be­ri­sche Erpres­sung gemäß §§ 253, 255 StGB gege­ben sein. Dar­auf, ob der Täter die Dro­hung erfor­der­li­chen­falls auch ver­wirk­li­chen will, kommt es nicht an 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Sep­tem­ber 2015 – 4 StR 152/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 20.07.1995 – 1 StR 126/​95, BGHSt 41, 182, 185; Beschluss vom 27.07.1995 – 1 StR 327/​95, NStZ 1995, 592 f. [jeweils zu § 240 StGB]; San­der in: Münch­Komm-StGB, 2. Aufl., § 253 Rn. 4; SSW-StG­B/Kud­lich, 2. Aufl., § 253 Rn. 4[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 11.03.2015 – 2 StR 323/​14, NStZ 2015, 461[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 18.03.2015 – 3 StR 595/​14, NStZ-RR 2015, 213[]