Erwei­ter­ter Ver­fall – und der Gegen­stand der Ver­ur­tei­lung

Bei der Anord­nung des Ver­falls nach § 73 StGB muss die Tat, für die oder aus der etwas erlangt wor­den ist, Gegen­stand der Ver­ur­tei­lung sein 1.

Erwei­ter­ter Ver­fall – und der Gegen­stand der Ver­ur­tei­lung

Dem Ver­fall unter­liegt dabei das, was unmit­tel­bar für die oder aus der abge­ur­teil­ten Tat erlangt wor­den ist. Soweit ein Zugriff auf das unmit­tel­bar Erlang­te nicht (mehr) mög­lich ist und von einem Ver­fall eines Ersatz­ge­gen­stan­des gemäß § 73 Abs. 2 Satz 2 StGB abge­se­hen wird, ist nach § 73a Satz 1 StGB der Ver­fall eines Geld­be­tra­ges anzu­ord­nen, der dem Wert des Erlang­ten ent­spricht (Wert­er­satz­ver­fall).

Fin­det der erwei­ter­te Ver­fall Anwen­dung, erstreckt sich der Ver­fall auf Ver­mö­gens­ge­gen­stän­de des Ange­klag­ten, die unmit­tel­bar für oder aus rechts­wid­ri­gen Taten erlangt wor­den sind, ohne dass die­se Taten im Ein­zel­nen fest­ge­stellt wer­den müs­sen 2. Als Ver­falls­ge­gen­stän­de erfasst wer­den alle im Sin­ne des § 73d Abs. 1 Satz 1 StGB aus rechts­wid­ri­gen Taten her­rüh­ren­den Gegen­stän­de oder deren Sur­ro­ga­te gemäß § 73d Abs. 1 Satz 3, § 73 Abs. 2 Satz 2 StGB, die bei Bege­hung der den erwei­ter­ten Ver­fall eröff­nen­den Anknüp­fungs­tat im Ver­mö­gen des Ange­klag­ten vor­han­den waren 3.

Ist der Ver­fall eines bestimm­ten Gegen­stan­des nach der Anknüp­fungs­tat ganz oder teil­wei­se unmög­lich gewor­den, ist nach § 73d Abs. 2 StGB in ent­spre­chen­der Anwen­dung des § 73a StGB auf Wert­er­satz­ver­fall in Höhe des Wer­tes des ursprüng­lich dem erwei­ter­ten Ver­fall unter­lie­gen­den Gegen­stan­des zu erken­nen 4.

Im Ver­hält­nis zur Ver­falls­an­ord­nung nach § 73 StGB ist der erwei­ter­te Ver­fall gemäß § 73d Abs. 1 StGB sub­si­di­är. Die Anord­nung des § 73d StGB setzt daher vor­aus, dass nach Aus­schöp­fung aller Beweis­mit­tel nicht fest­ge­stellt wer­den kann, dass die aus oder für rechts­wid­ri­ge Taten erlang­ten Gegen­stän­de aus sol­chen Taten her­rüh­ren, die Gegen­stand der Ver­ur­tei­lung sind 5.

Zu den Gegen­stän­den, die der Ange­klag­te als Sur­ro­gat im Sin­ne von § 73 Abs. 2 Satz 2 StGB erwor­ben hat, zäh­len auch sol­che Gegen­stän­de, die der Täter unter Ver­wen­dung (delik­tisch) erlang­ter Geld­be­trä­ge ange­schafft hat 6. Soll­te dage­gen das erbeu­te­te Bar­geld bzw. der Ver­kaufs­er­lös mit den staat­li­chen Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen (hier: Grund­si­che­rungs­leis­tun­gen) ver­mischt wor­den sein, wären die Vor­aus­set­zun­gen des § 73a Satz 2 StGB (Ver­fall von Wert­er­satz) gege­ben.

Bleibt daher die Mög­lich­keit offen, dass das Bar­geld bzw. der Ver­kaufs­er­lös nicht, nicht voll­stän­dig oder über­haupt nicht aus den abge­ur­teil­ten Taten stamm­ten, da die kon­kre­te Ver­tei­lung der Beu­te unter den Tat­be­tei­lig­ten nicht bekannt ist und die Grup­pie­rung noch wei­te­re Ein­brü­che began­gen hat­te, sind die Vor­aus­set­zun­gen des erwei­ter­ten Ver­falls nach §§ 73 Abs. 2 Satz 2, 73d Abs. 1 Satz 1 StGB gege­ben 7.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 15. März 2016 – 1 StR 662/​15

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 20.04.2010 – 4 StR 119/​10, NStZ-RR 2010, 255[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 22.11.1994 – 4 StR 516/​94, BGHSt 40, 371, 373[]
  3. vgl. Gesetz­ent­wurf der Bun­des­re­gie­rung für ein Straf­rechts­än­de­rungs­ge­setz – Erwei­ter­ter Ver­fall , BT-Drs. 11/​6623 S. 8; BGH, Beschlüs­se vom 01.07.2004 – 4 StR 226/​04, Stra­Fo 2004, 394; vom 07.01.2003 – 3 StR 421/​02, NStZ 2003, 422, 423; Urteil vom 09.05.2001 – 3 StR 541/​00, BGHR StGB § 73d Gegen­stän­de 4[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 09.05.2001 – 3 StR 541/​00, aaO[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 07.07.2011 – 3 StR 144/​11, BGHR StGB § 73d Anwen­dungs­be­reich 3 [Grün­de]; Beschluss vom 23.05.2012 – 4 StR 76/​12, NStZ-RR 2012, 312 f.[]
  6. BGH, Beschluss vom 18.11.2015 – 2 StR 399/​15, NStZ-RR 2016, 83 f. mwN[]
  7. vgl. BGH, Urteil vom 07.07.2011 – 3 StR 144/​11 Rn. 6 und 7 mwN[]