Gericht­li­che Fest­stel­lun­gen zur Geschwin­dig­keits­mes­sung

Urteils­grün­de erwei­sen sich als lücken­haft im Sin­ne von § 267 Abs. 1 StPO, wenn weder mit­ge­teilt wird, mit wel­chem Mess­ver­fah­ren die Geschwin­dig­keits­über­schrei­tung fest­ge­stellt wor­den ist, noch sich dem Urteil ent­neh­men lässt, ob der Amts­rich­ter ange­nom­men hat, es han­de­le sich dabei um ein stan­dar­di­sier­ten Mess­ver­fah­ren im Sin­ne der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­ho­fes [1].

Gericht­li­che Fest­stel­lun­gen zur Geschwin­dig­keits­mes­sung

Ins­be­son­de­re muss aus den Urteils­grün­den selbst bzw. den wei­te­ren in Bezug genom­me­nen Unter­la­gen deut­lich her­vor­ge­hen, ob der Amts­rich­ter ange­nom­men hat, Gerät und Mess­ver­fah­ren sei­en von der Phy­si­ka­lisch-Tech­ni­schen Bun­des­an­stalt (PTB) zuge­las­sen.

Ist dies der Fall, dann hat die PTB mit der Zulas­sung im Wege eines Behör­den­gut­ach­tens (anti­zi­pier­tes Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­ten) zugleich erklärt, dass bei dem zuge­las­se­nen Gerät ein durch Nor­men ver­ein­heit­lich­tes (tech­ni­sches) Ver­fah­ren vor­liegt, bei dem die Bedin­gun­gen sei­ner Anwend­bar­keit und sein Ablauf so fest­ge­legt sind, dass unter glei­chen Vor­aus­set­zun­gen glei­che Ergeb­nis­se zu erwar­ten sind (sog. „stan­dar­di­sier­te Mess­ver­fah­ren“ [2]. Die Zulas­sung erfolgt dabei nur, wenn das Mess­ge­rät die umfang­rei­chen Test­rei­hen erfolg­reich durch­lau­fen hat, bei denen die PTB das Mess­ge­rät auch unter aty­pi­schen Ver­kehrs­sze­na­ri­en auf sei­ne Stö­rungs­re­sis­tenz prüft. Die Art der Ver­wen­dung und der zuläs­si­ge Ver­wen­dungs­auf­bau wer­den von der PTB bei der Zulas­sung vor­ge­ge­ben [3].

Ist ein Mess­ge­rät von der PTB zuge­las­sen und ist das Mess­ge­rät im Rah­men der Zulas­sungs­vor­ga­ben ver­wen­det wor­den, ist das Tat­ge­richt grds. von wei­te­ren tech­ni­schen Prü­fun­gen, ins­be­son­de­re zur Funk­ti­ons­wei­se des Mess­ge­räts, ent­ho­ben. Die Zulas­sung durch die PTB ersetzt die­se Prü­fung. Damit soll erreicht wer­den, dass bei den Mas­sen­ver­fah­ren im Buß­geld­be­reich nicht jedes Amts­ge­richt bei jedem ein­zel­nen Ver­fah­ren die tech­ni­sche Rich­tig­keit der Mes­sung jeweils neu über­prü­fen muss. Ist die Mes­sung im Rah­men der Zulas­sung erfolgt, – der­zeit nach Maß­ga­be der PTB-Anfor­de­run­gen (PTB‑A) 18.11 vom Dezem­ber 2013, kann ein Gericht daher grund­sätz­lich von der Rich­tig­keit der Mes­sung aus­ge­hen [4].

Nur wenn im Ein­zel­fall kon­kre­te Tat­sa­chen dem Gericht gegen­über vor­ge­tra­gen wer­den, die geeig­net sind, Zwei­fel an der Rich­tig­keit des zur Ver­hand­lung ste­hen­den kon­kre­ten Mess­ergeb­nis­ses auf­kom­men las­sen, kann das Tat­ge­richt sich ver­an­lasst sehen, die­se Zwei­fel durch die Bestel­lung eines Sach­ver­stän­di­gen nach §§ 73 ff StPO zu veri­fi­zie­ren, der dann die kon­kre­te Mes­sung zu über­prü­fen hat [5].

Schles­wig ‑Hol­stei­ni­sches Ober­lan­des­ge­richt, Beschluss vom 11. Novem­ber 2016 – 2 SsO­Wi 161/​16 (89/​16) – 2 Ss OWi 161/​16 (89/​16)

  1. BGHSt. 39, 291 ff[]
  2. stän­di­ge Rspr. der Ober­ge­rich­te; vgl. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 14.07.2014 – IV‑1 RBs 50/​14, 1 RBs 50/​14 m.w.N.[]
  3. OLG Frank­furt, Beschluss vom 04.12 2014 – 2 Ss-OWi 1041/​14, 2 Ss OWi 1041/​14, Abs. 15, 16[]
  4. OLG Frank­furt aaO.[]
  5. OLG Frank­furt aaO; OLG Schles­wig, Beschlüs­se vom 10.10.2014 – 2 SsO­Wi 162/​14 (75/​14), SchlHA 2015, 344; und vom 14.11.2013 – 2 SsO­Wi 145/​13 (65/​13) []