In dubio pro reo – und die Gesamt­wür­di­gung

Der Grund­satz "in dubio pro reo" ist kei­ne Beweis, son­dern eine Ent­schei­dungs­re­gel, die das Gericht erst dann zu befol­gen hat, wenn es nach abge­schlos­se­ner Beweis­wür­di­gung nicht die vol­le Über­zeu­gung von der Täter­schaft zu gewin­nen ver­mag. Auf ein­zel­ne Ele­men­te der Beweis­wür­di­gung ist er grund­sätz­lich nicht anzu­wen­den 1.

In dubio pro reo – und die Gesamt­wür­di­gung

Das Gericht wählt einen rechts­feh­ler­haf­ten Ansatz, wenn es "Sach­ver­halts­lü­cken" jeweils unab­hän­gig vom rest­li­chen Sach­ver­halt gemäß dem Zwei­fels­satz zuguns­ten des Ange­klag­ten zu schlie­ßen ver­sucht. Denn hier­durch ver­engt es die Betrach­tung auf die­je­ni­gen Beweis­an­zei­chen, denen es eine unmit­tel­ba­re Aus­sa­ge­kraft für das jewei­li­ge Sach­ver­halts­ele­ment bei­misst. Das Gericht muss statt einer iso­lier­ten Beweis­wür­di­gung für ein­zel­ne Sach­ver­halts­ele­men­te eine Gesamt­be­wer­tung aller be- und ent­las­ten­den Beweis­an­zei­chen mit dem ihnen jeweils zukom­men­den Beweis­wert vor­neh­men.

Indem das Land­ge­richt im vor­lie­gen­den Fall unter mehr­fa­cher iso­lier­ter Anwen­dung des Zwei­fels­sat­zes den für den Ange­klag­ten güns­tigs­ten Gesche­hens­ab­lauf annimmt, der nicht ein­mal mit der Ein­las­sung des Ange­klag­ten in Ein­klang zu brin­gen ist, hat das Land­ge­richt zudem ver­kannt, dass es weder im Hin­blick auf den Zwei­fels­satz noch sonst gebo­ten ist, zuguns­ten des Ange­klag­ten Gesche­hens­ab­läu­fe zu unter­stel­len, für deren Vor­lie­gen außer nicht wider­leg­ba­ren und durch nichts gestütz­ten Anga­ben des Ange­klag­ten kei­ne Anhalts­punk­te bestehen 2.

Im Übri­gen ist

für die Über­zeu­gung des Tatrich­ters von einem bestimm­ten Sach­ver­halt eine abso­lu­te, das Gegen­teil aus­schlie­ßen­de Gewiss­heit nicht erfor­der­lich 3.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 1. Juni 2016 – 1 StR 597/​15

  1. vgl. BGH, Urteil vom 05.11.2014 – 1 StR 327/​14 Rn. 44, NStZ-RR 2015, 83 mwN[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 05.11.2014 – 1 StR 327/​14 Rn. 37, NStZ-RR 2015, 83 mwN[]
  3. st. Rspr.; vgl. BGH, Urteil vom 29.10.2009 – 4 StR 368/​09, NStZ 2010, 292[]