Kein Video vom NSU-Ver­fah­ren

Und wie­der ein­mal muss­te sich das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit dem Mün­che­ner NSU-Ver­fah­ren schon vor des­sen Beginn beschäf­ti­gen. Dies­mal waren eini­ge Neben­klä­ger nach Karls­ru­he gezo­gen, um dem Show-Cha­rak­ter des Ver­fah­rens zu erhö­hen. Frei­lich zog das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht mit und nahm die mit dem Ziel der Video­über­tra­gung in einen wei­te­ren Saal ein­ge­leg­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung an.

Kein Video vom NSU-Ver­fah­ren

Die jetzt vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt geschei­ter­ten Beschwer­de­füh­rer sind Neben­klä­ger im NSU-Ver­fah­ren vor dem Ober­lan­des­ge­richt Mün­chen 1. Mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de wen­den sie sich gegen zwei Ver­fü­gun­gen des Vor­sit­zen­den des zustän­di­gen Straf­se­nats vom 4. März 2013 und 19. April 2013, wonach die Haupt­ver­hand­lung in einem Sit­zungs­saal statt­fin­den soll, der über ledig­lich 100 Sitz­plät­ze für Zuhö­rer verfügt.Dies rei­che ange­sichts des erheb­li­chen öffent­li­chen Inter­es­ses nicht aus. Zugleich bean­tra­gen sie, dem Vor­sit­zen­den im Wege der einst­wei­li­gen Anord­nung auf­zu­ge­ben, die Haupt­ver­hand­lung mit­tels Video­tech­no­lo­gie in min­des­tens einen wei­te­ren Sit­zungs­saal über­tra­gen zu las­sen.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, da sie man­gels einer den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen (§ 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG) ent­spre­chen­den Begrün­dung unzu­läs­sig ist. § 23 Abs. 1 Satz 2, § 92 BVerfGG ent­hal­ten Min­dest­an­for­de­run­gen an die Begrün­dung einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de. Der Beschwer­de­füh­rer muss eine Grund­rechts­ver­let­zung durch Bezeich­nung des angeb­lich ver­letz­ten Rechts und des die Ver­let­zung ent­hal­ten­den Vor­gangs sub­stan­ti­iert und schlüs­sig vor­tra­gen. Dabei hat er dar­zu­le­gen, inwie­weit er sich durch die ange­grif­fe­ne Maß­nah­me in dem bezeich­ne­ten Grund­recht selbst, unmit­tel­bar und gegen­wär­tig ver­letzt sieht 2. Die­sen Anfor­de­run­gen genügt die Begrün­dung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht. Die Beschwer­de­füh­rer beru­fen sich allein auf Art. 20 GG (Rechts­staats- und Demo­kra­tie­prin­zip), ohne eine Ver­let­zung in eige­nen Grund­rech­ten dar­zu­le­gen. Sie machen nicht gel­tend, selbst an einer Teil­nah­me an der Haupt­ver­hand­lung gehin­dert zu sein, son­dern argu­men­tie­ren aus­schließ­lich mit dem öffent­li­chen Infor­ma­ti­ons­in­ter­es­se und machen sich damit zu Sach­wal­tern der All­ge­mein­heit. Eine Beschwer­de­be­fug­nis im Sin­ne des § 90 Abs. 1 BVerfGG ist weder dar­ge­tan noch ersicht­lich.

Mit der Nicht­an­nah­me der Ver­fas­sungs­be­schwer­de erle­digt sich der Antrag auf Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung (§ 40 Abs. 3 GOB­VerfG).

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 24. April 2013 – 2 BvR 872/​13

  1. OLG Mün­chen – 6 St 3/​12
  2. vgl. BVerfGE 89, 155, 171; 99, 84, 87; 123, 267, 329