Man­dan­ten­gel­der auf dem gepfän­de­ten Anwalts­kon­to

Ein Rechts­an­walt, der Gerichts­kos­ten­vor­schüs­se bzw. für sei­ne Man­dan­ten in Emp­fang genom­me­nen Gel­der nicht wei­ter­lei­tet son­dern ander­wei­tig ver­wen­det, erfüllt jeweils den Tat­be­stand der Untreue.

Man­dan­ten­gel­der auf dem gepfän­de­ten Anwalts­kon­to

So begeht ein Rechts­an­walt, der sich im Rah­men eines bestehen­den Anwalts­ver­tra­ges zur Wei­ter­lei­tung bestimm­te Fremd­gel­der auf sein Geschäfts­kon­to ein­zah­len lässt und weder unein­ge­schränkt bereit noch jeder­zeit fähig ist, einen ent­spre­chen­den Betrag aus eige­nen flüs­si­gen Mit­teln voll­stän­dig aus­zu­keh­ren, eine Untreue 1.

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall war das Geschäfts­kon­to häu­fig über­zo­gen und per­ma­nent Pfän­dungs­maß­nah­men unter­wor­fen, so dass ein­ge­hen­de Man­dan­ten­gel­der inso­weit unmit­tel­bar mit Ein­gang auf dem Kon­to dem Aus­gleich des Solls dien­ten.

Soweit dem Rechts­an­walt in Ein­zel­fäl­len mög­li­cher­wei­se Hono­rar­an­sprü­che in einer die Zah­lungs­ein­gän­ge über­stei­gen­den Höhe zustan­den, hin­dert dies nicht die Annah­me eines Ver­mö­gens­nach­teils. Zwar fehlt es an einem Ver­mö­gens­nach­teil, wenn der Täter einen fäl­li­gen Geld­an­spruch gegen das von ihm treu­hän­de­risch ver­wal­te­te Ver­mö­gen hat und hier­über in ent­spre­chen­der Höhe zu eige­nen Guns­ten ver­fügt, so dass der Treu­ge­ber von einer bestehen­den Ver­bind­lich­keit befreit wird 2. Dies setzt aber vor­aus, dass die Ver­wen­dung der Man­dan­ten­gel­der nicht mit dem Vor­satz rechts­wid­ri­ger Berei­che­rung erfolgt, son­dern tat­säch­lich dem Zweck dient, bestehen­de Hono­rar­an­sprü­che zu befrie­di­gen 3. Dar­an fehl­te es im hier ent­schie­de­nen Fall: Irgend­wel­che Hono­rar­an­sprü­che hat der Rechts­an­walt in kei­nem der abge­ur­teil­ten Fäl­le bezif­fert und gel­tend gemacht, so dass es schon des­halb an einer mög­li­cher­wei­se in Betracht kom­men­den Auf­rech­nungs­la­ge fehlt. Viel­mehr dien­te die Ver­wen­dung der Fremd­gel­der durch den Rechts­an­walt ein­zig dazu, die im Zusam­men­hang mit dem Betrieb der Kanz­lei anfal­len­den Kos­ten beglei­chen und pri­va­te Ver­bind­lich­kei­ten erfül­len zu kön­nen.

Soweit sich die Tat­hand­lung des Rechts­an­walts aller­dings in einem ein­ma­li­gen Anspruchs­schrei­ben unter Anga­be sei­nes Geschäfts­kon­tos für zu leis­ten­de Zah­lun­gen erschöp­fen, recht­fer­tigt dies – auch wenn die Gegen­sei­te meh­re­re Teil­zah­lun­gen erbracht hat – nicht die Annah­me von Tat­mehr­heit 4.

Beim Straf­aus­spruch hat das Gericht zu berück­sich­ti­gen, wenn der Rechts­an­walt auf­grund die­ser Tat­vor­wür­fe aus der Rechts­an­walt­schaft aus­ge­schlos­sen wor­den ist. Anwalts­recht­li­che Sank­tio­nen nach § 114 Abs. 1 BRAO sind als Neben­wir­kun­gen einer straf­recht­li­chen Ver­ur­tei­lung gemäß § 46 Abs. 1 Satz 2 StGB bereits bei der Bemes­sung der Ein­zel­stra­fen zu berück­sich­ti­gen, wenn der Rechts­an­walt durch sie sei­ne beruf­li­che und wirt­schaft­li­che Basis ver­liert 5.

Soweit hier­nach eine Bewäh­rungs­stra­fe in Betracht kommt, ist wei­ter zu beach­ten, dass zwar ein Berufs­ver­bot grund­sätz­lich auch neben einer Bewäh­rungs­stra­fe ver­hängt wer­den kann, etwa dann, wenn der Gefahr wei­te­rer Straf­ta­ten gera­de durch das Berufs­ver­bot ent­ge­gen­ge­steu­ert wer­den kann 6; dies erfor­dert aber eine Gesamt­wür­di­gung der Umstän­de des Ein­zel­falls 7, in deren Rah­men hier auch zu berück­sich­ti­gen gewe­sen wäre, dass die Ver­hän­gung eines Berufs­ver­bots dann aus­schei­det, wenn zu erwar­ten ist, dass der Ange­klag­te bereits durch die Ver­ur­tei­lung zu der ver­häng­ten Stra­fe oder jeden­falls durch deren Ver­bü­ßung von wei­te­ren Taten abge­hal­ten wer­den kann 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 24. Juli 2014 – 2 StR 221/​14

  1. vgl. BGH, Urteil vom 27.01.1988 – 3 StR 61/​87, BGHR StGB § 266 Abs. 1 Nach­teil 8; Beschluss vom 30.10.2003 – 3 StR 276/​03, NStZ-RR 2004, 54[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 13.07.1999 – 5 StR 667/​98, BGHR StGB § 266 Abs. 1 Nach­teil 46[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 07.05.1997 – 1 StR 638/​97, NStZ-RR 1997, 298, 299; Beschluss vom 05.07.2011 – 3 StR 444/​10, NStZ-RR 2011, 312, 313; Schmidt, NStZ 2013, 498, 500 f.[]
  4. vgl. BGH, Beschluss vom 25.07.1997 – 3 StR 179/​97, NStZ-RR 1997, 357[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 13.02.1991 – 3 StR 13/​91, BGHR StGB § 356 Abs. 1 Rechts­sa­che 1; Beschluss vom 02.02.2010 – 4 StR 514/​09, StV 2010, 479 f.[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 30.10.2003 – 3 StR 276/​03, NStZ-RR 2004, 54; LK-Hanack, 12. Aufl., § 70 Rn. 43a[]
  7. vgl. BGH, Beschluss vom 05.08.2009 – 5 StR 248/​09, NStZ 2010, 170, 171[]
  8. BGH, Beschluss vom 12.09.1994 – 5 StR 487/​94, NStZ 1995, 124[]