Rechts­ex­tre­me Lie­der – und das Ver­brei­ten von Pro­pa­gan­da­mit­teln ver­fas­sungs­wid­ri­ger Orga­ni­sa­tio­nen

Unter die Pro­pa­gan­da­mit­tel im Sin­ne von § 86 StGB fal­len nur sol­che Schrif­ten (§ 11 Abs. 3 StGB), deren Inhal­te gegen die frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung ver­sto­ßen (§ 86 Abs. 2 StGB) und die auf­grund des­sen eine aktiv kämp­fe­ri­sche, aggres­si­ve Ten­denz in die­se Rich­tung erken­nen las­sen 1.

Rechts­ex­tre­me Lie­der – und das Ver­brei­ten von Pro­pa­gan­da­mit­teln ver­fas­sungs­wid­ri­ger Orga­ni­sa­tio­nen

Kri­tik, Ableh­nung und poli­ti­sches Wunsch­den­ken rei­chen eben­so wenig wie wis­sen­schaft­li­che Abhand­lun­gen, Doku­men­ta­tio­nen oder bel­le­tris­ti­sche Dar­stel­lun­gen, wenn und soweit ihnen der wer­ben­de, auf­wieg­le­ri­sche Cha­rak­ter fehlt, wel­cher der Pro­pa­gan­da eig­net.

Die ver­fas­sungs­feind­li­che Ziel­set­zung muss in der Schrift selbst ver­kör­pert sein, wobei auf den ver­stän­di­gen Durchschnittsleser(hörer) abzu­stel­len ist 2.

Im hier ent­schie­de­nen Fall ging es um das Abspie­len des Titels "Blut und Ehre" der Grup­pe Schwar­ze Divi­si­on Sach­sen, in dem deut­lich hör­bar die Paro­le "Deutsch­land Heil dir, Sieg Heil, Sieg Heil, Sieg Heil" sowie "Blut und Ehre" gesun­gen wur­de. Die­se Text­frag­men­te allein reich­ten dem Bun­des­ge­richts­hof nicht als Beleg, dass es sich bei dem Lied um ein Pro­pa­gan­da­mit­tel im Sin­ne von § 86 StGB han­del­te. Sie erschöp­fen sich in der Wie­der­ga­be von Kenn­zei­chen natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen ("Sieg Heil", "Blut und Ehre"). Deren Ver­wen­dung allei­ne hebt eine Schrift noch nicht zum Pro­pa­gan­da­mit­tel und macht nähe­re Aus­füh­run­gen zu dem pro­pa­gan­dis­ti­schen Zusam­men­hang nicht ent­behr­lich 3. Erfor­der­lich ist dar­über hin­aus noch ein aggres­siv­kämp­fe­ri­sches Ele­ment.

Soweit das erst­in­stanz­li­che Land­ge­richt im Rah­men der recht­li­chen Wür­di­gung inter­pre­tie­rend aus­führt, der Lied­text knüp­fe an die Ras­sen­ideo­lo­gie ehe­ma­li­ger natio­nal­so­zia­lis­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen an, die "als nach­ah­mens­wert dar­ge­stellt" wer­de, belegt auch dies nach Ansicht des Bun­des­ge­richts­hofs den in Abgren­zung zum blo­ßen Wunsch­den­ken erfor­der­li­chen auf­wieg­le­ri­schen Cha­rak­ter nicht.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 14. April 2015 – 3 StR 602/​14

  1. BGH, Urtei­le vom 23.07.1969 – 3 StR 326/​68, BGHSt 23, 64, 72; vom 13.08.2009 – 3 StR 228/​09, NJW 2010, 163, 165[]
  2. BGH, Urteil vom 23.07.1969 – 3 StR 326/​68, BGHSt 23, 64, 73; Münch­Komm-StG­B/Stein­metz, 2. Aufl., § 86 Rn. 13[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 13.08.2009 – 3 StR 228/​09, NJW 2010, 163, 165[]