Spit­zeln für die Poli­zei – kann zum BTM-Han­del füh­ren

Han­del­trei­ben mit Betäu­bungs­mit­teln im Sin­ne des § 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BtMG setzt eigen­nüt­zi­ges Han­deln vor­aus [1].

Spit­zeln für die Poli­zei – kann zum BTM-Han­del füh­ren

Eigen­nüt­zig ist eine Tätig­keit, wenn das Tun des Täters vom Stre­ben nach Gewinn gelei­tet wird oder wenn er sich irgend­ei­nen ande­ren per­sön­li­chen Vor­teil davon ver­spricht, durch den er mate­ri­ell oder – objek­tiv mess­bar – imma­te­ri­ell bes­ser­ge­stellt wird [2].

Da der Vor­teil weder tat­säch­lich erlangt wer­den noch unmit­tel­bar aus dem Umsatz­ge­schäft resul­tie­ren muss [3], reicht die Erwar­tung mit­tel­ba­rer Vor­tei­le aus, um die Eigen­nüt­zig­keit zu begrün­den.

Danach bejah­te der Bun­des­ge­richts­hof im hier ent­schie­de­nen Fall ein eigen­nüt­zi­ges Han­deln des Ange­klag­ten: Mit dem von einem finan­zi­el­len Eigen­in­ter­es­se getra­ge­nen Bestre­ben, als Infor­mant der Poli­zei gegen Ent­gelt ver­wert­ba­re Infor­ma­tio­nen über sei­nen Lie­fe­ran­ten zu erhal­ten, ziel­te das Han­deln des Ange­klag­ten – die Bestel­lun­gen bei sei­nem Dea­ler – jeweils auf die Erlan­gung eines mate­ri­el­len Vor­teils, der nach den Vor­stel­lun­gen des Ange­klag­ten auch an sei­ne auf den Umsatz von Betäu­bungs­mit­teln gerich­te­te Tätig­keit anknüpf­te und damit einen hin­rei­chen­den Umsatz­be­zug [4] auf­wies. Dass die erstreb­ten geld­wer­ten Infor­ma­tio­nen erst spä­ter durch Wei­ter­ga­be an die Poli­zei zu Geld gemacht wer­den soll­ten, steht der Annah­me von Eigen­nüt­zig­keit nicht ent­ge­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 16. März 2016 – 4 StR 42/​16

  1. vgl. BGH, Beschluss vom 26.10.2005 – GSSt 1/​05, BGHSt 50, 252, 256[]
  2. st. Rspr.; vgl. nur Urteil vom 24.06.1986 – 5 StR 153/​86, BGHSt 34, 124, 126; Beschlüs­se vom 26.08.1992 – 3 StR 299/​92, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 34; vom 06.11.2012 – 2 StR 410/​12, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 1 Han­del­trei­ben 80; Patzak in Körner/​Patzak/​Volkmer, BtMG, 8. Aufl., § 29 Rn. 150 mwN[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 17.03.1981 – 5 StR 56/​81, StV 1981, 238; Urteil vom 04.12 2007 – 5 StR 404/​07, inso­weit in NStZ 2008, 354 nicht abge­druckt; Weber, BtMG, 4. Aufl., § 29 Rn. 323[]
  4. vgl. hier­zu Weber aaO, Rn. 330; Rahlf in Münch­Komm-StGB, 2. Aufl., § 29 BtMG Rn. 387[]