Wenn der Steu­er­fahn­der 2x klin­gelt

Die Steu­er­fahn­dung steht vor der Tür. Was nun?

Wenn der Steu­er­fahn­der 2x klin­gelt

Das Wich­tigs­te: Ruhe bewah­ren und Schwei­gen!

Die wich­tigs­ten Ver­hal­tens­re­geln:

  • Kei­ne Aus­sa­gen und auch kei­ne spon­ta­nen Äuße­run­gen. Was ein­mal gesagt ist, ist in der Welt und kann spä­ter meist auch nicht wie­der rück­gän­gig gemacht wer­den. In der Durch­su­chungs­si­tua­ti­on sind Sie unwei­ger­lich ner­vös. Ein juris­tisch fun­dier­tes Abwä­gen was sinn­voll zu sagen wäre, ist in die­ser Situa­ti­on nicht mög­lich. Las­sen Sie sich auch nicht auf Ange­bo­te ein wie "Erzäh­len Sie doch mal, wie es war, dann kön­nen wir uns die Durch­su­chung spa­ren" oder : "Ein Geständ­nis hilft immer.".
  • Rufen Sie sofort Ihren Anwalt an! Auch wenn die Steu­er­fahn­der Ihnen unter­sa­gen kön­nen, mit drit­ten Per­so­nen Kon­takt auf zu neh­men, die Kon­takt­auf­nah­me mit einem Anwalt darf Ihnen nicht ver­wehrt wer­den.
  • Geben Sie die Unter­la­gen nicht frei­wil­lig her­aus, son­dern las­sen Sie alles beschlag­nah­men. Wider­spre­chen Sie gleich­zei­tig for­mell der Beschlag­nah­me.
  • Dul­den Sie die Durch­su­chungs- und Beschlag­nah­me­maß­nah­men, aber hel­fen Sie nicht sel­ber mit. Ein­zi­ge Aus­nah­me: Es kann Sinn machen, einen Hin­weis dar­auf zu geben, wie sich die gesuch­ten Akten fin­den, damit die Fahn­der nicht die gesam­te Woh­nung oder das gesam­te Büro durch­stö­bern. Auch macht es Sinn, einen Tre­sor auf Anfor­de­rung selbst zu öff­nen, damit er danach noch wei­ter benutz­bar ist.
  • Wich­tig auch: Die Unter­la­gen darf nur die Steu­er­fahn­dung oder ein Staats­an­walt prü­fen. Die Poli­zei darf die Unter­la­gen nur ein­pa­cken und muss sie ver­sie­geln. Bestehen Sie dar­auf.
  • Unter­bin­den Sie Befra­gun­gen drit­ter Per­so­nen (Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge, Mit­ar­bei­ter, Kun­den). Auch die­se Zeu­gen haben das Recht, sich vor einer Aus­sa­ge von einem Anwalt nach Wahl bera­ten zu las­sen. Aus­sa­gen müs­sen auch von Zeu­gen nur auf Vor­la­dung bei der Staats­an­walt oder der Straf- und Buß­geld­sa­chen­stel­le des Finanz­am­tes gemacht wer­den, nie aber anläss­lich einer Durch­su­chungs­maß­nah­me!
  • Sol­len Unter­la­gen beschlag­nahmt wer­den, die Sie beruf­lich oder pri­vat drin­gend benö­ti­gen, bit­ten Sie den Durch­su­chungs­lei­ter, hier­von Kopi­en machen zu kön­nen.
  • Las­sen Sie sich von den Durch­su­chungs­be­am­ten ein Ver­zeich­nis aller Gegen­stän­de anfer­ti­gen, die mit­ge­nom­men bzw. beschlag­nahmt wur­den. Hier­zu sind die Fahn­der nach § 107 StPO ver­pflich­tet. Ach­ten Sie bei die­sem Ver­zeich­nis auf eine mög­lichst genaue Beschrei­bung aller Gegen­stän­de. Also nicht "5 Akten­ord­ner", son­dern "1 Ord­ner Bank­be­le­ge Deut­sche Bank", "1 Ord­ner Rech­nun­gen 2003", "1 Ord­ner Haus Köln" usw. Oft­mals ist auch sinn­voll, die Sei­ten vor Ort durch­zu­num­me­rie­ren und die Sei­ten­zah­len in dem Ver­zeich­nis zu ver­mer­ken, so kann spä­ter kein Streit dar­über ent­ste­hen, ob etwas fehlt
  • Las­sen Sie sich zum Abschluss den Durch­su­chungs- und Beschlag­nah­me­be­schluss aus­hän­di­gen. Auch hier­auf haben Sie ein Recht.
  • Holen Sie sich danach so schnell wie mög­lich anwalt­li­chen Rat ein.
  • Und ein Hin­weis zum Schluss: Ver­su­chen Sie bit­te nie, hin­ter dem Rücken der Fahn­der noch schnell Beweis­mit­tel zu ver­nich­ten, denn dies kann die Annah­me einer Ver­dunk­lungs­ge­fahr und damit einen Haft­grund begrün­den!