Der Straf­ge­fan­ge­ne, sein Arbeits­ent­gelt – und der Gewinn der JVA

Nach Ansicht des Ver­wal­tungs­ge­richts Min­den steht einem (ehe­ma­li­gen) Straf­ge­fan­ge­nen ein Anspruch gegen das Land (hier: Nord­rhein-West­fa­len) auf Aus­kunft über die Höhe des Ent­gelts zu, das die Jus­tiz­voll­zugs­an­stalt von zwei pri­va­ten Unter­neh­men für die von dem Straf­ge­fan­ge­nen in den Unter­neh­men geleis­te­te Arbeit erhal­ten hat.

Der Straf­ge­fan­ge­ne, sein Arbeits­ent­gelt – und der Gewinn der JVA

In dem hier ent­schie­de­nen Fall hat­te die JVA hat­te wäh­rend der Haft­zeit des Straf­ge­fan­ge­nen mit ver­schie­de­nen pri­va­ten Unter­neh­men Ver­trä­ge über den Ein­satz von Straf­ge­fan­ge­nen als Arbeits­kräf­te geschlos­sen. Die mit den Unter­neh­men als Gegen­leis­tung ver­ein­bar­te Ver­gü­tung ori­en­tier­te sich nach den Anga­ben des beklag­ten Lan­des an den gel­ten­den Tarif­ver­trä­gen. Die Straf­ge­fan­ge­nen erhiel­ten dem­ge­gen­über für ihre Arbeits­ein­sät­ze sei­tens der JVA Ver­gü­tun­gen, die sich nach den Vor­schrif­ten des Straf­voll­zugs­ge­set­zes berech­ne­ten. Mit sei­ner Kla­ge begehr­te der Straf­ge­fan­ge­ne Aus­kunft über die Höhe der für sei­ne Tätig­keit an die JVA geleis­te­ten Ver­gü­tung.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Min­den steht dem Straf­ge­fan­ge­nen der gel­tend gemach­te Aus­kunfts­an­spruch nach § 4 Abs. 1 des Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­set­zes Nord­rhein-West­fa­len (IFG NRW) zu. Ent­ge­gen der Ansicht des beklag­ten Lan­des sei­en die begehr­ten Infor­ma­tio­nen bei der JVA "vor­han­den" und müss­ten von die­ser nicht erst beschafft wer­den. Das blo­ße Sich­ten, Her­aus­su­chen und Zusam­men­stel­len des begehr­ten (vor­han­de­nen) Daten­ma­te­ri­als sei typi­scher­wei­se Teil der Ver­pflich­tung der Behör­de zur Infor­ma­ti­ons­ge­wäh­rung.

Dem Infor­ma­ti­ons­an­spruch des Straf­ge­fan­ge­nen stün­den auch öffent­li­che Belan­ge nicht ent­ge­gen. Der Ver­wal­tungs­auf­wand, der für die Bear­bei­tung des Antrags des Straf­ge­fan­ge­nen erfor­der­lich sei, wer­de vom Infor­ma­ti­ons­frei­heits­ge­setz vor­aus­ge­setzt und kön­ne eine Antrags­ab­leh­nung allen­falls dann recht­fer­ti­gen, wenn die Behör­de trotz per­so­nel­ler, orga­ni­sa­to­ri­scher und säch­li­cher Vor­keh­run­gen durch die Erfül­lung ihrer Infor­ma­ti­ons­pflicht an der Erle­di­gung ihrer eigent­li­chen (Kern-)Aufgaben gehin­dert wäre. Dies sei nicht der Fall. Schließ­lich wür­den durch die Über­mitt­lung der begehr­ten Infor­ma­tio­nen kei­ne Betriebs- oder Geschäfts­ge­heim­nis­se der betei­lig­ten Unter­neh­men offen­bart. Die ver­ein­bar­te Ver­gü­tung ori­en­tie­re sich nach den Aus­füh­run­gen des beklag­ten Lan­des an den gel­ten­den Tarif­ver­trä­gen, die Offen­le­gung die­ser Ver­gü­tung kön­ne einen Wett­be­werbs­nach­teil für die betrof­fe­nen Unter­neh­men von daher nicht begrün­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Min­den, Urteil vom 5. August 2015 – 7 K 2267/​13