Straf­voll­zug – und der Jus­tiz­ge­wäh­rungs­an­spruch

Die in Art. 38 Satz 1 Sächs­Verf ver­bürg­te Rechts­schutz­ga­ran­tie gewährt dem Ein­zel­nen als Indi­vi­du­al­grund­recht einen Leis­tungs­an­spruch gegen­über dem Staat auf Bereit­stel­lung gericht­li­cher Ver­fah­ren zur Rechts­durch­set­zung und beinhal­tet dar­über hin­aus die insti­tu­tio­nel­le Garan­tie einer Gerichts­bar­keit, die zur Gewäh­rung effek­ti­ven Rechts­schut­zes in der Lage ist 1.

Straf­voll­zug – und der Jus­tiz­ge­wäh­rungs­an­spruch

Nach Art. 38 Satz 1 Sächs­Verf darf der Zugang zu den Gerich­ten und den vor­ge­se­he­nen Instan­zen nicht in unzu­mut­ba­rer, aus Sach­grün­den nicht mehr zu recht­fer­ti­gen­der Wei­se und damit objek­tiv will­kür­lich erschwert wer­den 2.

Dar­über hin­aus umfasst das ver­fas­sungs­recht­li­che Gebot effek­ti­ven Rechts­schut­zes aus Art. 78 Abs. 3 Satz 1 Sächs­Verf in sei­ner Aus­prä­gung als all­ge­mei­ner Jus­tiz­ge­wäh­rungs­an­spruch auch die Gewähr­leis­tung eines wir­kungs­vol­len und lücken­lo­sen Rechts­schut­zes, der die grund­sätz­lich umfas­sen­de tat­säch­li­che und recht­li­che Prü­fung des Ver­fah­rens­ge­gen­stan­des ermög­li­chen muss 3.

Grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen ist damit eine Bin­dung des Gerichts an die im Ver­wal­tungs­ver­fah­ren getrof­fe­nen Fest­stel­lun­gen und Wer­tun­gen. Viel­mehr muss das Gericht die tat­säch­li­chen Grund­la­gen selbst ermit­teln und sei­ne recht­li­che Auf­fas­sung unab­hän­gig von der Ver­wal­tung, deren Ent­schei­dung ange­grif­fen ist, gewin­nen und begrün­den 4.

Dies gilt auch für die gericht­li­che Über­prü­fung grund­rechts­ein­grei­fen­der Maß­nah­men im Straf­voll­zug 5. Daher muss sich eine die­sen Anfor­de­run­gen ent­spre­chen­de Kon­trol­le grund­sätz­lich auf die Anwend­bar­keit der im kon­kre­ten Fall ein­schlä­gi­gen Nor­men erstre­cken, auf deren Gül­tig­keit, auf die Bestim­mung ihres Rege­lungs­ge­halts, auf die Tat­sa­chen­grund­la­gen und deren Sub­sum­ti­on 6.

Das Maß des­sen, was wir­kungs­vol­ler Rechts­schutz ist, bestimmt sich ent­schei­dend auch nach dem sach­li­chen Gehalt des als ver­letzt behaup­te­ten Rechts 7.

Das Grund­recht auf effek­ti­ven Rechts­schutz ist ver­letzt, wenn die Gerich­te die pro­zess­recht­li­chen Mög­lich­kei­ten zur Sach­ver­halts­fest­stel­lung so eng aus­le­gen, dass ihnen eine sach­li­che Prü­fung der­je­ni­gen Fra­gen, die ihnen vor­ge­legt wor­den sind, nicht mög­lich ist und das vom Gesetz­ge­ber ver­folg­te Ver­fah­rens­ziel des­halb nicht erreicht wer­den kann 3.

Ver­fas­sungs­ge­richts­hof des Frei­staa­tes Sach­sen, Beschluss vom 27. Juni 2019 – Vf. 64-IV-18

  1. Sächs­VerfGH, Beschluss vom 28.08.2008 – Vf. 93-IV-08[]
  2. vgl. Sächs­VerfGH, Beschluss vom 21.03.2019 – 120-IV-18; Beschluss vom 25.02.2014 – Vf. 60-IV-13; Beschluss vom 03.11.2011 – Vf. 9I-V-11; st. Rspr.[]
  3. vgl. Sächs­VerfGH, Beschluss vom 22.06.2018 – Vf. 51-IV-18 m.w.N.[][]
  4. BVerfG, Beschluss vom 27.10.1999, BVerfGE 101, 106 [123][]
  5. BVerfG, Beschluss vom 15.07.2010 – 2 BvR 2518/​08[]
  6. Huber in: v.Mangoldt/Klein/Starck, GG, Band 1, 7. Aufl., Art.19 Rn. 508[]
  7. BVerfG, Beschluss vom 18.12 2017 – 2 BvR 2259/​17, Beschluss vom 20.04.1982, BVerfGE 60, 253 [297][]