Tat­ein­heit und Tat­mehr­heit beim BTM-Han­del

Der 2. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs wider­spricht der vom 3. Straf­se­nat beab­sich­tig­ten Ände­rung der Recht­spre­chung, so dass hier­über wohl der Gro­ße Senat für Straf­sa­chen zu ent­schei­den haben wird.

Tat­ein­heit und Tat­mehr­heit beim BTM-Han­del

Der 3. Straf­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs beab­sich­tigt zu ent­schei­den: Weder das sowohl dem Trans­port des Kauf­gel­des für die ers­te als auch der Über­nah­me der wei­te­ren Betäu­bungs­mit­tel­men­ge die­nen­de Auf­su­chen des Lie­fe­ran­ten noch die Bezah­lung einer zuvor auf 'Kom­mis­si­on' erhal­te­nen Betäu­bungs­mit­tel­men­ge bei Gele­gen­heit der Über­nah­me einer wei­te­ren Betäu­bungs­mit­tel­men­ge ver­bin­det die bei­den Umsatz­ge­schäf­te zu einer ein­heit­li­chen Tat im mate­ri­ell­recht­li­chen Sinn. 1 Er hat daher bei den ande­ren Straf­se­na­ten ange­fragt, ob an (ggf.) ent­ge­gen­ste­hen­der Recht­spre­chung fest­ge­hal­ten wird.

Der beab­sich­tig­ten Ent­schei­dung des 3. Straf­se­nats steht Recht­spre­chung des 2. Straf­se­nats ent­ge­gen 2.

Der 3. Straf­se­nat hält an die­ser Recht­spre­chung fest.

Die Annah­me von Tat­ein­heit bei meh­re­ren Betäu­bungs­mit­tel­ge­schäf­ten, bei denen die Bezah­lung einer zuvor erhal­te­nen Betäu­bungs­mit­tel­men­ge durch den Täter bei Gele­gen­heit der Über­nah­me einer wei­te­ren Betäu­bungs­mit­tel­men­ge erfolgt, beruht auf der wei­ten Aus­le­gung des Begriffs des Han­del­trei­bens 3. Danach erfül­len grund­sätz­lich alle Hand­lun­gen von der Anbah­nung des Geschäfts bis zu des­sen finan­zi­el­ler Abwick­lung das Tat­be­stands­merk­mal des Han­del­trei­bens 4. Infol­ge­des­sen geht auch der 3. Straf­se­nat davon aus, dass das Auf­su­chen des Lie­fe­ran­ten glei­cher­ma­ßen bei­den Taten des uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln dient und die Tat­hand­lun­gen sich daher teil­wei­se über­schnei­den. Dies ent­spricht der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs, die dar­an anknüp­fend eine tat­ein­heit­li­che Ver­wirk­li­chung der Tat­be­ge­hun­gen auf­grund der teil­wei­sen Iden­ti­tät der Aus­füh­rungs­hand­lun­gen annimmt 5.

Soweit der 3. Straf­se­nat sei­ne hier­von abwei­chen­de Rechts­an­sicht und die Annah­me recht­lich selb­stän­di­ger Tat­be­ge­hun­gen auf die Erwä­gung stützt, der Tat­be­stand des uner­laub­ten Han­del­trei­bens mit Betäu­bungs­mit­teln sei bereits mit der Eini­gung zwi­schen dem Täter und dem Lie­fe­ran­ten voll­endet und die Fahrt zum Lie­fe­ran­ten wei­se kei­nen wesent­li­chen eige­nen Unrechts- und Schuld­ge­halt auf, erscheint die­se Begrün­dung nicht geeig­net, die Annah­me meh­re­rer selb­stän­di­ger Taten zu recht­fer­ti­gen. Nach Ansicht des 2. Straf­se­nats kommt es für die recht­li­che Beur­tei­lung des Kon­kur­renz­ver­hält­nis­ses auf das Gewicht und den Unwert­ge­halt der jewei­li­gen Tat­hand­lun­gen nicht an. Zwar genügt die blo­ße Gleich­zei­tig­keit von Gesche­hens­ab­läu­fen nicht, um eine tat­ein­heit­li­che Bege­hung an sich selb­stän­di­ger Taten zu begrün­den 6, wes­halb – je nach sorg­fäl­tig zu prü­fen­der Fall­ge­stal­tung – in der Ent­ge­gen­nah­me wei­te­rer Betäu­bungs­mit­tel bei Bezah­lung zuvor gelie­fer­ter Betäu­bungs­mit­tel Tat­ein­heit 7, aber auch Tat­mehr­heit gege­ben sein kann 8. Bei einer Tei­li­den­ti­tät der Aus­füh­rungs­hand­lun­gen steht indes bereits der inso­weit ein­deu­ti­ge Wort­laut des § 52 Abs. 1 StGB der Annah­me von Tat­mehr­heit ent­ge­gen. Danach ist von einer tat­ein­heit­li­chen Tat­be­ge­hung aus­zu­ge­hen, wenn – wie hier – die­sel­be Hand­lung das­sel­be Straf­ge­setz mehr­mals ver­letzt. Eine Ein­schrän­kung auf Tat­hand­lun­gen (des Han­del­trei­bens), die einen nicht uner­heb­li­chen eige­nen Unrechts- und Schuld­ge­halt auf­wei­sen und dadurch deren Unwert und die jewei­li­ge Schuld des Täters zumin­dest mit­prä­gen, ist dem Gesetz nicht zu ent­neh­men.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 31. Mai 2016 – 2 ARs 403/​15

  1. BGH, Beschluss vom 03.09.2015 – 3 StR 236/​15[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 23.06.1993 – 2 StR 47/​93, BGHR BtMG § 29 Abs. 1 Nr. 3 Kon­kur­ren­zen 5; vom 22.01.2010 – 2 StR 563/​09, NStZ 2011, 97; und vom 09.12 2014 – 2 StR 381/​14; offen gelas­sen im Beschluss vom 24.10.2013 – 2 ARs 319/​13, NStZ-RR 2014, 81[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 26.10.2005 – GSSt 1/​05, BGHSt 50, 252[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 17.07.1997 – 1 StR 791/​96, BGHSt 43, 158, 161 f.; Urteil vom 07.02.2008 – 5 StR 242/​07, NStZ 2008, 465[]
  5. vgl. BGH, Beschluss vom 09.12 2014 – 2 StR 381/​14; BGH, Beschluss vom 31.07.2013 – 4 StR 223/​13, NStZ-RR 2014, 144, 145; Urteil vom 25.04.2013 – 4 StR 418/​12, NStZ 2014, 162[]
  6. st. Rspr.; vgl. BGH, Beschluss vom 11.02.2014 – 4 StR 437/​13;Urteil vom 05.12 2012 – 2 StR 117/​12, wis­tra 2013, 310, 311[]
  7. BGH, Beschlüs­se vom 22.01.2010 – 2 StR 563/​09, NStZ 2011, 97; und vom 09.12 2014 – 2 StR 381/​14[]
  8. vgl. BGH, Urteil vom 11.07.2012 – 2 StR 572/​11[]