Umgren­zungs­funk­ti­on der Ankla­ge

Die Ankla­ge hat die dem Ange­schul­dig­ten zur Last geleg­te Tat sowie Zeit und Ort ihrer Bege­hung so genau zu bezeich­nen, dass die Iden­ti­tät des geschicht­li­chen Vor­gangs klar­ge­stellt und erkenn­bar wird, wel­che bestimm­te Tat gemeint ist; sie muss sich von ande­ren gleich­ar­ti­gen straf­ba­ren Hand­lun­gen des­sel­ben Täters unter­schei­den las­sen.

Umgren­zungs­funk­ti­on der Ankla­ge

Es darf nicht unklar blei­ben, über wel­chen Sach­ver­halt das Gericht nach dem Wil­len der Staats­an­walt­schaft urtei­len soll; sonst ist die Ankla­ge unwirk­sam 1.

Die­sen Anfor­de­run­gen genüg­te im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall die Ankla­ge­schrift des Gene­ral­bun­des­an­walts hin­sicht­lich des Vor­wurfs des Mor­des nicht: Das dem Ange­klag­ten ange­las­te­te Tötungs­de­likt ist weder im Ankla­ge­satz noch im wesent­li­chen Ergeb­nis der Ermitt­lun­gen hin­rei­chend umschrie­ben. Die Ankla­ge ent­hält zwar eine unge­fäh­re zeit­li­che Ein­ord­nung der Tat zwi­schen dem 13.10.2013 und dem 25.01.2014 und nennt als Tat­ort geo­gra­phisch das Land "Syri­en". Über die­se wenig kon­kre­ten Anga­ben hin­aus fin­den sich in der Ankla­ge jedoch kei­ner­lei kon­kre­ti­sie­ren­den Merk­ma­le hin­sicht­lich des dem Ange­klag­ten vor­ge­wor­fe­nen Tötungs­de­likts. Weder die Per­son des Opfers noch die Art und die Umstän­de der Tötung wer­den mit­ge­teilt. Damit ent­hält der Ankla­ge­satz – auch zusam­men mit den Aus­füh­run­gen im wesent­li­chen Ermitt­lungs­er­geb­nis – kei­ne indi­vi­dua­li­sie­ren­den Merk­ma­le, mit denen sich das ange­klag­te Delikt von ande­ren gleich­ar­ti­gen straf­ba­ren Hand­lun­gen des­sel­ben Täters unter­schei­den lässt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Dezem­ber 2015 – StB 15/​15

  1. st. Rspr.; BGH, Urteil vom 25.01.1995 – 3 StR 448/​94, BGHSt 40, 390, 391 f.[]