Ver­bin­dung meh­re­rer Rechts­mit­tel – und die Kos­ten­ent­schei­dung

Über meh­re­re Rechts­mit­tel eines Ange­klag­ten ist auch dann eine geson­der­te Kos­ten­ent­schei­dung zu tref­fen, wenn die Rechts­mit­tel­ver­fah­ren in ent­spre­chen­der Anwen­dung von § 4 StPO zur gemein­sa­men Ver­hand­lung und Ent­schei­dung ver­bun­den sind.

Ver­bin­dung meh­re­rer Rechts­mit­tel – und die Kos­ten­ent­schei­dung

Eine geson­der­te Ent­schei­dung ist auch zu tref­fen, weil die bei­der­sei­ti­gen Rechts­mit­tel kos­ten­recht­lich getrennt zu betrach­ten sind [1]. Die Kos­ten der von der Staats­an­walt­schaft zurück­ge­nom­me­nen Rechts­mit­tel (§ 473 Abs. 1 S. 1 StPO) und die not­wen­di­gen Aus­la­gen des Ange­klag­ten (§ 473 Abs. 2 S. 1 StPO) sind der Staats­kas­se auf­zu­er­le­gen, soweit sie aus­scheid­bar den Beru­fun­gen der Staats­an­walt­schaft zuzu­rech­nen sind [2]. Ob durch die Rechts­mit­tel der Staats­an­walt­schaft über­haupt aus­scheid­ba­re Mehr­kos­ten ent­stan­den sind, obliegt dem Kos­ten­fest­set­zungs­ver­fah­ren.

Umge­kehrt hat der Ange­klag­te die Kos­ten sei­ner bei­den Rechts­mit­tel gemäß § 473 Abs. 1 S. 1 StPO jeden­falls zu tra­gen, soweit sie bei einer als­bald nach Urteils­zu­stel­lung erklär­ten Rechts­mit­tel­be­schrän­kung ver­meid­bar gewe­sen wären. Wird – wie hier – ein zunächst unbe­schränkt ein­ge­leg­tes Rechts­mit­tel nach­träg­lich beschränkt, so han­delt es sich um eine Teil­rück­nah­me des­sel­ben, was zur ent­spre­chen­den Anwen­dung von § 473 Abs. 1 S. 1 StPO führt. Dem Rechts­mit­tel­füh­rer sind des­halb die Mehr­kos­ten, die durch die nicht recht­zei­ti­ge Rück­nah­me des Rechts­mit­tels ent­stan­den sind, auf­zu­er­le­gen [3]. Der Ange­klag­te hat das Rechts­mit­tel hier ver­spä­tet beschränkt. Ob eine Beru­fung recht­zei­tig beschränkt wird, rich­tet sich danach, ob die Beschrän­kung noch inner­halb der Beru­fungs­be­grün­dungs­frist des § 317 StPO erfolgt [4]. Das war hier nicht der Fall. Der Ange­klag­te hat die Beschrän­kung erst im Haupt­ver­hand­lungs­ter­min vor­ge­nom­men.

Soweit es die ver­blei­ben­den Beru­fun­gen des Ange­klag­ten gegen die bei­den Urtei­le des Amts­ge­richts betrifft, waren die Beru­fungs­ver­fah­ren durch die Ver­fah­rens­ver­bin­dung zwar mit­ein­an­der ver­schmol­zen. Den­noch ist sowohl in der Haupt­sa­che [5] als auch im Kos­ten­punkt [6] über jedes ein­zel­ne Rechts­mit­tel – also auch über jede der bei­den Beru­fun­gen des Ange­klag­ten – eine eige­ne Ent­schei­dung zu tref­fen. Die­se fällt unter­schied­lich aus, weil nur die Beru­fung des Ange­klag­ten gegen eines der bei­den amts­ge­richt­li­chen Urtei­le erfolg­reich war. Für die Fra­ge, ob und ggf. in wel­cher Höhe ein Rechts­mit­tel Erfolg hat, kommt es nach zutref­fen­der Auf­fas­sung auf einen Ver­gleich zwi­schen dem Rechts­fol­gen­aus­spruch der Vor­in­stanz und der in der Rechts­mit­tel­in­stanz erreich­ten Mil­de­rung an; der Schluss­an­trag des Beschwer­de­füh­rers ist nicht maß­geb­lich [7].

Ober­lan­des­ge­richt Braun­schweig, Beschluss vom 20. Mai 2015 – 1 Ws 94/​15

  1. OLG Braun­schweig, Beschluss vom 23.05.2013 – 1 Ws 59/​13; Hil­ger in: Löwe/​Rosenberg, StPO, 26. Auf­la­ge, § 473, Rn. 59; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 58. Auf­la­ge, § 473, Rn. 18[]
  2. zu die­sem Erfor­der­nis: OLG Cel­le, Beschluss vom 06.08.2013 – 1 Ws 192/​13; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 58. Aufl., § 473 Rn. 18[]
  3. Schles­wig-Hol­stei­ni­sches OLG, Beschluss vom 01.03.2006, 2 Ws 48/​06 3, OLG Koblenz, Beschluss vom 19.08.2010, 2 Ws 355/​10 5; OLG Mün­chen, 2 Ws 1197/​96 K = NStZ-RR 1997, 192; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 58. Auf­la­ge, § 473, Rn.20[]
  4. OLG Koblenz, Beschluss vom 19.08.2010, 2 Ws 355/​10 7[]
  5. vgl. hier­zu: Bay­O­bLG, Beschluss vom 16.04.1999, 1 StRR 81/​99 15[]
  6. vgl. SSW-StPO, Stein­ber­ger-Fraun­ho­fer, § 473 Rn. 12[]
  7. OLG Stutt­gart, Beschluss vom 12.05.2014 – 4 Ws 96/​14; OLG Mün­chen – 2 Ws 1197/​96 = NStZ-RR 1997, 192; Mey­er-Goß­ner/­Sch­mitt, StPO, 58. Auf­la­ge, § 473, Rn. 21, 25[]