Wirt­schaft­li­ches Eigen­tums an einer Kapi­tal­be­tei­li­gung

Hat der Ver­äu­ße­rer den ver­äu­ßer­ten Anteil aber inner­halb der letz­ten fünf Jah­re vor der Ver­äu­ße­rung unent­gelt­lich erwor­ben, so gilt nach § 17 Abs. 1 Satz 5 EStG § 17 Abs. 1 Satz 1 EStG ent­spre­chend, wenn der Ver­äu­ße­rer zwar nicht selbst, aber der Rechts­vor­gän­ger oder, sofern der Anteil nach­ein­an­der unent­gelt­lich über­tra­gen wor­den ist, einer der Rechts­vor­gän­ger inner­halb der letz­ten fünf Jah­re wesent­lich betei­ligt war. Vor­aus­set­zung für die Zurech­nung einer Betei­li­gung im Sin­ne des § 17 EStG ist, dass der Klä­ger zivil­recht­li­cher oder wirt­schaft­li­cher Eigen­tü­mer der Akti­en gewor­den ist.

Wirt­schaft­li­ches Eigen­tums an einer Kapi­tal­be­tei­li­gung

Wirt­schaft­li­ches Eigen­tum liegt nach § 39 Abs. 2 Nr.1 Satz 1 AO vor, wenn ein ande­rer als der (zivil­recht­li­che) Eigen­tü­mer die tat­säch­li­che Herr­schaft über ein Wirt­schafts­gut in der Wei­se aus­übt, dass er den Eigen­tü­mer im Regel­fall für die gewöhn­li­che Nut­zungs­dau­er von der Ein­wir­kung auf das Wirt­schafts­gut wirt­schaft­lich aus­schlie­ßen kann. Ein an einem Kapi­tal­ge­sell­schaft­an­teil Unter­be­tei­lig­ter ist nur dann wirt­schaft­li­cher Eigen­tü­mer, wenn er nach dem Inhalt der getrof­fe­nen Abre­de alle mit der Betei­li­gung ver­bun­de­nen wesent­li­chen Rech­te wie Ver­mö­gens- und Ver­wal­tungs­rech­te aus­üben und im Kon­flikt­fall effek­tiv durch­set­zen kann 1.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­hofs, geht das wirt­schaft­li­che Eigen­tum an einem Kapi­tal­ge­sell­schafts­an­teil auf einen Erwer­ber über (§ 39 Abs. 2 Nr. 1 AO), wenn der Erwer­ber des Anteils 2

  • auf­grund eines (bür­ger­lich-recht­li­chen) Rechts­ge­schäfts bereits eine recht­lich geschütz­te, auf den Erwerb des Rechts gerich­te­te Posi­ti­on erwor­ben hat, die ihm gegen sei­nen Wil­len nicht mehr ent­zo­gen wer­den kann, und
  • die mit dem Anteil ver­bun­de­nen wesent­li­chen Rech­te (ins­be­son­de­re Gewinn­be­zugs­recht und Stimm­recht 3 sowie
  • das Risi­ko einer Wert­min­de­rung und die Chan­ce einer Wert­stei­ge­rung auf ihn über­ge­gan­gen sind 4.

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung ist der Über­gang des wirt­schaft­li­chen Eigen­tums nach dem Gesamt­bild der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se im jewei­li­gen Ein­zel­fall zu bestim­men. Eine von der zivil­recht­li­chen Inha­ber­stel­lung abwei­chen­de Zuord­nung eines Wirt­schafts­guts kann des­halb auch anzu­neh­men sein, wenn die vor­ste­hend genann­ten Vor­aus­set­zun­gen nicht in vol­lem Umfang erfüllt sind. Dem­ge­mäß ist auch bei der Bestim­mung des wirt­schaft­li­chen Eigen­tums nicht das for­mal Erklär­te oder for­mal-recht­lich Ver­ein­bar­te, son­dern das wirt­schaft­lich Gewoll­te und das tat­säch­lich Bewirk­te aus­schlag­ge­bend 5.

Finanz­ge­richt Müns­ter, Urteil vom 25. Novem­ber 2010 – 3 K 2791/​09 E, F

  1. vgl. BFH, Urtei­le vom 18.05.2005 – VIII R 34/​01, BSt­Bl II 2005, 857; und vom 08.11.2005 – VIII R 11/​02, BSt­Bl II 2006, 253[]
  2. vgl. BFH, Urtei­le vom 11.05.2010 – IX R 26/​09, BFH/​NV 2010, 2067; und vom 09.10.2008 – IX R 73/​06, BSt­Bl II 2009, 140[]
  3. vgl. BFH, Urteil vom 18.12.2001 – VIII R 5/​00, BFH/​NV 2002, 640[]
  4. vgl. BFH, Urtei­le vom 10.03.1988 – IV R 226/​85, BSt­Bl II 1988, 832; und vom 11.07. 2006 – VIII R 32/​04, BSt­Bl II 2007, 296[]
  5. vgl. BFH, Urtei­le vom 15.02.2001 – III R 130/​95, BFH/​NV 2001, 10; und vom 11.07.2006 – VIII R 32/​04, BSt­Bl II 2007, 296[]