Abschie­bungs­haft – und der Haft­an­trag

Das Vor­lie­gen eines zuläs­si­gen Haft­an­trags ist eine in jeder Lage des Ver­fah­rens von Amts wegen zu prü­fen­de Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung.

Abschie­bungs­haft – und der Haft­an­trag

Zuläs­sig ist der Haft­an­trag der betei­lig­ten Behör­de nur, wenn er den gesetz­li­chen Anfor­de­run­gen an die Begrün­dung ent­spricht.

Erfor­der­lich sind Dar­le­gun­gen zu der zwei­fels­frei­en Aus­rei­se­pflicht, zu den Abschie­bungs­vor­aus­set­zun­gen, zu der Erfor­der­lich­keit der Haft, zu der Durch­führ­bar­keit der Abschie­bung und zu der not­wen­di­gen Haft­dau­er (§ 417 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 bis 5 FamFG).

Zwar dür­fen die Aus­füh­run­gen zur Begrün­dung des Haft­an­trags knapp gehal­ten sein, sie müs­sen aber die für die rich­ter­li­che Prü­fung des Falls wesent­li­chen Punk­te anspre­chen. Fehlt es dar­an, darf die bean­trag­te Siche­rungs­haft nicht ange­ord­net wer­den 1.

Dem wur­de in dem hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall der Haft­an­trag nicht gerecht:

Die Behör­de ver­weist in dem Haft­an­trag dar­auf, dass die Dau­er der Haft "von längs­tens acht Wochen" erfor­der­lich sei, da zunächst ein Abschie­bungs­er­su­chen an das zustän­di­ge Lan­des­kri­mi­nal­amt gerich­tet wer­den müs­se, von dort wer­de über ein Rei­se­bü­ro der nächst­mög­li­che Flug nach Marok­ko gebucht. Unter Beach­tung des Beschleu­ni­gungs­ge­bots wer­de hier­bei stets der nächst­mög­li­che Ter­min gewählt, so dass die Durch­füh­rung einer Abschie­bung grund­sätz­lich vor Ablauf der bean­trag­ten Haft­dau­er beab­sich­tigt sei. Hier­bei sei zu beach­ten, dass bei den in Fra­ge kom­men­den Luft­ver­kehrs­ge­sell­schaf­ten nur ein gerin­ges Kon­tin­gent an ver­füg­ba­ren Plät­zen zur Ver­fü­gung ste­he. Dar­über hin­aus sei auf­grund der gegen den Betrof­fe­nen geführ­ten straf­recht­li­chen Ver­fah­ren wegen Kör­per­ver­let­zung und Ein­bruchs­dieb­stahls eine Siche­rungs­be­glei­tung durch die Bun­des­po­li­zei erfor­der­lich. Die Orga­ni­sa­ti­on daue­re nach Aus­kunft des Lan­des­kri­mi­nal­amts der­zeit "bis zu acht Wochen".

Die­se Aus­füh­run­gen sind vor dem Hin­ter­grund, dass die Haft auf die kür­zest mög­li­che Dau­er zu beschrän­ken ist (vgl. § 62 Abs. 1 Satz 2 Auf­en­thG), unzu­rei­chend. Die Anga­be einer Höchst­dau­er kann die Erfor­der­lich­keit der Haft­dau­er für den kon­kre­ten Antrag nicht begrün­den und recht­fer­tigt nicht die vor­sorg­li­che – Haft­an­ord­nung bis zu die­sem Zeit­punkt 2. Viel­mehr bedarf es der Dar­le­gung der für die Abschie­bung vor­aus­sicht­lich erfor­der­li­chen Zeit­span­ne; dazu sind die ein­zel­nen erfor­der­li­chen Schrit­te unter Anga­be ihrer jewei­li­gen Dau­er durch die den Haft­an­trag stel­len­de Behör­de zu erläu­tern, damit das Gericht in die Lage ver­setzt wird zu prü­fen, wie lan­ge die Frei­heits­ent­zie­hung des Betrof­fe­nen zur Siche­rung der Abschie­bung not­wen­dig ist 3.

Die­ser Feh­ler ist nicht geheilt wor­den.

Män­gel des Haft­an­tra­ges kön­nen beho­ben wer­den, indem die Behör­de von sich aus oder auf rich­ter­li­chen Hin­weis ihre Dar­le­gun­gen ergänzt und dadurch die Lücken in ihrem Haft­an­trag schließt oder indem der Haft­rich­ter selbst die Vor­aus­set­zun­gen zur Durch­führ­bar­keit der Ab- oder Zurück­schie­bung des Aus­län­ders und zu der dafür erfor­der­li­chen Haft­dau­er in sei­ner Ent­schei­dung fest­stellt 4. Zwin­gen­de wei­te­re Vor­aus­set­zung für eine Hei­lung ist in einem sol­chen Fall, dass der Betrof­fe­ne zu den ergän­zen­den Anga­ben per­sön­lich ange­hört wird 5.

Vor­lie­gend hat die betei­lig­te Behör­de zwar im Beschwer­de­ver­fah­ren ergän­zend vor­ge­tra­gen, die Abschie­bung des Betrof­fe­nen sei durch die Bun­des­po­li­zei inzwi­schen für den 27.03.2018 ter­mi­niert wor­den. Die­se Anga­ben waren auch grund­sätz­lich aus­rei­chend, um die Erfor­der­lich­keit der ver­blei­ben­den Haft­zeit zu bele­gen 6. Der Betrof­fe­ne wur­de hier­zu aber durch das Beschwer­de­ge­richt nicht per­sön­lich ange­hört.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 13. Sep­tem­ber 2018 – V ZB 57/​18

  1. st. Rspr., vgl. BGH, Beschluss vom 20.09.2017 – V ZB 74/​17 6 mwN[]
  2. vgl. BGH, Beschluss vom 22.06.2017 – V ZB 8/​17 8[]
  3. vgl. BGH, Beschluss vom 10.05.2012 – V ZB 246/​11, FGPrax 2012, 225 Rn. 9 f.; Beschluss vom 20.09.2017 – V ZB 74/​17 9[]
  4. vgl. zum Gan­zen BGH, Beschluss vom 16.07.2014 – V ZB 80/​13, InfAuslR 2014, 384 Rn. 21 ff.[]
  5. st. Rspr., vgl. nur BGH, Beschluss vom 25.01.2018 – V ZB 201/​17 8[]
  6. vgl. BGH, Beschluss vom 17.11.2016 – V ZB 90/​16 9; Beschluss vom 20.09.2017 – V ZB 74/​17 12[]