Aktu­el­le Recht­spre­chung und die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de

Eine Grund­satz­rü­ge ist nicht als Abwei­chungs­rü­ge (Dif­fe­renz­rü­ge) zu behan­deln, wenn der Beschwer­de­füh­rer ein­schlä­gi­ge aktu­el­le, ver­öf­fent­lich­te Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts in der Beschwer­de­be­grün­dung nicht anspricht, son­dern sei­ne Rügen in Anleh­nung an frü­he­re, inzwi­schen auf­ge­ge­be­ne Recht­spre­chung begrün­det.

Aktu­el­le Recht­spre­chung und die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de

Zwar ist eine dahin­ge­hen­de Ver­fah­rens­wei­se in der höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung aner­kannt, wenn eine ursprüng­lich begrün­de­te Grund­satz­rü­ge ihre Grund­la­ge durch eine nach Ablauf der Beschwer­de­be­grün­dungs­frist erge­hen­de Ent­schei­dung des Revi­si­ons­ge­richts ver­liert, wel­che den Rechts­stand­punkt des Beschwer­de­füh­rers bestä­tigt 1.

Ein sol­cher Fall liegt hier jedoch nicht vor, weil die aktu­el­len Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts­ent­schei­dun­gen zur Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats im Zusam­men­hang mit Aus­schrei­bun­gen lan­ge vor Ablauf der Beschwer­de­be­grün­dungs­frist ergan­gen sind und ver­öf­fent­licht wur­den.

Auch in einem sol­chen Fall mag die Aus­le­gung oder Umdeu­tung einer Grund­satz- in eine Abwei­chungs­rü­ge in Betracht kom­men, wenn der Beschwer­de­füh­rer sich mit der diver­gie­ren­den Ent­schei­dung in der Beschwer­de­be­grün­dung befasst und dar­legt, dass nach sei­ner Auf­fas­sung der zu ent­schei­den­de Fall davon nicht erfasst wird. So oder ver­gleich­bar liegt es aber nicht, wenn der Beschwer­de­füh­rer wie hier ein­schlä­gi­ge aktu­el­le, ver­öf­fent­lich­te Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts gar nicht anspricht, son­dern sei­ne Rügen in Anleh­nung an frü­he­re, inzwi­schen auf­ge­ge­be­ne Recht­spre­chung begrün­det.

Mit einer sol­chen Begrün­dung wird den Dar­le­gungs­an­for­de­run­gen in § 72a Abs. 3 Satz 2 Nr. 1 und 2, § 92a Satz 2 ArbGG nicht mehr Rech­nung getra­gen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 4. Febru­ar 2014 – 6 PB 36.2013

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 24.05.1965 – 3 B 10.65, Buch­holz 310 § 132 VwGO Nr. 49; vom 20.03.1985 – 3 B 83.84, Buch­holz 310 § 132 VwGO Nr. 230; und vom 11.02.1986 – 8 B 7.85, Buch­holz 310 § 132 VwGO Nr. 240; BFH, Beschlüs­se vom 20.06.1974 – VI B 15/​74BFHE 112, 342; vom 29.07.1976 – V B 10/​76BFHE 119, 380; und vom 08.11.2011 – X B 237/​10; im Ergeb­nis eben­so: BAG, Beschluss vom 27.03.2012 – 3 AZN 1389/​11[]
  2. AG Ful­da, Beschluss vom 04.07.2019 – 88 XIV 312/​19 L, 88 XIV 313/​19 L[]