Die per­sön­li­che Haf­tung des Vize-Poli­zei­prä­si­den­ten für fal­sche Per­so­nal­ent­schei­dun­genn

Nach dem Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz ist es rechts­wid­rig, wenn ein Beschäf­tig­ter zum Scha­dens­er­satz her­an­ge­zo­gen wird, ohne dass der Per­so­nal­rat betei­ligt wor­den ist. Zu den Beschäf­tig­ten im Sin­ne die­ser Vor­schrift gehört auch ein Ruhe­stands­be­am­ter, da die Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats der Gleich­be­hand­lung der Beschäf­tig­ten und die Berück­sich­ti­gung sozia­ler Belan­ge dient. Das erhält beson­de­re Bedeu­tung, wenn aktu­el­le und ehe­ma­li­ge Beschäf­tig­te gemein­sam haf­ten sol­len.

Die per­sön­li­che Haf­tung des Vize-Poli­zei­prä­si­den­ten für fal­sche Per­so­nal­ent­schei­dun­genn

So die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gel­sen­kir­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Klä­gers, der bis zu sei­ner Ver­set­zung in den Ruhe­stand 2008 als stell­ver­tre­ten­der Behör­den­lei­ter für die Per­so­nal­an­ge­le­gen­hei­ten zustän­dig war und nun vom Land Nord­rhein-West­fa­len auf Scha­dens­er­satz in Anspruch genom­men wird. In den Jah­ren 2002 bis 2005 wirk­te der Klä­ger dar­an mit, dass 14 Ange­stell­te des Poli­zei­prä­si­di­ums tarif­lich höher ein­grup­piert wur­den. Das Rech­nungs­prü­fungs­amt sah in der Höher­grup­pie­rung der Ange­stell­ten einen Ver­stoß gegen das Haus­halts­recht und damit einen Scha­den des Lan­des. Im März 2012 mach­te das Land die­sen Scha­den gegen­über dem Klä­ger gel­tend. Der Klä­ger soll für den bis Mit­te 2011 ent­stan­de­nen und die bis zum Ruhe­stand der Ange­stell­ten noch ent­ste­hen­den Schä­den – zusam­men mit zwei wei­te­ren Beam­ten des Poli­zei­prä­si­di­ums – im Umfang von 1,3 Mil­lio­nen Euro haf­ten. Ent­ge­gen sei­ner eige­nen ursprüng­li­chen Ansicht betei­lig­te das Land den Per­so­nal­rat vor der Inan­spruch­nah­me des Klä­gers nicht.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Gel­sen­kir­chen sei die Her­an­zie­hung des Klä­gers zum Scha­den­er­satz rechts­wid­rig, weil der Per­so­nal­rat nicht betei­ligt wor­den sei.

Nach dem Lan­des­per­so­nal­ver­tre­tungs­ge­setz (LPVG) setzt die Gel­tend­ma­chung von Scha­den­er­satz­an­sprü­chen gegen einen Beschäf­tig­ten die Mit­be­stim­mung durch den Per­so­nal­rat vor­aus, wenn der Beschäf­tig­te dies bean­tragt. Zu den Beschäf­tig­ten im Sin­ne die­ser Vor­schrift gehört nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts auch ein Ruhe­stands­be­am­ter wie der Klä­ger, der die Betei­li­gung des Per­so­nal­rats bean­tragt hat. Die Mit­be­stim­mung des Per­so­nal­rats die­ne dazu, die Gleich­be­hand­lung der Beschäf­tig­ten und die Berück­sich­ti­gung sozia­ler Belan­ge zu sichern. Die­ser Zweck erlan­ge beson­de­re Bedeu­tung, wenn – wie hier – aktu­el­le und ehe­ma­li­ge Beschäf­tig­te gemein­sam haf­ten sol­len.

Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen, Urteil vom 27. Juni 2012 – 1 K 1500/​12