Grund­ge­halt für nie­der­säch­si­sche Beam­te nach Dienst­al­ter­stu­fen

Die Bemes­sung des Grund­ge­hal­tes nach Stu­fen für nie­der­säch­si­sche Beam­te ist mit dem Euro­pa­recht ver­ein­bar und ver­stößt auch nicht gegen das All­ge­mei­ne Gleich­heits­ge­setz.

Grund­ge­halt für nie­der­säch­si­sche Beam­te nach Dienst­al­ter­stu­fen

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg im Fall einer Finanz­be­am­tin ent­schie­den, die gegen die Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on Nie­der­sach­sen geklagt hat­te. Die Beam­tin hat­te gegen die Höhe ihrer Besol­dung, die aus der Stu­fe 8 ihrer Besol­dungs­grup­pe erfolg­te, Wider­spruch ein­ge­legt und eine Besol­dung aus der Stu­fe 12, der höchs­ten Stu­fe, begehrt. Zur Begrün­dung hat­te sie auf die Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs und des Bun­des­ar­beits­ge­richts ver­wie­sen.

Der Euro­päi­sche Gerichts­hof hat­te mit Urteil vom 8. Sep­tem­ber 2011 für Ange­stell­te fest­ge­stellt, dass die in § 27 BAT ange­ord­ne­te Bemes­sung der Grund­ver­gü­tun­gen in den Ver­gü­tungs­grup­pen des BAT nach Lebens­al­ter­stu­fen gegen das im AGG gere­gel­te Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung wegen des Alters ver­sto­ße und eine unmit­tel­ba­re Dis­kri­mi­nie­rung wegen Alters im Sin­ne von Art. 2 RL 2000/​78 dar­stel­le 1. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat­te dar­auf­hin ent­schie­den, dass das in jenem Ver­fah­ren beklag­te Bun­des­land ver­pflich­tet sei, dem dor­ti­gen Klä­ger jeden­falls bis Ende 2009 eine Grund­ver­gü­tung nach der letzt­mög­li­chen Lebens­al­ters­stu­fe zu zah­len, da nur so die Dis­kri­mi­nie­rung besei­tigt wer­den kön­ne 2.

Die Klä­ge­rin vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg ver­trat die Auf­fas­sung, dass die­se Recht­spre­chung auch auf nie­der­säch­si­sche Beam­te zu über­tra­gen sei. Die Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on wies den Wider­spruch der Klä­ge­rin zurück mit der Begrün­dung, eine Über­tra­gung die­ser Recht­spre­chung sei wegen der Beson­der­hei­ten der Beam­ten­be­sol­dung, die von dem durch das Grund­ge­setz geschütz­ten Ali­men­ta­ti­ons­grund­satz getra­gen sei, nicht mög­lich.

Nun hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg der Ober­fi­nanz­di­rek­ti­on bei­gepflich­tet. Nach Auf­fas­sung des Gerichts lie­ge bereits kei­ne Ungleich­be­hand­lung wegen des Lebens­al­ters, die nach dem AGG und euro­päi­schen Richt­li­ni­en zunächst grund­sätz­lich ver­bo­ten sei, bei der Bemes­sung des Grund­ge­halts der nie­der­säch­si­schen Beam­ten nach Dienst­al­ters­stu­fen vor. Es erfol­ge kei­ne Dif­fe­ren­zie­rung der Besol­dung wegen des Lebens­al­ters. Das Auf­stei­gen in den Stu­fen bestim­me sich nach dem Besol­dungs­dienst­al­ter und der Leis­tung der Beam­ten. Zwar spie­le das Lebens­al­ter bei der Bestim­mung des Besol­dungs­dienst­al­ters eine Rol­le. Es bil­de aber nur einen pau­scha­li­sie­ren­den Berech­nungs­fak­tor; im Vor­der­grund ste­he die als wert­voll erkann­te Berufs­er­fah­rung – ein­schließ­lich sol­cher mit aner­kann­ter Sozi­al­re­le­vanz. Selbst wenn man aber von einer mit­tel­ba­ren Ungleich­be­hand­lung aus­ge­hen wol­le, sei die­se bei der Beam­ten­be­sol­dung nicht rechts­wid­rig. Denn die euro­päi­sche Richt­li­nie und auch das AGG erlau­ben Ungleich­be­hand­lun­gen wegen des Alters, wenn sie objek­tiv und ange­mes­sen sind, im Rah­men des natio­na­len Rechts durch ein legi­ti­mes Ziel gerecht­fer­tigt sind und die Mit­tel zur Errei­chung die­ses Zie­les ange­mes­sen und erfor­der­lich sind. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sei­en bei der Bemes­sung des Grund­ge­hal­tes der nie­der­säch­si­schen Beam­ten nach Stu­fen erfüllt. Als legi­ti­mes Mit­tel sei in den Vor­schrif­ten auch die Berück­sich­ti­gung der Berufs­er­fah­rung genannt.

Wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung der Rechts­fra­ge (es sind allein in Nie­der­sach­sen rund 5000 Wider­spruchs­ver­fah­ren noch anhän­gig) hat das Gericht die Beru­fung zuge­las­sen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg, Urteil vom 15. Febru­ar 2012 – 1 A 106/​10

  1. EuGH, Urteil vom 08.09.2011 – C‑297/​10[]
  2. BAG, Urteil vom 10.11.2011 – 6 AZR 481/​09[]