Stel­len­zu­la­ge für flug­zeug­tech­ni­sches Per­so­nal

Sol­da­ten und Beam­ten steht die Stel­len­zu­la­ge nach Nr. 5 Abs. 1 Buchst. a der Vor­be­mer­kun­gen zu den Besol­dungs­ord­nun­gen A und B nur zu, wenn sie eigen­ver­ant­wort­lich einen unmit­tel­ba­ren Bei­trag zur Flug­si­cher­heit leis­ten. Eine Lehr­tä­tig­keit an einer Schu­le, an der Sol­da­ten oder Beam­te in der War­tung und Instand­set­zung von Flug­ge­rä­ten unter­rich­tet wer­den (im ent­schie­de­nen Fall als "Lehroffizier/​Luftfahrzeugtechnischer Offi­zier"), reicht nicht aus.

Stel­len­zu­la­ge für flug­zeug­tech­ni­sches Per­so­nal

Eine zula­ge­be­rech­ti­gen­de Ver­wen­dung als flug­zeug­tech­ni­sches Per­so­nal im Sin­ne von Nr. 5 Abs. 1 Buchst. a der Vor­be­mer­kun­gen liegt nur vor, wenn der Sol­dat oder Beam­te durch sei­ne Tätig­keit am Flug­ge­rät eigen­ver­ant­wort­lich einen unmit­tel­ba­ren Bei­trag zur Flug­si­cher­heit leis­tet oder er sol­che Per­so­nen bei die­ser Tätig­keit anlei­tet und beauf­sich­tigt. Eine Lehr­tä­tig­keit an einer Schu­le, an der Sol­da­ten oder Beam­te in der War­tung und Instand­set­zung von Flug­ge­rä­ten unter­rich­tet wer­den, reicht für die Bewil­li­gung der Zula­ge nicht aus. Dies gilt auch dann, wenn der Unter­richt "unmit­tel­bar am Gerät" erfolgt.

Bereits der Geset­zes­wort­laut – Ver­wen­dung als "flug­zeug­tech­ni­sches Per­so­nal" – spricht gegen eine Ein­be­zie­hung der­je­ni­gen Sol­da­ten und Beam­ten, deren Funk­ti­on sich auf die Aus­bil­dung des flug­zeug­tech­ni­schen Per­so­nals beschränkt. Auch die Sys­te­ma­tik des Geset­zes spricht gegen eine Erstre­ckung der Zula­ge Nr. 5 Abs. 1 Buchst. a der Vor­be­mer­kun­gen auf eine Lehr­tä­tig­keit. Im Gegen­satz zu die­ser Vor­schrift wird in Nr. 5a Abs. 1 Nr. 1, 2, 3 und 4 der Vor­be­mer­kun­gen eine Lehr­tä­tig­keit an einer Schu­le aus­drück­lich als zula­ge­be­rech­ti­gen­de Tätig­keit genannt. Danach sieht der Gesetz­ge­ber die Lehr­tä­tig­keit von Beam­ten oder Sol­da­ten nur im Bereich die­ser Zula­gen, nicht aber im Bereich der Zula­ge Nr. 5 Abs. 1 Buchst. a der Vor­be­mer­kun­gen für die Bewil­li­gung einer Stel­len­zu­la­ge nach den Kri­te­ri­en des § 42 Abs. 1 BBesG als rele­vant an. Eine erwei­tern­de Aus­le­gung der Zula­ge für flug­zeug­tech­ni­sches Per­so­nal auf die vom Klä­ger aus­ge­üb­te Lehr­tä­tig­keit unter Hin­weis auf die Rege­lung in Nr. 5a Abs. 1 der Vor­be­mer­kun­gen ist ange­sichts der strik­ten Geset­zes­bin­dung des Besol­dungs­rechts (§ 2 Abs. 1 BBesG) aus­ge­schlos­sen 1.

Die­se Beschrän­kung der Zula­ge Nr. 5 Abs. 1 Buchst. a der Vor­be­mer­kun­gen wird durch die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Zula­ge bestä­tigt. Bei der Unter­su­chung der Ursa­chen der häu­fi­gen Abstür­ze von "Starfighter"-Maschinen der Luft­waf­fe ab dem Jahr 1960 hat­te der Ver­tei­di­gungs­aus­schuss des Deut­schen Bun­des­ta­ges bei den flie­gen­den Ver­bän­den einen gra­vie­ren­den Man­gel an qua­li­fi­zier­tem tech­ni­schem War­tungs- und Instand­set­zungs­per­so­nal fest­ge­stellt. Um die­sem Miss­stand abzu­hel­fen, ersuch­te der Aus­schuss die Bun­des­re­gie­rung, eine Zula­ge für Sol­da­ten in Strahl­flug­zeug­ver­bän­den und ‑schu­len zu schaf­fen, die als Elek­tro­nik-Fach­per­so­nal und als Fach­per­so­nal bei der War­tung und Instand­set­zung von Strahl­flug­zeu­gen ver­wen­det wur­den 2. Beson­ders bean­spruch­ten Sol­da­ten in tech­ni­scher Ver­wen­dung in Strahl­flug­zeug­ver­bän­den wur­de dar­auf­hin ab dem 1. April 1966 nach Richt­li­ni­en des Bun­des­mi­nis­ters der Ver­tei­di­gung vom 27. Juli 1966 3 im Vor­griff auf eine gesetz­li­che Rege­lung eine Zula­ge gewährt. Ab dem 1. Juli 1967 war die­se Zula­ge in § 45a BBesG a.F. gesetz­lich gere­gelt 4. Durch das Zwei­te Gesetz zur Ver­ein­heit­li­chung und Neu­re­ge­lung des Besol­dungs­rechts in Bund und Län­dern vom 23. Mai 1975 5 wur­de die Bestim­mung des § 45a BBesG a.F. in die Zula­ge Nr. 5 der Vor­be­mer­kun­gen umge­wan­delt 6. Die Zula­ge Nr. 5 Abs. 1 der Vor­be­mer­kun­gen a.F. erfass­te ledig­lich Sol­da­ten (Mann­schaf­ten und Unter­of­fi­zie­re) in tech­ni­scher Ver­wen­dung in Strahl­flug­zeug­ver­bän­den und ‑schu­len, die als Fach­per­so­nal für die Elek­tro­nik der Strahl­flug­zeu­ge sowie für die sons­ti­ge War­tung und Instand­set­zung die­ser Flug­zeu­ge zustän­dig waren. Absatz 2 bestimm­te, dass die Stel­len­zu­la­ge Sol­da­ten gewährt wird, die beson­de­rer Bean­spru­chung unter­lie­gen und die nach der Aus­bil­dungs- und Tätig­keits­be­schrei­bung im Sin­ne von Absatz 1 als ers­ter Spe­zia­list oder in höher­wer­ti­gen Funk­tio­nen ver­wen­det wur­den. Der Hin­weis auf "Schu­len" bedeu­te­te nicht, dass blo­ße Lehr­tä­tig­kei­ten als zula­ge­be­rech­ti­gend aner­kannt wer­den soll­ten. Viel­mehr soll­ten die tech­ni­schen Tätig­kei­ten der Sol­da­ten "unmit­tel­bar am Gerät" auch dann zur Bewil­li­gung der Zula­ge füh­ren, wenn die Bezie­her der Zula­ge nicht in einem flie­gen­den Ver­band, son­dern in einer Schu­le ver­wen­det wur­den und dort den Aus­bil­dungs­be­trieb mit Strahl­flug­zeu­gen sicher­stell­ten.

Im Jahr 1990 wur­de die bis dahin auf die Bun­des­wehr beschränk­te Zula­ge Nr. 5 der Vor­be­mer­kun­gen im Inter­es­se der Gleich­be­hand­lung von Beam­ten auf die­se aus­ge­wei­tet 7. Die­se Umwand­lung in eine lauf­bahn­un­ab­hän­gi­ge Zula­ge für Sol­da­ten und Beam­te hat aber nicht zu einer Aus­wei­tung des Gel­tungs­be­reichs der Zula­ge Nr. 5 Abs.1 Buchst. a der Vor­be­mer­kun­gen geführt. Unver­än­dert setzt die Gewäh­rung der Zula­ge vor­aus, dass der Sol­dat oder Beam­te eigen­ver­ant­wort­lich als flug­tech­ni­sches Per­so­nal einen unmit­tel­ba­ren Bei­trag zur Flug­si­cher­heit leis­tet 8.

Gegen die Beschrän­kung des Anwen­dungs­be­reichs der Zula­ge Nr. 5 Abs. 1 Buchst. a der Vor­be­mer­kun­gen kann des­halb nicht vor­ge­bracht wer­den, bei die­ser Aus­le­gung habe sie prak­tisch kei­nen Anwen­dungs­be­reich. Anspruchs­be­rech­tigt sind sol­che Sol­da­ten und Beam­te, die als flug­zeug­tech­ni­sches Per­so­nal im Bereich der War­tung und Instand­set­zung von Luft­fahr­zeu­gen ver­wen­det wer­den und für die tech­ni­sche Sicher­heit des Geräts ver­ant­wort­lich sind. Der dar­ge­stell­ten Aus­le­gung der Zula­ge Nr. 5 Abs. 1 Buchst. a der Vor­be­mer­kung ent­spricht es, dass der Klä­ger als Lehr­of­fi­zier die Zula­ge nicht erhält, wäh­rend sie den Aus­zu­bil­den­den zusteht, sofern der Zula­gen­an­spruch nicht wegen einer ander­wei­ti­gen Ver­wen­dung erlischt.

Die Bin­dung der Zula­ge Nr. 5 Abs. 1 Buchst. a der Vor­be­mer­kun­gen an die Leis­tung eines unmit­tel­ba­ren Bei­trags zur Flug­si­cher­heit stellt ange­sichts des wei­ten Gestal­tungs­spiel­raums des Gesetz­ge­bers bei der Fest­le­gung von Stel­len­zu­la­gen auch kei­nen gleich­heits­wid­ri­gen Begüns­ti­gungs­aus­schluss dar. Die Erwä­gung des Gesetz­ge­bers, die Erbrin­gung eines unmit­tel­ba­ren Bei­trags zur Flug­si­cher­heit durch die Arbeit am Flug­ge­rät sei wegen der beson­de­ren Bean­spru­chung und Ver­ant­wor­tung der Sol­da­ten oder Beam­ten eine her­aus­ge­ho­be­ne Funk­ti­on, wäh­rend dies bei einer Lehr­tä­tig­keit an einer ent­spre­chen­den Schu­le nicht der Fall sei, stellt einen hin­rei­chen­den sach­li­chen Grund für die unter­schied­li­che Behand­lung der Grup­pen dar.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 28. Okto­ber 2010 – 2 C 1.10

  1. BVerwG, Urtei­le vom 17.06.2004 – 2 C 34.02, BVerw­GE 121, 91, 93 f. = Buch­holz 11 Art. 33 Abs. 5 GG Nr. 79; und vom 17.12.2008 – 2 C 51.07 – Buch­holz 240 § 28 BBesG Nr. 22 Rn. 8[]
  2. Bericht und Emp­feh­lung des Ver­tei­di­gungs­aus­schus­ses, BT-Drs. V/​450, S. 8[]
  3. VMBl 1967, S. 83[]
  4. 1. BesNG vom 6. Juli 1967, BGBl I S. 629; Bericht des Innen­aus­schus­ses, BT-Drs. V/​1694, S. 4[]
  5. 2. Bes­VNG, BGBl I S. 1173[]
  6. vgl. Begrün­dung des Ent­wurfs der Bun­des­re­gie­rung – 2. Bes­VNG, BT-Drs. 7/​1906, S. 93[]
  7. Art. 5 Nr. 4 des Geset­zes zur Neu­fas­sung des Bun­des­um­zugs­kos­ten­ge­set­zes, zur Ände­rung ande­rer dienst­recht­li­cher Vor­schrif­ten, zur Rege­lung per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­cher Amts­zei­ten sowie zur Ver­bes­se­rung der per­so­nel­len Struk­tur in der Bun­des­zoll­ver­wal­tung vom 11. Dezem­ber 1990, BGBl I S. 2682[]
  8. vgl. Beschluss­emp­feh­lung und Bericht des Innen­aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges, BT-Drs. 11/​8138, S. 31 zu Art. 3b[]