Befan­gen – wegen Mit­wir­kung in einem ande­ren Verfahren?

Die blo­ße Mit­wir­kung der abge­lehn­ten Rich­ter in einem vor­an­ge­hen­den, von einer drit­ten Par­tei ange­streng­ten Ver­fah­ren ist zur Begrün­dung der Besorg­nis der Befan­gen­heit gänz­lich ungeeignet.

Befan­gen – wegen Mit­wir­kung in einem ande­ren Verfahren?

Dabei ist von der gesetz­li­chen Wer­tung des hin­sicht­lich der rich­ter­li­chen Vor­be­fas­sung abschlie­ßen­den § 18 Abs. 1 BVerfGG aus­zu­ge­hen [1].

Ist ein Ver­fas­sungs­rich­ter, der in einem Par­al­lel­ver­fah­ren über recht­lich gleich gela­ger­te Streit­fra­gen ent­schie­den hat, nicht nach § 18 Abs. 1 BVerfGG von Geset­zes wegen aus­ge­schlos­sen, ver­mag allein eine Betei­li­gung an einem sol­chen Ver­fah­ren die Besorg­nis der Befan­gen­heit nach § 19 BVerfGG eben­falls nicht zu begrün­den [2]. Nicht aus­ge­schlos­sen gemäß § 18 Abs. 1 Nr. 2 BVerfGG ist ein Rich­ter, der sich bereits – in ande­ren Ver­fah­ren – zu einer ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­ge in bestimm­ter Wei­se geäu­ßert hat. Selbst wenn er eine bestimm­te Rechts­auf­fas­sung stän­dig ver­tritt, ist er in einem Ver­fah­ren nicht aus­ge­schlos­sen, das gera­de auf die Ände­rung die­ser Rechts­auf­fas­sung abzielt [1].

Die blo­ße rich­ter­li­che Vor­be­fas­sung mit einer im anhän­gi­gen Ver­fah­ren ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­ge ist daher nicht geeig­net, die Besorg­nis der Befan­gen­heit zu begrün­den. Viel­mehr ist davon aus­zu­ge­hen, dass auch in die­sen Fäl­len der Rich­ter an einer unbe­fan­ge­nen Ent­schei­dung der an ihn her­an­ge­tra­ge­nen Rechts­fra­gen nicht gehin­dert ist [3].

Ledig­lich eine sol­che, zur Unzu­läs­sig­keit des Befan­gen­heits­ge­suchs füh­ren­de Vor­be­fas­sung der abge­lehn­ten Rich­ter mit ver­meint­lich ähn­li­chen Rechts­fra­gen in einem ande­ren ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren macht der Beschwer­de­füh­rer gel­tend, wenn er die Besorg­nis der Befan­gen­heit auf ihre Mit­wir­kung an einer Ent­schei­dung in einem Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren eines ande­ren Beschwer­de­füh­rers stützt.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 8. Dezem­ber 2020 – 2 BvC 64/​19

  1. vgl. BVerfGE 131, 239 <253> 133, 377 <406 Rn. 71>[][]
  2. vgl. BVerfGE 131, 239 <253>[]
  3. vgl. BVerfG, Beschluss vom 22.07.2020 – 2 BvE 3/​19, Rn. 29[]

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