Beset­zung des Lan­des­be­auf­trag­ten für die Sta­si-Unter­la­gen

Der Land­tag trifft mit der Wahl der Lan­des­be­auf­trag­ten für die Unter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes der ehe­ma­li­gen DDR eine eigen­stän­di­ge (poli­ti­sche) Ent­schei­dung über die poli­ti­sche Befä­hi­gung der Bewer­ber, die nicht den Maß­ga­ben des Art. 33 Abs. 2 GG unter­fällt. Die Wahl­ent­schei­dung ist einer gericht­li­chen Über­prü­fung nicht zugäng­lich, weil sie sich außer­halb recht­li­cher Bewer­tungs­ka­te­go­ri­en bewegt und kei­ne gesetz­li­che Bestim­mung besteht, die eine dahin­ge­hen­de inhalt­li­che Über­prü­fung der Wahl durch den Land­tag vor­sieht.

Beset­zung des Lan­des­be­auf­trag­ten für die Sta­si-Unter­la­gen

So die Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts des Lan­des Sach­sen-Anhalt in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Beschwer­de eines Mit­be­wer­bers um das Amt des Lan­des­be­auf­trag­ten für die Unter­la­gen des Staats­si­cher­heits­diens­tes. Bereits das Ver­wal­tungs­ge­richt Hal­le ist mit sei­ner Ent­schei­dung nicht dem Begeh­ren des Mit­be­wer­bers gefolgt 1.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts des Lan­des Sach­sen-Anhalt habe der Land­tag mit der erfolg­ten Wahl der Lan­des­be­auf­trag­ten eine eigen­stän­di­ge (poli­ti­sche) Ent­schei­dung über die poli­ti­sche Befä­hi­gung der Bewer­ber getrof­fen, die nicht den Maß­ga­ben des Art. 33 Abs. 2 GG unter­fal­le. Die gericht­li­che Über­prüf­bar­keit im Bereich der Beset­zung von Wahl­äm­tern durch in beson­de­rer Wei­se demo­kra­tisch legi­ti­mier­te Gre­mi­en im Sin­ne einer inhalt­li­chen Über­prü­fung sei bei Wahl­ent­schei­dun­gen regel­mä­ßig aus­ge­schlos­sen.

Auch die hier maß­geb­li­che Wahl­ent­schei­dung des Land­ta­ges sei einer gericht­li­chen Über­prü­fung nicht zugäng­lich, weil sie sich außer­halb recht­li­cher Bewer­tungs­ka­te­go­ri­en bewe­ge und kei­ne gesetz­li­che Bestim­mung bestehe, die eine dahin­ge­hen­de inhalt­li­che Über­prü­fung der Wahl durch den Land­tag vor­se­he. Die­se feh­len­de Prüf­bar­keit resul­tie­re aus dem Wesen der Wahl als einer frei­en, nur den Bin­dun­gen des Geset­zes und des Gewis­sens unter­wor­fe­nen Ent­schei­dung der Man­dats­trä­ger.

Der Minis­ter­prä­si­dent sei nach der erfolg­ten Wahl durch den Land­tag nur noch berech­tigt, aber auch ver­pflich­tet, die gesetz­li­chen Rechts­fol­gen der Wahl zu voll­zie­hen. Das Prü­fungs­recht und die Prü­fungs­pflicht des Minis­ter­prä­si­den­ten bezie­hen sich hier­bei allein dar­auf, ob das gesetz­lich vor­ge­ge­be­ne Ver­fah­ren ein­ge­hal­ten und die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen all­ge­mei­nen Beru­fungs- bzw. Ernen­nungs­vor­aus­set­zun­gen (noch) vor­lie­gen. In der Regel wer­de der Minis­ter­prä­si­dent daher das Vor­lie­gen der all­ge­mei­nen gesetz­li­chen Beru­fungs- bzw. Ernen­nungs­vor­aus­set­zun­gen nur dann noch negie­ren dür­fen, wenn ent­spre­chen­de Tat­sa­chen erst nach­träg­lich bekannt gewor­den oder ein­ge­tre­ten sind.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Sach­sen-Anhalt, Beschluss vom 14. Sep­tem­ber 2012 – 1 M 94/​12

  1. VG Hal­le, Beschluss vom 08.08.2012 – 5 B 216/​12[]