Coro­na-beding­te Gast­stät­ten­schlie­ßun­gen in Hamburg

Die durch § 15 HmbSARS-CoV-2-Ein­däm­mungs­VO (Coro­na­VO) ange­ord­ne­te Schlie­ßung von Gast­stät­ten ist nicht des­we­gen rechts­wid­rig, weil es an einer epi­de­mi­schen Lage von natio­na­ler Trag­wei­te feh­len würde.

Coro­na-beding­te Gast­stät­ten­schlie­ßun­gen in Hamburg

Die in § 28 a Abs. 5 Satz 2 IfSG nor­mier­te Pflicht, die Gel­tungs­dau­er der Rechts­ver­ord­nun­gen auf grund­sätz­lich vier Wochen zu begren­zen, wird nicht des­we­gen zur Far­ce, weil die Ver­ord­nungs­ge­ber mitt­ler­wei­le von der dort eben­falls vor­ge­se­he­nen Mög­lich­keit Gebrauch gemacht haben, die Ver­ord­nun­gen zu ver­län­gern. Die­se gesetz­lich begrün­de­te Befris­tungs­pflicht dürf­te als sol­che bereits „dis­zi­pli­nie­rend“ gegen­über gleich­sam auto­ma­ti­schen Ver­län­ge­run­gen der Ver­ord­nun­gen wirken.

In Ham­burg wird der Ver­ord­nungs­ge­ber zusätz­lich dadurch kon­trol­liert, dass er, falls er eine Coro­na­ver­ord­nung ver­län­gern möch­te, gemäß § 3 Abs. 1 des Ham­bur­gi­schen Geset­zes über die Par­la­ments­be­tei­li­gung beim Erlass infek­ti­ons­schüt­zen­der Maß­nah­men (HmbVGBl. 2020, S. 701) die betref­fen­de Rechts­ver­ord­nung unver­züg­lich, spä­tes­tens 24 Stun­den nach der Beschluss­fas­sung der Ham­bur­gi­schen Bür­ger­schaft zuzu­lei­ten hat. Die­se und wei­te­re gesetz­li­che Ver­pflich­tun­gen des Ver­ord­nungs­ge­bers zur Betei­li­gung des Lan­des­par­la­ments und der damit ver­bun­de­ne öffent­li­che Recht­fer­ti­gungs­zwang füh­ren unwei­ger­lich zu einer noch erhöh­ten Kon­troll­dich­te.

Der (ham­bur­gi­sche) Ver­ord­nungs­ge­ber hat sich bei sei­ner Beur­tei­lung des Infek­ti­ons­ge­sche­hens und des sich dar­aus erge­ben­den Hand­lungs­be­darfs nicht des­we­gen auf eine unge­eig­ne­te Daten­grund­la­ge gestützt, weil die PCR-Test­ergeb­nis­se belang­los wären. Er darf inso­weit die gemäß § 4 Abs. 1 IfSG beson­ders gewich­ti­ge Exper­ti­se des Robert-Koch-Insti­tuts zugrun­de legen.

Die staat­li­chen Maß­nah­men zur Ein­däm­mung des Coro­na­vi­rus sind nicht des­we­gen rechts­wid­rig, weil ihnen fal­sche Annah­men zur Zahl der Infek­tio­nen, zur (Über-) Sterb­lich­keit, zur Belas­tung der Inten­siv­sta­tio­nen durch Covid-19-Pati­en­ten oder zur Bedeu­tung der Virus­mu­ta­ti­on B.1.1.7 zugrun­de lägen oder weil es sich bei den an Covid-19 Ver­stor­be­nen im Wesent­li­chen um „mul­ti­mor­bi­de Höchst­be­tag­te“ han­deln wür­de, die „vor dem Inver­kehr­brin­gen des sog. Dros­ten-Tests ver­mut­lich eines natür­li­chen Todes gestor­ben wären“. 

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Ham­bur­gi­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 2. Febru­ar 2021 – 5 Bs 217/​20

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