Der behaup­te­te unwirk­sa­me Bebau­ungs­plan und die Nach­bar­rech­te

Ist ein geneh­mig­tes Bau­vor­ha­ben nicht zu Las­ten des Grund­stücks eines Nach­barn rück­sichts­los, hat es ins­be­son­de­re inso­weit kei­ne erdrü­cken­de oder „ein­mau­ern­de“ Wir­kung, ver­letzt die Bau­ge­neh­mi­gung vor­aus­sicht­lich kei­ne Rech­te des Nach­barn – selbst dann nicht, wenn der Bebau­ungs­plan, wie der Nach­bar behaup­tet, unwirk­sam ist.

Der behaup­te­te unwirk­sa­me Bebau­ungs­plan und die Nach­bar­rech­te

So der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg in dem hier vor­lie­gen­den Eil­an­trag gegen die Bau­ge­neh­mi­gung für ein „Han­dels- und Dienst­leis­tungs­haus mit 29 Wohn­ein­hei­ten“ in der Balin­ger Innen­stadt. Gegen die einem Inves­tor auf­grund des Bebau­ungs­plans „Eyach-Arka­den“ der Stadt Balin­gen vom 11. Dezem­ber 2012 von der Stadt Balin­gen erteil­te Bau­ge­neh­mi­gung hat ein Nach­bar Kla­ge erho­ben und einen auf einen vor­läu­fi­gen Bau­stopp zie­len­den Eil­an­trag beim Ver­wal­tungs­ge­richt Sig­ma­rin­gen gestellt. Nach­dem die­ser Eil­an­trag im Juli 2013 abge­lehnt wor­den ist, ver­folgt der Antrag­stel­ler sein Ziel vor dem Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg wei­ter.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts­hofs Baden-Würt­tem­berg über­wö­gen das öffent­li­che Inter­es­se und das pri­va­te Inter­es­se des Inves­tors am Sofort­voll­zug der Bau­ge­neh­mi­gung schon vor einer end­gül­ti­gen gericht­li­chen Ent­schei­dung über die dage­gen anhän­gi­ge Anfech­tungs­kla­ge des Antrag­stel­lers das Auf­schub­in­ter­es­se des Antrag­stel­lers. Denn die Kla­ge wer­de mit hoher Wahr­schein­lich­keit erfolg­los blei­ben, weil die Bau­ge­neh­mi­gung jeden­falls kei­ne Rech­te des Antrag­stel­lers als Eigen­tü­mer eines Nach­bar­grund­stücks ver­let­ze. Ob die Bau­ge­neh­mi­gung im Übri­gen objek­tiv recht­mä­ßig sei, sei für einen Erfolg der Kla­ge des Antrag­stel­lers und damit auch im vor­lie­gen­den Eil­ver­fah­ren nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich.

Die Bau­ge­neh­mi­gung ver­let­ze selbst dann kei­ne Rech­te des Antrag­stel­lers, wenn der Bebau­ungs­plan „Eyach-Arka­den“, wie der Antrag­stel­ler behaup­te, unwirk­sam sei. Es kön­ne daher offen blei­ben, ob die zahl­rei­chen Ein­wen­dun­gen des Antrag­stel­lers gegen die Wirk­sam­keit des Bebau­ungs­plans begrün­det sei­en. Denn in die­sem Fall kön­ne er sich nach dem Bau­ge­setz­buch nur auf eine Ver­let­zung des Gebots der Rück­sicht­nah­me beru­fen, soweit es Eigen­tü­mer eines Nach­bar­grund­stücks vor unzu­mut­ba­ren Ein­wir­kun­gen eines Bau­vor­ha­bens in einem unbe­plan­ten Gebiet schüt­ze. Das geneh­mig­te Bau­vor­ha­ben sei jedoch, wie bereits das Ver­wal­tungs­ge­richt ein­ge­hend und über­zeu­gend begrün­det habe, nicht zu Las­ten des Grund­stücks des Antrag­stel­lers rück­sichts­los, ins­be­son­de­re habe es inso­weit kei­ne erdrü­cken­de oder „ein­mau­ern­de“ Wir­kung.

Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Baden-Würt­tem­berg, Beschluss vom 8. Janu­ar 2014 – 8 S 1598/​13