Der links­ex­tre­me Jugend­ver­band – und sei­ne För­de­rung aus Bun­des­mit­teln

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat die Beru­fung gegen ein Urteil zuge­las­sen, mit dem das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­pflich­tet hat, über einen Antrag des Jugend­ver­ban­des [‘solid‘] auf Zuwen­dun­gen aus dem Kin­der- und Jugend­hil­fe­plan des Bun­des unter Beach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Gerichts erneut zu ent­schei­den.

Der links­ex­tre­me Jugend­ver­band – und sei­ne För­de­rung aus Bun­des­mit­teln

Der Jugend­ver­band, der von der dama­li­gen Linkspartei.PDS als ihr nahe­ste­hend aner­kannt wor­den war, bean­trag­te im Jahr 2006 Zuwen­dun­gen aus dem Kin­der- und Jugend­hil­fe­plan des Bun­des für sei­ne poli­ti­sche Arbeit. Die­sen Antrag lehn­te das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend im Wesent­li­chen mit der Begrün­dung ab, der Ver­band sei ein Beob­ach­tungs­ob­jekt des Bun­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz und seit Jah­ren in den Ver­fas­sungs­schutz­be­rich­ten auf­ge­führt; er habe seit sei­ner Grün­dung links­ex­tre­mis­ti­sche Posi­tio­nen ver­tre­ten. Hier­ge­gen erhob der Jugend­ver­band Kla­ge.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat zur Begrün­dung sei­ner weit­ge­hend statt­ge­ben­den Ent­schei­dung aus­ge­führt, es sei grund­sätz­lich zuläs­sig, die Bewil­li­gung von För­der­gel­dern an die Vor­aus­set­zung zu knüp­fen, dass der Zuwen­dungs­emp­fän­ger die Gewähr für eine den Zie­len des Grund­ge­set­zes för­der­li­che Arbeit bie­te, und Maß­nah­men und Pro­jek­te mit agi­ta­to­ri­schen Zie­len nicht zu för­dern. Recht­lich ver­selb­stän­dig­te Jugend­ver­bän­de poli­ti­scher Par­tei­en mit eige­nem Mit­glie­der­be­stand sei­en nicht den Par­tei­en zuzu­rech­nen und könn­ten sich des­halb nicht auf das „Par­tei­en­pri­vi­leg“ des Art. 21 GG beru­fen. Die Begrün­dung des Minis­te­ri­ums tra­ge aber sei­ne Bewer­tung nicht. Die her­an­ge­zo­ge­nen Äuße­run­gen des Ver­ban­des sei­en teil­wei­se aus ihrem Zusam­men­hang geris­sen bzw. nur unvoll­stän­dig wie­der­ge­ge­ben, zum Teil für die Posi­ti­on des Ver­ban­des nicht aus­sa­ge­kräf­tig; die Maß­nah­men und Pro­jek­te, deren För­de­rung der Ver­band bean­tragt hat­te, sei­en nicht im Ein­zel­nen geprüft wor­den.

Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg hat auf Antrag der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land die Beru­fung gegen die­ses Urteil zuge­las­sen, weil die Rechts­sa­che beson­de­re tat­säch­li­che und recht­li­che Schwie­rig­kei­ten auf­wei­se. Es ist geplant, im ers­ten Quar­tal des Jah­res 2012 über die Beru­fung zu ent­schei­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Beschluss vom 28. Juni 2011 – OVG 6 N 11.10