Die Glaub­wür­dig­keit eines Zeu­gen

Die Wür­di­gung der Glaub­wür­dig­keit eines Zeu­gen sowie der Glaub­haf­tig­keit sei­ner Aus­sa­ge ist grund­sätz­lich Sache des Gerichts. Die Ein­ho­lung eines aus­sa­ge­psy­cho­lo­gi­schen Gut­ach­tens ist jeden­falls dann gebo­ten, wenn die Aus­sa­ge­tüch­tig­keit eines Zeu­gen durch Umstän­de, wie etwa bestimm­te Erkran­kun­gen, beein­träch­tigt sein kann, deren Bedeu­tung der Rich­ter regel­mä­ßig nicht ein­deu­tig beur­tei­len kann.

Die Glaub­wür­dig­keit eines Zeu­gen

Nach § 57 Abs. 1 Satz 1 LDG NRW sowie § 3 Abs. 1 LDG NRW und § 86 Abs. 1 Satz 1 VwGO erhebt das Gericht im Dis­zi­pli­nark­la­ge­ver­fah­ren die erfor­der­li­chen Bewei­se. Die Ableh­nung eines Beweis­an­trags zu einer unter Beweis gestell­ten und zu einem Rechts­stand­punkt erheb­li­chen Tat­sa­che ver­letzt den Anspruch eines Betei­lig­ten auf recht­li­ches Gehör, wenn sie im Pro­zess­recht kei­ne Stüt­ze fin­det 1.

Die Beur­tei­lung der Glaub­wür­dig­keit ver­nom­me­ner Zeu­gen sowie der Glaub­haf­tig­keit ihrer Aus­sa­gen unter Berück­sich­ti­gung der vom Beklag­ten erho­be­nen Ein­wän­de ist grund­sätz­lich Sache des Gerichts 2. Aus­nah­men kön­nen dann gerecht­fer­tigt sein, wenn beson­de­re, in erheb­li­cher Wei­se von den Nor­mal­fäl­len abwei­chen­de, Umstän­de vor­lie­gen, deren Wür­di­gung eine spe­zi­el­le Sach­kun­de erfor­dert, die dem Gericht nicht zur Ver­fü­gung steht. Dies kommt bei Anhalts­punk­ten für das Vor­lie­gen einer Per­sön­lich­keits­stö­rung oder einer ande­ren, die Wahr­neh­mungs­fä­hig­keit beein­träch­ti­gen­den Erkran­kung in Betracht, deren mög­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Aus­sa­ge­tüch­tig­keit eines Zeu­gen spe­zi­fi­sches Fach­wis­sen erfor­dert, das nicht All­ge­mein­gut von Rich­tern ist 3.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 31. Juli 2014 – 2 B 20.2014 -

  1. stRspr, Beschlüs­se vom 12.05.1999 – 9 B 264.99, Buch­holz 310 § 108 Abs. 1 VwGO Nr. 3 S. 5; vom 29.05.2009 – 2 B 3.09, Buch­holz 235.1 § 58 BDG Nr. 5 = NJW 2009, 2614; und vom 26.10.2011 – 2 B 69.10 Rn.19 ff.[]
  2. BVerwG, Urteil vom 29.07.2010 – 2 A 4.09 158[]
  3. stRspr des BGH, vgl. Beschluss vom 28.10.2009 – 5 StR 419/​09, NStZ 2010, 100 m.w.N. und Urteil vom 18.08.2009 – 1 StR 155/​09NStZ 2010, 51; vgl. auch BVerwG, Beschluss vom 07.07.1999 – 9 B 401.99, Buch­holz 310 § 86 Abs. 1 VwGO Nr. 304 4 m.w.N.[]