Die erle­dig­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Aus­la­ge­n­er­stat­tung

Wird eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de für erle­digt erklärt, so ist über sie nicht mehr zu ent­schei­den 1. In Fäl­len die­ser Art ist das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt (die Kam­mer) jedoch zur Ent­schei­dung über die Aus­la­ge­n­er­stat­tung befugt 2.

Die erle­dig­te Ver­fas­sungs­be­schwer­de – und die Aus­la­ge­n­er­stat­tung

Über die Erstat­tung der Aus­la­gen ist nach Bil­lig­keits­ge­sichts­punk­ten zu ent­schei­den (vgl. § 34a Abs. 3 BVerfGG). Dabei kann ins­be­son­de­re dem Grund, der zur Erle­di­gung geführt hat, wesent­li­che Bedeu­tung zukom­men. Besei­tigt die öffent­li­che Gewalt von sich aus den mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­nen Akt oder hilft sie der Beschwer auf ande­re Wei­se ab, so kann, falls kei­ne ander­wei­ti­gen Grün­de ersicht­lich sind, davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass sie das Begeh­ren des Beschwer­de­füh­rers selbst für berech­tigt erach­tet hat. In die­sem Fall ist es bil­lig, die öffent­li­che Hand ohne wei­te­re Prü­fung an ihrer Auf­fas­sung fest­zu­hal­ten und dem Beschwer­de­füh­rer die Erstat­tung sei­ner Aus­la­gen in glei­cher Wei­se zuzu­bil­li­gen, wie wenn sei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de statt­ge­ge­ben wor­den wäre 3.

In glei­cher Wei­se erscheint es bil­lig, einem Beschwer­de­füh­rer, erklärt er sei­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de für erle­digt, die Erstat­tung sei­ner not­wen­di­gen Aus­la­gen zuzu­bil­li­gen, wenn es zwar noch nicht zu einer Besei­ti­gung der mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ange­grif­fe­nen Beschwer durch die öffent­li­che Gewalt gekom­men, die­se jedoch durch die ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Ent­schei­dung in einem ande­ren Ver­fah­ren hier­zu gehal­ten ist.

Auch hier grei­fen Beden­ken im Hin­blick auf die Funk­ti­on und die Trag­wei­te der Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht Platz, im Fal­le einer Erle­di­gung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de über die Aus­la­ge­n­er­stat­tung – ana­log den Rege­lun­gen in den Ver­fah­rens­ord­nun­gen für die Fach­ge­rich­te (§ 91a ZPO, § 161 Abs. 2 VwGO, § 138 Abs. 1 FGO) – auf­grund einer über­schlä­gi­gen Beur­tei­lung der Erfolgs­aus­sicht der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ent­schei­den und dabei zu ver­fas­sungs­recht­li­chen Zwei­fels­fra­gen auf­grund einer ledig­lich kur­so­ri­schen Prü­fung Stel­lung neh­men zu müs­sen 4; die ver­fas­sungs­recht­li­che Lage ist durch die Ent­schei­dung in den ande­ren Ver­fah­ren bereits geklärt 5.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 10. Mai 2016 – 1 BvR 2322/​14

  1. vgl. BVerfGE 85, 109, 113[]
  2. vgl. BVerfGE 72, 34, 38 f.[]
  3. BVerfGE 85, 109, 115[]
  4. vgl. BVerfGE 33, 247, 264 f.[]
  5. vgl. BVerfGE 85, 109, 115 f.; 87, 394, 397 f.[]