Die Was­ser­pfei­fe ohne Tabak

Da es kei­ne Erkennt­nis­se dazu gibt, dass Drit­te bei der Benut­zung von Was­ser­pfei­fen mit getrock­ne­ten Früch­ten und Shia­zo-Stei­nen durch ent­ste­hen­de Ver­damp­fungs­pro­dukt gesund­heit­lich gefähr­det wer­den, ist eine Erstre­ckung des Rauch­ver­bots auf die­se Stof­fe vor­aus­sicht­lich nicht gerecht­fer­tigt.

Die Was­ser­pfei­fe ohne Tabak

So hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len in dem hier vor­lie­gen­den Fall einem Eil­an­trag in zwei­ter Instanz statt­ge­ge­ben, mit dem die Betrei­be­rin eines Shi­sha-Cafés sich gegen die von der Stadt Marl erteil­te Wei­sung gewehrt hat, wegen des Nicht­rau­cher­schutz­ge­set­zes bei jedem Ver­stoß mit der Ein­lei­tung eines Buß­geld­ver­fah­rens rech­nen zu müs­sen. Das Rau­chen in Gast­stät­ten und Cafés ist durch das Nicht­rau­cher­schutz­ge­setz NRW in sei­ner seit dem 1. Mai 2013 gel­ten­den Fas­sung strikt ver­bo­ten. Die Antrag­stel­le­rin betreibt in Marl ein Shi­sha-Café, das für sei­ne Kun­den Was­ser­pfei­fen (Shishas) bereit hält, die statt mit Tabak aus­schließ­lich mit getrock­ne­ten Früch­ten und/​oder melas­se­be­han­del­ten Dampf­stei­nen (sog. Shia­zo-Stei­nen) befüllt wer­den. Die Stadt Marl wies die Betrei­be­rin eines Shi­sha-Cafés – in Abstim­mung mit dem Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um des Lan­des – dar­auf hin, hier­un­ter fal­le auch der tabak­freie Gebrauch von Was­ser­pfei­fen mit getrock­ne­ten Früch­ten und Shia­zo-Stei­nen. Hal­te die Betrei­be­rin ihr ent­spre­chen­des Ange­bot wei­ter­hin auf­recht, müs­se sie bei jedem Ver­stoß mit der Ein­lei­tung eines Buß­geld­ver­fah­rens rech­nen. Da die Betrei­be­rin die­ses Risi­ko nicht in Kauf neh­men woll­te, klag­te sie beim Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen auf die Fest­stel­lung, dass das Nicht­rau­cher­schutz­ge­setz auf ihr Geschäfts­mo­dell kei­ne Anwen­dung fin­de. Zugleich bean­trag­te sie beim Gericht eine vor­läu­fi­ge Rege­lung, um das Shi­sha-Ange­bot bis zur end­gül­ti­gen Ent­schei­dung über die Kla­ge bei­be­hal­ten zu kön­nen.

In sei­ner Ent­schei­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len aus­ge­führt, dass alles dafür spre­che, dass das Rau­chen von getrock­ne­ten Früch­ten und Shia­zo-Stei­nen mit­tels Was­ser­pfei­fe nicht unter das Nicht­rau­cher­schutz­ge­setz fal­le. Es gebe kei­ne Erkennt­nis­se dazu, dass Drit­te bzw. soge­nann­te Pas­siv­rau­cher durch das bei Ver­wen­dung von getrock­ne­ten Früch­ten und Shia­zo-Stei­nen ent­ste­hen­de Ver­damp­fungs­pro­dukt gesund­heit­lich gefähr­det wür­den. Bei die­ser Sach­la­ge sei eine Erstre­ckung des Rauch­ver­bots auf die­se Stof­fe vor­aus­sicht­lich nicht gerecht­fer­tigt.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom 1. August 2013 – 4 B 608/​13