Ein­tritts­kar­ten für Ros­to­cker Fans in St. Pau­li

Weil die Poli­zei beim Zweit­li­ga-Fuß­ball­spiel zwi­schen dem FC St. Pau­li und dem FC Han­sa Ros­tock mit dem "Auf­ein­an­der­tref­fen" von meh­re­ren hun­dert Pro­blem­fans und in der Fol­ge mit mas­si­ven Aus­schrei­tun­gen rech­net, durf­te die Ham­bur­ger Poli­zei es dem FC St. Pau­li unter­sa­gen, Gast­kar­ten für das statt­fin­den­de Spiel gegen FC Han­sa Ros­tock für Ros­to­cker Fans zur Ver­fü­gung zu stel­len. Nach­dem bereits das Ver­wal­tungs­ge­richt Ham­burg die­se Unter­sa­gungs­ver­fü­gung gebil­ligt hat 1 , blieb nun auch die Beschwer­de des FC St. Pau­li gegen vor dem Ham­bur­gi­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ohne Erfolg.

Ein­tritts­kar­ten für Ros­to­cker Fans in St. Pau­li

Die Beschwer­de ist vom Ham­bur­gi­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt zurück­ge­wie­sen wor­den, nach­dem eine güt­li­che Eini­gung ohne Erfolg geblie­ben ist. Die Vor­schlä­ge des Gerichts zur Abwehr der zu befürch­ten­den Stö­run­gen sind nicht von allen Betei­lig­ten akzep­tiert wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts ist eine Abwä­gung der vor­her­seh­ba­ren Fol­gen maß­geb­lich, die sich für die Ham­bur­ger Poli­zei bei einem Kar­ten­ver­kauf und für den FC St. Pau­li aus einem fort­be­stehen­den Ver­kaufs­ver­bot erge­ben. In Über­ein­stim­mung mit dem Ver­wal­tungs­ge­richt sieht das Gericht die eher wirt­schaft­li­chen Belan­ge des Ver­eins FC St. Pau­li und das imma­te­ri­el­le Inter­es­se des Gast­ver­eins FC Han­sa Ros­tock, in einem wich­ti­gen Aus­wärts­spiel von (fried­li­chen) Anhän­gern Unter­stüt­zung zu erfah­ren, als nach­ran­gig gegen­über den erheb­li­chen Gefah­ren für die öffent­li­che Sicher­heit an, die bestün­den, wenn es zum Kar­ten­ver­kauf käme. In die­sem Fall sei nach den Erfah­run­gen ver­gan­ge­ner Spie­le mit kon­kre­ten Gefah­ren für Leib und Leben Drit­ter zu rech­nen. Die beson­de­re Situa­ti­on die­ses Hoch­ri­si­ko­spiels, bei dem zeit­gleich in unmit­tel­ba­rer Nähe der Ham­bur­ger Früh­lings­dom statt­fin­de, der am Sonn­tag­nach­mit­tag von vie­len Fami­li­en mit Kin­dern besucht wer­de, füh­re zu einem Vor­rang des öffent­li­chen Inter­es­ses an der Gefah­ren­ab­wehr.

Die inhalt­li­che Recht­mä­ßig­keit der poli­zei­li­chen Anord­nung lässt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ins­be­son­de­re im Hin­blick dar­auf offen, ob das ham­bur­gi­sche Gesetz zum Schutz der öffent­li­chen Sicher­heit und Ord­nung eine hin­rei­chen­de Rechts­grund­la­ge bie­te, den FC St. Pau­li als Nicht­stö­rer zur Gefah­ren­ab­wehr in Anspruch zu neh­men, wie die­ses in der strei­ti­gen Ver­fü­gung erfolgt ist. Dies bedür­fe gege­be­nen­falls einer Klä­rung in einem Haupt­sa­che­ver­fah­ren. Zugleich sei aller­dings davon aus­zu­ge­hen, dass den Gefah­ren mit poli­zei­li­chen Maß­nah­men, die allein gegen der Poli­zei bekann­te gewalt­be­rei­te Stö­rer gerich­tet sei­en, nicht aus­rei­chend begeg­net wer­den kön­ne.

Ham­bur­gi­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 13. April 2012 – 4 Bs 78/​12

  1. VG Ham­burg, Beschluss vom 02.04.2012 – 15 E 756/​12[]