Fac­to­ry-Out­let-Cen­ter in der Lüne­bur­ger Hei­de

Lan­des­pla­ne­ri­sche Fest­le­gung im Lan­des­raum­ord­nungs­pro­gramm las­sen sich von den betrof­fe­nen Gemein­den nicht gericht­lich anfech­ten. Den Fest­stel­lun­gen im Lan­des­raum­ord­nungs­pro­gramm fehlt es hier­zu an den für eine Anfech­tungs­kla­ge erfor­der­li­chen Rechts­wir­kun­gen.

Fac­to­ry-Out­let-Cen­ter in der Lüne­bur­ger Hei­de

So hat jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg ent­schie­den, dass sich die lan­des­pla­ne­ri­sche Fest­stel­lun­gen, wonach ein Fac­to­ry-Out­let-Cen­ter in Sol­tau – nicht aber in Bis­pin­gen – raum­ver­träg­lich ist, von der unter­le­ge­nen Gemein­de Bis­pin­gen nicht mit Erfolg anfech­ten las­sen.

Die Gemein­de Bis­pin­gen und die Stadt Sol­tau kon­kur­rie­ren seit lan­ger Zeit um die Errich­tung eines Her­stel­ler­di­rekt­ver­kaufs­zen­trums (Fac­to­ry-Out­let-Cen­ter) in ihrem jewei­li­gen Gemein­de­ge­biet. Das Land Nie­der­sach­sen erneu­er­te im Janu­ar 2008 sein Lan­des­raum­ord­nungs­pro­gramm, wonach nun­mehr in der über­re­gio­nal bedeut­sa­men Tou­ris­mus­re­gi­on Lüne­bur­ger Hei­de an nur einem (ein­zi­gen) Stand­ort ein Her­stel­ler­di­rekt­ver­kaufs­zen­trum mit einer Ver­kaufs­flä­che von höchs­tens 10.000 m² zuge­las­sen wer­den kann, soweit dies raum­ver­träg­lich ist. Auf­grund des geän­der­ten Lan­des­raum­ord­nungs­pro­gramms und ent­spre­chend der Anträ­ge bei­der Gemein­den kam das Nie­der­säch­si­sche Minis­te­ri­um für Ernäh­rung, Land­wirt­schaft, Ver­brau­cher­schutz und Lan­des­ent­wick­lung am 2. Febru­ar 2009 zu zwei lan­des­pla­ne­ri­schen Fest­stel­lun­gen: Zum Einen kam das Minis­te­ri­um zu dem Ergeb­nis, dass ein Her­stel­ler­di­rekt­ver­kaufs­zen­trum im Gebiet der Stadt Sol­tau zuläs­sig ist. In einer zwei­ten Fest­stel­lung kam das Minis­te­ri­um zu dem Ergeb­nis, dass die­ses Zen­trum im Gemein­de­ge­biet von Bis­pin­gen nicht raum­ver­träg­lich ist.

Die Gemein­de Bis­pin­gen hat gegen bei­de lan­des­pla­ne­ri­schen Fest­stel­lun­gen Kla­ge erho­ben.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat nun bei­de Kla­gen der Gemein­de Bis­pin­gen als unzu­läs­sig abge­wie­sen: Die lan­des­pla­ne­ri­schen Fest­stel­lun­gen des Minis­te­ri­ums kön­nen von der unter­le­ge­nen Gemein­de Bis­pin­gen nicht in zuläs­si­ger Wei­se ange­foch­ten wer­den. Die Ent­schei­dun­gen des Minis­te­ri­ums haben weder gegen­über der Stadt Sol­tau noch gegen­über der Gemein­de Bis­pin­gen unmit­tel­ba­re Rechts­wir­kun­gen. Die Ent­schei­dung haben nur „gut­ach­ter­li­chen Cha­rak­ter" und müs­sen bei den nach­fol­gen­den Ent­schei­dun­gen und Geneh­mi­gun­gen zur Ver­wirk­li­chung eines Fac­to­ry-Out­let-Cen­ter in die Abwä­gung der öffent­li­chen Belan­ge ein­be­zo­gen wer­den. Das Ergeb­nis des Minis­te­ri­ums gibt somit kei­ner­lei ver­bind­li­che Auf­schlüs­se dar­über, dass das Fac­to­ry-Out­let-Cen­ter in Sol­tau zulas­sungs­fä­hig ist. Die Ent­schei­dun­gen des Minis­te­ri­ums erset­zen nicht die Geneh­mi­gun­gen, Plan­fest­stel­lun­gen oder sons­ti­gen behörd­li­chen Ent­schei­dun­gen, die noch getrof­fen wer­den müs­sen, um das Vor­ha­ben end­gül­tig zu ver­wirk­li­chen. Durch die Ent­schei­dun­gen des Minis­te­ri­ums wird letzt­lich ledig­lich fest­ge­stellt, dass ein Fac­to­ry-Out­let-Cen­ter mit den Zie­len der Raum­ord­nung und Lan­des­pla­nung in Sol­tau ver­ein­bar ist, in Bis­pin­gen hin­ge­gen nicht.

Ver­wal­tungs­ge­richt Lüne­burg, Urtei­le vom 27. Juni 2011 – 2 A 87/​09 und 2 A 95/​09