Fäl­lig­keit eines Erschlie­ßungs­bei­trags

Die gesetz­li­che Fäl­lig­keits­frist eines Erschlie­ßungs­bei­trags endet mit dem Ablauf des­je­ni­gen Tages, wel­cher durch sei­ne Zahl dem Tag ent­spricht, an wel­chem der Bei­trags­be­scheid dem Schuld­ner bekannt gege­ben wor­den ist. Endet die­se Frist mit Ablauf eines Frei­tags, so ver­län­gert sie sich nicht bis zum nächs­ten Werk­tag. Der ers­te Fäl­lig­keits­tag ist der Sonn­abend, wenn die Fäl­lig­keits­frist mit Ablauf eines Frei­tags endet. Der Bei­trag wird mit dem Beginn des fol­gen­den Sonn­tags rück­stän­dig. Die Rück­stands­fris­ten des Zwangs­ver­stei­ge­rungs­rechts enden in die­sem Fall mit Ablauf des Werk­ta­ges, der in dem betref­fen­den Jahr dem Sonn­abend vor Beginn der Rück­stands­frist ent­spricht.

Fäl­lig­keit eines Erschlie­ßungs­bei­trags

Bei der Grund­stücks­zwangs­ver­stei­ge­rung gehö­ren Ansprü­che auf ein­ma­li­ge Ent­rich­tung öffent­li­cher Las­ten wie der Erschlie­ßungs­bei­trag gemäß § 134 Abs. 2 Bau­GB in die Rang­klas­se 3, wenn der Gläu­bi­ger inner­halb von vier Jah­ren nach dem Ein­tritt der Fäl­lig­keit wegen die­ses Anspruchs die Anord­nung der Zwangs­ver­stei­ge­rung, die Zulas­sung des Bei­tritts zu einem bereits anhän­gi­gen Ver­fah­ren bean­tragt oder sei­nen Anspruch ange­mel­det hat [1]. Der Erschlie­ßungs­bei­trag wird nach § 135 Abs. 1 Bau­GB einen Monat nach Bekannt­ga­be des Bei­trags­be­scheids fäl­lig. Die Monats­frist begann gemäß § 31 Abs. 1 VwVfG, § 187 Abs. 1 BGB am 27.08.2003, dem Tag nach der Bekannt­ga­be an den Kon­kurs­ver­wal­ter. Sie ende­te nach § 188 Abs. 2 Fall 1 BGB mit Ablauf des 26.09.2003, einem Frei­tag. Der Bekannt­ga­be­tag wird damit, dem Sinn des § 187 Abs. 1 BGB ent­spre­chend, vom Gesetz der Monats­frist nicht als zusätz­li­cher Tag hin­zu­ge­rech­net. Außer­dem ver­schiebt sich der Zeit­punkt der Fäl­lig­keit nach § 193 BGB auf den nächs­ten Werk­tag und der frü­hest­mög­li­che Ein­tritt des Ver­zu­ges auf den dar­auf­fol­gen­den Tag nur dann, wenn der letz­te Tag einer Fäl­lig­keits­frist rech­ne­risch auf einen Sonn­abend, Sonn­tag oder Fei­er­tag fällt [2]. Die­se Frist­be­rech­nung ist eben­so für die Anwen­dung von § 135 Abs. 1 Bau­GB maß­ge­bend und wird auch im Schrift­tum ver­tre­ten [3]. Sie deckt sich zudem mit dem Ver­ständ­nis der gleich­lau­ten­den Fäl­lig­keits­re­gel für die Ent­rich­tung von Grund­er­werb­steu­ern in § 15 Satz 1 GrEStG [4]. Das abwei­chen­de Berech­nungs­bei­spiel von Löhr [5] beruht auf einem Miss­ver­ständ­nis von § 188 Abs. 2 Fall 1 BGB.

Der Begriff der Fäl­lig­keit bezeich­net den Zeit­punkt, von dem an der Gläu­bi­ger die Leis­tung ver­lan­gen kann [6]. Dies ist der ers­te Tag nach Ablauf der Frist zur Leis­tungs­be­wir­kung. Fällt er auf einen Sonn­abend, Sonn­tag, oder am Leis­tungs­ort staat­lich aner­kann­ten all­ge­mei­nen Fei­er­tag, so hat dies auf den Ablauf der Leis­tungs­frist nach § 193 BGB kei­ne Wir­kung mehr.

In glei­cher Wei­se wie der Ver­zug bür­ger­li­chen Rechts tritt nach dem hier gemäß § 3 Abs. 1 Nr. 5 KAGRh­Pf anwend­ba­ren § 240 AO die Säum­nis mit dem fäl­li­gen Erschlie­ßungs­bei­trag ein, die nach die­ser Vor­schrift vor­aus­setzt, dass die Abga­be bis zum Ablauf des Fäl­lig­keits­ta­ges nicht ent­rich­tet wird. In die­sem Sin­ne ist auch eine ein­ma­li­ge Leis­tung gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Halbs. 1 ZVG rück­stän­dig, wenn der Tag der Fäl­lig­keit abge­lau­fen ist [7].

Soll­te die Ent­schei­dung des Reichs­ge­richts in RGZ 83, 87, 91 anders zu ver­ste­hen sein, wäre dem im vor­lie­gen­den Zusam­men­hang nicht zu fol­gen. Auch aus dem Beschluss des Bun­des­ge­richts­hofs vom 24. Janu­ar 2008 [8] ent­nimmt der Bun­des­ge­richts­hof nicht, dass danach in der Berech­nung des Vier­jah­res­zeit­raums bevor­rech­tig­ter Rück­stän­de ein­ma­li­ger öffent­li­cher Las­ten gemäß § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Halbs. 1 ZVG schon der Fäl­lig­keits­tag mit­zäh­len soll.

Den Rang von Säum­nis­zu­schlä­gen hat der Bun­des­ge­richts­hof in dem Beschluss vom 20.12.2007 [9] ohne nähe­re Begrün­dung nach § 10 Nr. 7 ZVG bestimmt, wenn das Haupt­recht die ursprüng­li­che Rang­klas­se 3 durch den Zeit­ab­lauf ver­lo­ren hat­te. Im Ergeb­nis hat er damit Grund­sät­ze der Anspruchs­ver­jäh­rung auf die Rang­ver­jäh­rung des Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ge­set­zes über­tra­gen. Nach § 217 BGB (frü­her § 224 BGB) ver­jährt der Anspruch auf die von dem ver­jähr­ten Haupt­an­spruch abhän­gi­gen Neben­leis­tun­gen, selbst wenn die für die­se Ansprü­che gel­ten­de beson­de­re Ver­jäh­rung noch nicht ein­ge­tre­ten ist [10]. Das macht sich der Bun­des­ge­richts­hof für das Zwangs­ver­stei­ge­rungs­ge­setz zu Eigen. Mit Recht hat des­halb das Beru­fungs­ge­richt den Rang der zum Bei­tritt nach­träg­lich zuge­las­se­nen Säum­nis­zu­schlä­ge nach § 10 Abs. 1 Nr. 3 Satz 1 Halbs. 2 ZVG nicht mehr geson­dert geprüft.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 24. Mai 2012 – IX ZR 175/​11

  1. BGH, Beschluss vom 20.12.2007 – V ZB 89/​07, WM 2008, 740 Rn. 13[]
  2. BGH, Urteil vom 01.02.2007 – III ZR 159/​06, BGHZ 171, 33 Rn. 13 und 24, jeweils a.E.[]
  3. Beck’scher Online-Kom­men­tar BauGB/​Eiding, 2012, § 135 Rn. 5[]
  4. vgl. Vis­korf in Borut­tau, Grund­er­werb­steu­er­ge­setz, 17. Aufl., § 15 Rn. 14[]
  5. in Battis/​Krautzberger/​Löhr, Bau­GB, 11. Aufl., § 135 Rn. 1[]
  6. BGH, aaO NJW 2007, 1581 Rn. 16, in BGHZ 171, 33 nicht mit abge­druckt[]
  7. vgl. Stö­ber, ZVG 19. Aufl., § 10 Anm.06.17 Buchst. b[]
  8. BGH, Beschluss vom 24.01.2008 – V ZB 118/​07, NJW 2008, 1445 Rn. 8[]
  9. BGH, Beschluss vom 20.12.2007, aaO Rn. 1 und 19[]
  10. sie­he inso­weit etwa auch BGH, Urteil vom 03.07.1973 – VI ZR 38/​72, NJW 1973, 1684, 1685 unter II.02.[]