Grup­pen­ver­fol­gung für Yezi­den

Das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ver­tritt seit sei­nem Grund­satz­ur­teil vom 27. Juli 2007 [1] nach Aus­wer­tung des aktu­el­len Erkennt­nis­ma­te­ri­als die Auf­fas­sung, dass Yezi­den (Jesi­den) in der Tür­kei seit 2003 nicht mehr einer mit­tel­bar staat­li­chen Grup­pen­ver­fol­gung wegen ihrer Reli­gi­ons­zu­ge­hö­rig­keit aus­ge­setzt und sie bei Rück­kehr in die Tür­kei auch hin­rei­chend sicher vor Ver­fol­gung sind. Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gegen die­ses Urteil zurück­ge­wie­sen [2]. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die dage­gen erho­be­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men [3]. Zwar lag dem genann­ten Urteil des Senats ein Asyl­an­trag und nicht – wie im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren – ein Wider­rufs­be­scheid zugrun­de, doch hat das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in der Fol­ge­zeit mehr­fach ent­schie­den, dass die dor­ti­gen Fest­stel­lun­gen auch einen der­ar­ti­gen Wider­ruf recht­fer­ti­gen, wenn die Aner­ken­nung – wie hier – wegen einer (sei­ner­zeit ange­nom­me­nen) Grup­pen­ver­fol­gung von Yezi­den in der Tür­kei aus­ge­spro­chen wor­den war [4].

Grup­pen­ver­fol­gung für Yezi­den

Dass sich gegen­über der in die­sen Ent­schei­dun­gen vor­ge­nom­me­nen Bewer­tung der Ver­fol­gungs­la­ge eine nicht nur unwe­sent­li­che Ver­än­de­rung der tat­säch­li­chen Ver­hält­nis­se erge­ben und sich durch zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen die Erkennt­nis­la­ge zu bereits bewer­te­ten Ver­hält­nis­sen ent­schei­dungs­er­heb­lich ver­än­dert hat und die zusätz­li­chen Erkennt­nis­mit­tel zumin­dest geeig­net erschei­nen, die vor­ge­nom­me­ne Bewer­tung in Zwei­fel zu zie­hen, ist, so das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­ner aktu­el­len Ent­schei­dung, nicht ersicht­lich. Auch die zwi­schen­zeit­lich ergan­ge­nen gegen­läu­fi­gen Ent­schei­dun­gen der Ver­wal­tungs­ge­rich­te Dres­den, Neu­stadt, Ham­burg und Frei­burg sind kei­ne tat­säch­li­chen Erkennt­nis­mit­tel und ent­hal­ten kei­ne neu­en, vom Nie­der­säch­si­schen OVG bis­lang noch nicht gewür­dig­ten tat­säch­li­chen oder recht­li­chen Aspek­te. Im Übri­gen weist das Nie­der­säch­si­sche Ober­ver­wal­tungs­ge­richt dar­auf hin, dass sei­ne Ansicht auch von ande­ren Ober­ver­wal­tungs­ge­rich­ten geteilt wird [5].

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 2. Sep­tem­ber 2010 – 11 LA 563/​09

  1. Nds. OVG, Urteil vom 27.07.2007 – 11 LB 332/​03[]
  2. BVerwG, Beschluss vom 23.04.2008 – 10 B 156.07[]
  3. BVerfG, Beschluss vom 03.07.2008 – 2 BvR 1083/​08[]
  4. vgl. etwa zuletzt Nds. OVG, Beschluss vom 24.08.2010 – 11 LA 448/​09[]
  5. vgl. OVG NRW, Urteil vom 24.03.2010 – 18 A 2613/​07.A; OVG Saar­land, Urteil vom 11.03.2010 – 2 A 401/​08[]