Jüdi­sche Gemein­de zu Ber­lin – und die staat­li­chen Zuschüs­se

Das Land Ber­lin ist zur Gewäh­rung von Zuschüs­sen an Jüdi­sche Gemein­de ver­pflich­tet.

Jüdi­sche Gemein­de zu Ber­lin – und die staat­li­chen Zuschüs­se

Das hat jetzt das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­­burg in zwei Berufungs­verfahren der Jüdi­schen Gemein­de zu Ber­lin gegen das Land Ber­lin ent­schie­den.

Das ers­te jetzt vom Oberverwaltungs­gericht Ber­lin-Bran­den­burg ent­schie­de­ne Ver­fah­ren [1] betrifft Ansprü­che der Jüdi­schen Gemein­de aus dem mit dem Land Ber­lin im Jah­re 1993 geschlosse­nen Staats­ver­trag auf eine jähr­li­che Grund­finan­zierung und Zuschüs­se zum Pensions­fonds sowie Zuwen­dungen für kultu­relle Betreu­ung. Im Lau­fe des Jah­res 2013 kam es zu Unstimmig­keiten zwi­schen der Jüdi­schen Gemein­de und dem Land Ber­lin, in deren Fol­ge das Land Ber­lin die Zah­lung der Zuschüs­se ein­stell­te. Das Land Ber­lin bemän­gel­te unter ande­rem die Wirt­schafts­pläne der Jüdi­schen Gemein­de und eine unwirt­schaft­liche Verwen­dung der Mit­tel.

In der ers­ten Instanz vor dem Verwaltungs­gericht Ber­lin hat­te die Kla­ge der Jüdi­schen Gemein­de weit­gehend Erfolg. Das Oberverwaltungs­gericht Ber­lin-Bran­den­burg hat die Entscheid­ung des Verwaltungs­gerichts nun im Wesent­lichen bestä­tigt und das Land Ber­lin ver­pflich­tet, der Jüdi­schen Gemein­de für das Jahr 2013 eine Grund­finanzie­rung in Höhe von 6,469 Mio. € und für das Jahr 2014 in Höhe von 6,673 Mio. € zu bewil­li­gen.

Die­se Ansprü­che erge­ben sich dem Grund und der Höhe nach jeweils unmit­tel­bar aus den Bestimmun­gen des Staats­vertrages. Der Auf­fas­sung des Lan­des Ber­lin, wonach die Leistun­gen unter dem Vor­be­halt allgemei­ner haushalts­recht­licher Bestim­mun­gen stün­den, ist das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg nicht gefolgt. Von der Jüdi­schen Gemein­de gel­tend gemach­te weiter­gehende Zahlungs­ansprüche in Höhe von rund 2,4 Mio. € hat das Oberverwaltungs­gericht Ber­lin-Bran­den­burg dage­gen ver­neint.

Eben­so wie erst­in­stanz­lich bereits das Verwaltungs­gericht Ber­lin hat das Ober­verwaltungs­gericht Ber­lin-Bran­den­burg des Wei­te­ren angenom­men, dass der Jüdi­schen Gemein­de zu Ber­lin dem Grun­de nach ein staat­licher Zuschuss zum Pensions­fonds für die Zeit von Juni 2013 bis Dezem­ber 2014 zusteht. Für eine end­gül­ti­ge Bewilli­gung fehlt es aller­dings an den zur abschließen­den Berech­nung der Zuschüs­se erforder­lichen Anga­ben, so dass das Land nur zu einer vorläufi­gen Bewilli­gung verpflich­tet wer­den konn­te.

Schließ­lich hat das Oberverwaltungs­gericht Ber­lin-Bran­den­burg das Verwaltungs­gericht Ber­lin dar­in bestä­tigt, dass der Jüdi­schen Gemein­de ein Anspruch auf die vor­läu­fi­ge Bewilli­gung einer staat­lichen Zuwen­dung für kultu­relle Betreu­ung in Höhe von 42.490 € für den Zeit­raum von Juni bis Dezem­ber 2013 und für das Jahr 2014 in Höhe von 72.840 € zusteht.

In dem zwei­ten jetzt ent­schie­de­nen Ver­fah­ren [2] ist das Ober­verwaltungs­gericht Ber­lin-Bran­den­burg der Ent­schei­dung des Verwaltungs­gerichts Ber­lin im Ergeb­nis eben­falls gefolgt, wonach das Land von der Jüdi­schen Gemein­de kei­ne Zin­sen in Höhe von rund 4,346 Mio. € für die Rück­forderung über­zahl­ter staat­li­cher Zuschüs­se zum Pensions­fonds ver­lan­gen kann. Anders als das Verwaltungs­gericht Ber­lin hat das Oberverwaltungs­gericht Ber­lin-Bran­den­burg aller­dings die Geltend­machung von Zin­sen nicht per se für ausgeschlos­sen gehal­ten. Der Bescheid war nach sei­ner Auf­fas­sung jedoch fehler­haft, weil das Land das ihm zustehen­de Ermes­sen nicht bzw. nicht ordnungs­gemäß aus­ge­übt hat.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin ‑Bran­den­burg, Urtei­le vom 8. März 2016 – OVG 6 B 61.15 und OVG 6 B 62.15

  1. OVG 6 B 61.15[]
  2. OVG 6 B 62.15[]