Kein Asyl für Kriegs­ver­bre­cher

Aus­län­dern muss ihre Stel­lung als Flücht­ling und Asyl­be­rech­tig­ter wie­der ent­zo­gen wer­den, wenn sie nach ihrer Aner­ken­nung Kriegs­ver­bre­chen oder Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit began­gen haben.

Kein Asyl für Kriegs­ver­bre­cher

Dies ent­schied jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig in dem Fall eines Staats­an­ge­hö­ri­gen aus Ruan­da, der 1989 zum Stu­di­um nach Deutsch­land gekom­men war. Er wur­de hier im Jahr 2000 wegen sei­ner exil­po­li­ti­schen Betä­ti­gung gegen die Regie­rung in Ruan­da als Asyl­be­rech­tig­ter und Flücht­ling aner­kannt. 2001 wur­de er Prä­si­dent der Orga­ni­sa­ti­on For­ces Démo­cra­ti­ques de Libé­ra­ti­on du Rwan­da (FDLR), einer Hutu-Exil­or­ga­ni­sa­ti­on, die im Osten der Demo­kra­ti­schen Repu­blik Kon­go über bewaff­ne­te Kampf­grup­pen ver­fügt. Im Febru­ar 2006 wider­rief das Bun­des­amt für Migra­ti­on und Flücht­lin­ge die Asyl- und Flücht­lings­an­er­ken­nung. Der Klä­ger sei von der Aner­ken­nung aus­ge­schlos­sen, weil aus schwer­wie­gen­den Grün­den die Annah­me gerecht­fer­tigt sei, dass er für Kriegs­ver­bre­chen und Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit ver­ant­wort­lich sei. Die FDLR habe im Ost­kon­go der­ar­ti­ge Ver­bre­chen began­gen, die sich der Klä­ger als Prä­si­dent der Orga­ni­sa­ti­on zurech­nen las­sen müs­se. Außer­dem habe er den Zie­len und Grund­sät­zen der Ver­ein­ten Natio­nen zuwi­der gehan­delt.

Das hier­ge­gen ange­ru­fe­ne Ver­wal­tungs­ge­richt Ans­bach hat den Wider­rufs­be­scheid im Dezem­ber 2006 auf­ge­ho­ben, weil die vom Bun­des­amt ange­führ­ten Bele­ge kei­nen hin­rei­chend ver­läss­li­chen Schluss dar­auf zulie­ßen, dass der Klä­ger für die ihm zur Last geleg­ten Taten ver­ant­wort­lich sei [1]. Wäh­rend des Beru­fungs­ver­fah­rens vor dem Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof in Mün­chen hat der Ermitt­lungs­rich­ter beim Bun­des­ge­richts­hof im Novem­ber 2009 Haft­be­fehl gegen den Klä­ger u.a. wegen des drin­gen­den Tat­ver­dachts der Bege­hung von Kriegs­ver­bre­chen und Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit erlas­sen. Seit­dem befin­det sich der Klä­ger in Unter­su­chungs­haft. Der Baye­ri­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat ange­sichts der inzwi­schen vor­lie­gen­den Erkennt­nis­mit­tel im Janu­ar 2010 den Wider­rufs­be­scheid als recht­mä­ßig bestä­tigt [2]. Im Dezem­ber 2010 hat der Gene­ral­bun­des­an­walt beim Bun­des­ge­richts­hof Ankla­ge gegen den Klä­ger erho­ben, die das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart im März 2011 zuge­las­sen hat.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat jetzt die gegen den Wider­ruf der Asyl- und Flücht­lings­an­er­ken­nung gerich­te­te Revi­si­on des Klä­gers zurück­ge­wie­sen: Nach § 73 Abs. 1 AsylVfG kön­nen, so das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, auch Hand­lun­gen nach der Aner­ken­nungs­ent­schei­dung zum Wider­ruf füh­ren, wenn sie unter die Aus­schluss­tat­be­stän­de des § 3 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 oder Nr. 3 AsylVfG fal­len. Dem steht die Gen­fer Flücht­lings­kon­ven­ti­on nicht ent­ge­gen, die in Art. 1 F ent­spre­chen­de Aus­schluss­grün­de ent­hält. Auch das Asyl­recht nach Art. 16a des Grund­ge­set­zes ver­sagt dem­je­ni­gen sei­nen Schutz, der von deut­schem Boden aus Akti­vi­tä­ten als Ter­ro­rist oder Kriegs­ver­bre­cher ent­fal­tet. Des­sen Aus­schluss vom asyl­recht­li­chen Schutz ent­spricht zudem der maß­geb­li­chen Richt­li­nie der EU zum Flücht­lings­schutz. Für den Aus­schluss müs­sen die dem Flücht­ling vor­ge­wor­fe­nen Taten nicht mit letz­ter Sicher­heit fest­ste­hen. Es bedarf auch kei­ner straf­recht­li­chen Ver­ur­tei­lung. Die Rege­lun­gen in § 3 Abs. 2 Satz 1 AsylVfG set­zen nur vor­aus, dass schwer­wie­gen­de Grün­de die Annah­me recht­fer­ti­gen, dass die dort genann­ten Taten began­gen wor­den sind.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat auf der Grund­la­ge der Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts des­sen Ent­schei­dung bestä­tigt, dass schwer­wie­gen­de Grün­de die Annah­me recht­fer­ti­gen, dass die Kämp­fer der FDLR Kriegs­ver­bre­chen und Ver­bre­chen gegen die Mensch­lich­keit (§ 3 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 AsylVfG) began­gen haben und der Klä­ger dafür ver­ant­wort­lich ist. Die Ver­ant­wort­lich­keit des Klä­gers hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt aus des­sen Stel­lung als mili­tä­ri­scher Ober­be­fehls­ha­ber der FDLR abge­lei­tet. Außer­dem spricht viel dafür, dass der Klä­ger auch den Zie­len und Grund­sät­zen der Ver­ein­ten Natio­nen zuwi­der gehan­delt hat (§ 3 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 AsylVfG). Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt weist dar­auf hin, dass damit noch nicht die Fra­ge einer Abschie­bung des Klä­gers nach Ruan­da ent­schie­den ist.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 31. März 2011 – 10 C 2.10

  1. VG Ans­bach, Urteil vom 13.12.2006 – AN 9 K 06.30646[]
  2. Bay.VGH, Urteil vom 11.01.2010 – 9 B 08.30223[]