Kei­ne aus­rei­chen­de Schul­plät­ze für Inte­gra­ti­ons­kin­der

Eine Schu­le darf einen Schü­ler mit son­der­päd­ago­gi­schem För­der­be­darf nur abwei­sen, wenn für eine ange­mes­se­ne För­de­rung die per­so­nel­len, säch­li­chen und orga­ni­sa­to­ri­schen Mög­lich­kei­ten nicht vor­han­den sind. Um über die Auf­nah­me zu ent­schei­den, ist ein Aus­schuss zu bil­den, der die Unter­la­gen sämt­li­cher Bewer­ber sich­tet und eine Anhö­rung der Erzie­hungs­be­rech­tig­ten und der betref­fen­den Schu­le durch­führt. Die Aus­wahl­ent­schei­dung durch das Los ist rechts­wid­rig.

Kei­ne aus­rei­chen­de Schul­plät­ze für Inte­gra­ti­ons­kin­der

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin in dem hier vor­lie­gen­den Fall eine all­ge­mei­ne Schu­le in Ber­lin-Mit­te dazu ver­pflich­tet, eine Schü­le­rin mit son­der­päd­ago­gi­schem För­der­be­darf trotz Kapa­zi­täts­über­schrei­tung auf­zu­neh­men. Die Schü­le­rin bewarb sich erfolg­los um Auf­nah­me in eine 7. Klas­se an einer all­ge­mei­nen Schu­le in Ber­lin-Mit­te. Den dort für soge­nann­te Inte­gra­ti­ons­kin­der zur Ver­fü­gung ste­hen­den 16 Plät­zen stan­den 24 Anmel­dun­gen gegen­über. Nach der Berück­sich­ti­gung von Geschwis­ter­kin­dern wur­den die ver­blie­be­nen Plät­ze ver­lost. Auch für ihre Zweit­wunsch­schu­le wur­de die Klä­ge­rin nicht aus­ge­wählt. Dage­gen hat sich die Schü­le­rin mit ihrer Kla­ge gewehrt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­rich­Ber­lin aus­ge­führt, dass die Schul­ver­wal­tung die Vor­ga­ben des Schul­ge­set­zes nicht beach­tet habe. Eine Schu­le dür­fe eine Schü­le­rin oder einen Schü­ler mit son­der­päd­ago­gi­schem För­der­be­darf nur abwei­sen, wenn für eine ange­mes­se­ne För­de­rung die per­so­nel­len, säch­li­chen und orga­ni­sa­to­ri­schen Mög­lich­kei­ten nicht vor­han­den sei­en. Zur Vor­be­rei­tung einer Ent­schei­dung über die Auf­nah­me an die gewähl­te oder eine ande­re Schu­le müs­se ein Aus­schuss gebil­det wer­den; die­ser müs­se die Unter­la­gen sämt­li­cher Bewer­ber mit son­der­päd­ago­gi­schem För­der­be­darf sich­ten sowie die Erzie­hungs­be­rech­tig­ten und die betref­fen­de Schu­le anhö­ren. Das sei nicht gesche­hen. Auch feh­le es am Ein­ver­neh­men mit der bezirk­li­chen Schul­be­hör­de. Soweit die Son­der­päd­ago­gik­ver­ord­nung ein abwei­chen­des Aus­wahl­ver­fah­ren bei Kapa­zi­täts­über­schrei­tun­gen vor­se­he, sei die­se Neu­re­ge­lung nicht vom Schul­ge­setz gedeckt und des­halb unwirk­sam. Die Aus­wahl­ent­schei­dung durch das Los sei rechts­wid­rig.

Die Erst­wunsch­schu­le müs­se die Klä­ge­rin zusätz­lich auf­neh­men. Denn mit Rück­sicht auf den Ver­trau­ens­schutz der bereits aus­ge­wähl­ten 16 Kin­der kön­ne das gesetz­li­che Aus­wahl­ver­fah­ren zum jet­zi­gen Zeit­punkt nicht mehr nach­ge­holt wer­den.

Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin, Urteil vom 15. Juli 2014 – VG 14 K 85.14