Land­tags­wah­len fin­den nicht in Karls­ru­he statt

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über­lässt die Wahl­prü­fung bei Land­tags­wah­len aus­schließ­lich den Lan­des­ver­fas­sungs­ge­rich­ten. So hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt jetzt eine Ver­fas­sungs­be­schwer­de gegen zwei Urtei­le des Schles­wig-Hol­stei­ni­schen Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richts als unzu­läs­sig ange­se­hen und nicht zur Ent­schei­dung ange­nom­men, in denen das Schles­wig-Hol­stei­ni­sche Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt die letz­te Land­tags­wahl im Nor­den als ver­fas­sungs­wid­rig ange­se­hen und Neu­wah­len bis spä­tes­tens zum 31. Mai 2011 ange­ord­net hat [1].

Land­tags­wah­len fin­den nicht in Karls­ru­he statt

Die Beschwer­de­füh­rer rügen die Ver­let­zung ihres sub­jek­ti­ven Wahl­rechts in der Aus­prä­gung des Grund­sat­zes der Gleich­heit der Wahl aus Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG und aus Art. 3 Abs. 1 GG. Für die­ses Vor­brin­gen steht den Beschwer­de­füh­rern ein mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de rüge­fä­hi­ges Recht nicht zur Sei­te [2].

Wäh­rend bei Bun­des­tags­wah­len die Ver­let­zung der Wahl­rechts­grund­sät­ze des Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG im Wege einer Ver­fas­sungs­be­schwer­de gerügt wer­den kann, fehlt eine ver­gleich­ba­re Gewähr­leis­tung, wenn es um die Durch­set­zung die­ser Grund­sät­ze bei all­ge­mei­nen poli­ti­schen Wah­len und Abstim­mun­gen im Sin­ne von Art. 20 Abs. 2 Satz 2 GG auf der Ebe­ne der Län­der geht [3].

Art. 38 GG erfasst unmit­tel­bar nur die Wah­len zum Deut­schen Bun­des­tag. Eine ana­lo­ge Anwen­dung auf Wah­len in den Län­dern schei­det mit Rück­sicht auf die selb­stän­di­gen Ver­fas­sungs­räu­me von Bund und Län­dern aus. Zwar ver­langt Art. 28 Abs. 1 Satz 2 GG, dass die Grund­sät­ze der all­ge­mei­nen, unmit­tel­ba­ren, frei­en, glei­chen und gehei­men Wahl auch bei poli­ti­schen Wah­len in den Län­dern gel­ten. Die Län­der haben die­sem Ver­fas­sungs­ge­bot bei der Rege­lung des Wahl­rechts zu ihren Län­der­par­la­men­ten und auf kom­mu­na­ler Ebe­ne zu genü­gen. Dem Ein­zel­nen ver­mit­telt Art. 28 Abs. 1 Satz 2 GG jedoch kei­ne mit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de rüge­fä­hi­ge sub­jek­ti­ve Rechts­po­si­ti­on. Im Anwen­dungs­be­reich von Art. 28 Abs. 1 Satz 2, Art. 38 Abs. 1 Satz 1 GG schei­det auch ein Rück­griff auf den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG aus [4].

Die Län­der gewähr­leis­ten den sub­jek­tiv­recht­li­chen Schutz des Wahl­rechts bei poli­ti­schen Wah­len in ihrem Ver­fas­sungs­raum allein und abschlie­ßend [5]. Den Beschwer­de­füh­rern stand im Hin­blick auf die von ihnen gel­tend gemach­te Ver­let­zung des Grund­sat­zes der Gleich­heit der Wahl ein Rechts­weg zur Ver­fü­gung. Das Wahl­prü­fungs­ver­fah­ren auf Lan­des­ebe­ne ist – den Vor­ga­ben des Homo­ge­ni­täts­prin­zips in Art. 28 Abs. 1 GG ent­spre­chend – gemäß § 43 Abs. 1 und Abs. 2 LWahlG zwei­stu­fig aus­ge­stal­tet und sieht nach dem Ein­spruch gegen die Gül­tig­keit der Wahl eine Beschwer­de zum Lan­des­ver­fas­sungs­ge­richt gegen die Ent­schei­dung des Land­ta­ges vor [6]. Ein Mehr ist von Ver­fas­sungs wegen nicht gebo­ten, weil Art. 19 Abs. 4 GG kei­nen sub­jek­ti­ven ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Rechts­schutz durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ver­bürgt [7].

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 18. Okto­ber 2010 – 2 BvR 2174/​10

  1. Schles­wig-Hol­stei­ni­sches LVerfG, Urtei­le vom 30.08.2010 – LVerfG 1/​108 und LVerfG 3/​099[]
  2. Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 90 Abs. 1 BVerfGG[]
  3. vgl. BVerfGE 99, 1, 7; BVerfG, Beschlüs­se vom 13.12.2006 – 2 BvR 1487/​06; vom 08.07.2008 – 2 BvR 1223/​08; vom 09.03.2009 – 2 BvR 120/​09, NVwZ 2009, 776 f.; vom 03.07.2009 – 2 BvR 1291/​09; und vom 11.05. 2010 – 2 BvR 511/​10[]
  4. vgl. BVerfGE 99, 1, 7 ff.[]
  5. vgl. BVerfGE 99, 1, 17; BVerfG, Beschlüs­se vom 13.12.2006, a.a.O.; vom 08.07.2008, a.a.O.; vom 09.03.2009, a.a.O., S. 777; vom 03.07.2009, a.a.O.; und vom 11.05.2010, a.a.O.[]
  6. vgl. BVerfGE 99, 1, 17 f.[]
  7. vgl. BVerfGE 99, 1, 19[]