Lauf­haus in Schö­ne­berg

Beschließt eine Gemein­de für ein Gebiet einen neu­en Bebau­ungs­plan und par­al­lel zur Siche­rung sei­ner Pla­nung eine Ver­än­de­rungs­sper­re, so kann ein zuvor gege­be­ner Anspruch auf Bau­ge­neh­mi­gung durch die­se Ver­än­de­rungs­sper­re weg­ge­fal­len sein.

Lauf­haus in Schö­ne­berg

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg im Beru­fungs­ver­fah­ren des hier vor­lie­gen­den Fal­les, in dem es um die Zuläs­sig­keit eines geplan­ten „Lauf­hau­ses” gegan­gen ist, den Klä­gern jeden Anspruch auf eine Bau­ge­neh­mi­gung ver­neint. Die Klä­ge­rin plant, in den obe­ren Geschos­sen des bereits durch das Ero­tik­kauf­haus und ‑kino „LSD“ genutz­ten Gebäu­des an der Ecke Kurfürstenstraße/​Potsdamer Stra­ße in Ber­lin-Schö­ne­berg ins­ge­samt 48 Zim­mer ein­zu­rich­ten, die tage­wei­se an Pro­sti­tu­ier­te ver­mie­tet wer­den sol­len. Die­se sol­len bei geöff­ne­ter Tür auf ihre durch das Haus lau­fen­den Kun­den war­ten kön­nen.

Die Kla­ge auf Ertei­lung einer Bau­ge­neh­mi­gung war im Mai 2010 vom Ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin abge­wie­sen wor­den. Seit­dem hat sich die pla­nungs­recht­li­che Lage dadurch geän­dert, dass der Bezirk Tem­pel­hof-Schö­ne­berg die Auf­stel­lung eines neu­en Bebau­ungs­pla­nes beschlos­sen hat. Ziel ist es, durch die Ände­rung des Gebiets­cha­rak­ters von einem Kern­ge­biet in ein Misch­ge­biet die Wohn­nut­zung ent­lang der Pots­da­mer Stra­ße bes­ser vor stö­ren­den gewerb­li­chen Nut­zun­gen zu schüt­zen. Par­al­lel hat der Bezirk zur Siche­rung sei­ner Pla­nung eine Ver­än­de­rungs­sper­re beschlos­sen.

Nach Auf­fas­sung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Ber­lin-Bran­den­burg hat der Beklag­te die Ertei­lung einer Bau­ge­neh­mi­gung vor dem Inkraft­tre­ten der Ver­än­de­rungs­sper­re aus unzu­tref­fen­den Grün­den abge­lehnt. In einem Kern­ge­biet, wel­ches der gel­ten­de Bebau­ungs­plan fest­ge­setzt habe, sei­en grund­sätz­lich auch Bor­del­le zuläs­sig. Zudem sei die Pro­ble­ma­tik der in der Umge­bung betrie­be­nen Stra­ßen­pro­sti­tu­ti­on bei der Auf­stel­lung des gel­ten­den Bebau­ungs­plans bereits bekannt gewe­sen. Auch das Ero­tik­kauf­haus habe bei der Beschluss­fas­sung über die­sen Bebau­ungs­plan schon bestan­den. Unter die­sen Umstän­den kön­ne nicht damit argu­men­tiert wer­den, das Zusam­men­tref­fen von Lauf­haus, Ero­tik­kauf­haus und Stra­ßen­pro­sti­tu­ti­on recht­fer­ti­ge es, das Lauf­haus trotz gene­rel­ler Zuläs­sig­keit nach dem Bebau­ungs­plan zu ver­bie­ten. Eben­so wenig recht­fer­ti­ge der geplan­te Betriebs­um­fang die Anwen­dung der von der Bau­rechts­be­hör­de für die Ver­sa­gung her­an­ge­zo­ge­nen Aus­nah­me­be­stim­mung.

Aller­dings kann die Klä­ge­rin wegen der zwi­schen­zeit­lich erlas­se­nen Ver­än­de­rungs­sper­re kei­ne Bau­ge­neh­mi­gung mehr bean­spru­chen. Aus die­sem Grund ist die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts im Ergeb­nis bestä­tigt wor­den.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Urteil vom 7. Juni 2012 – 2 B 18.11