Mas­ter­ab­schluss in Psy­cho­lo­gie – und der Zugang zur Psy­cho­the­ra­peu­ten­aus­bil­dung

Der erfolg­rei­che Abschluss eines Mas­ter­stu­di­en­gangs in Psy­cho­lo­gie an einer inlän­di­schen Uni­ver­si­tät erfüllt die Zugangs­vor­aus­set­zung für eine Aus­bil­dung zum Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­ten.

Mas­ter­ab­schluss in Psy­cho­lo­gie – und der Zugang zur Psy­cho­the­ra­peu­ten­aus­bil­dung

Ein dem Mas­ter­ab­schluss vor­her­ge­hen­der Bache­lor-Abschluss in Psy­cho­lo­gie ist nicht erfor­der­lich.

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall schloss die Klä­ge­rin im Jahr 1996 ein Fach­hoch­schul­stu­di­um zur Diplom-Sozi­al­päd­ago­gin ab und arbei­te­te in der Fol­ge­zeit in einer psy­cho­so­zia­len Bera­tungs­stel­le. Zum Win­ter­se­mes­ter 2009/​2010 nahm sie berufs­be­glei­tend ein Mas­ter­stu­di­um Psy­cho­lo­gie an einer staat­lich aner­kann­ten Hoch­schu­le in Ber­lin auf, das sie im Sep­tem­ber 2013 erfolg­reich mit dem aka­de­mi­schen Grad „Mas­ter of Arts“ abschloss. Im Okto­ber 2013 schloss sie mit einem staat­lich aner­kann­ten Aus­bil­dungs­in­sti­tut in Hes­sen einen Ver­trag über die Aus­bil­dung zur Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­tin ab. Die Zulas­sung durch das Aus­bil­dungs­in­sti­tut war mit der Auf­for­de­rung ver­bun­den, nach­zu­wei­sen, dass sie mit ihrer Vor­aus­bil­dung die Zugangs­vor­aus­set­zun­gen nach § 5 Abs. 2 PsychThG erfül­le. Die Psy­cho­lo­gin bean­trag­te dar­auf­hin eine ent­spre­chen­de Prü­fung. Mit Bescheid vom 4. März 2014 lehn­te das Hes­si­sche Lan­des­prü­fungs- und Gesund­heits­amt im Gesund­heits­we­sen den Antrag auf Zugang zur Aus­bil­dung als Psy­cho­lo­gi­sche Psy­cho­the­ra­peu­tin ab, weil die Psy­cho­lo­gin nicht über den erfor­der­li­chen kon­se­ku­ti­ven Uni­ver­si­täts­ab­schluss im Stu­di­en­gang Psy­cho­lo­gie ver­fü­ge; ihr feh­le ein Bache­lor­ab­schluss in Psy­cho­lo­gie.

Die nach erfolg­lo­sem Wider­spruchs­ver­fah­ren erho­be­ne Kla­ge ist in den Vor­in­stan­zen vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Kas­sel 1 und dem Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof 2 ohne Erfolg geblie­ben. Der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof hat in sei­nem Urteil aus­ge­führt, dass mit der in § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a PsychThG ver­lang­ten „Abschluss­prü­fung im Stu­di­en­gang Psy­cho­lo­gie“ ursprüng­lich (vor Umset­zung des sog. Bolo­gna-Pro­zes­ses) ein abge­schlos­se­nes uni­ver­si­tä­res Diplom­stu­di­um im Stu­di­en­gang Psy­cho­lo­gie gemeint gewe­sen sei. Der Gesetz­ge­ber habe mit die­sem Erfor­der­nis eine hohe Qua­li­fi­ka­ti­on der Berufs­an­ge­hö­ri­gen und ein ein­heit­li­ches Aus­bil­dungs­ni­veau sicher­stel­len wol­len. Die­sem Ziel ent­spre­che es, im Rah­men der heu­ti­gen Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­en­gän­ge nur ein an einer Uni­ver­si­tät oder gleich­ste­hen­den Hoch­schu­le absol­vier­tes kon­se­ku­ti­ves Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­um im Stu­di­en­gang Psy­cho­lo­gie als Zugangs­vor­aus­set­zung genü­gen zu las­sen. Über den danach erfor­der­li­chen uni­ver­si­tä­ren Bache­lor­ab­schluss in Psy­cho­lo­gie ver­fü­ge die Psy­cho­lo­gin nicht. Ihre Zulas­sung zum Mas­ter­stu­di­um erset­ze das Bache­lor­stu­di­um nicht, denn sie beinhal­te kei­ne Fest­stel­lung dar­über, dass die bis­he­ri­gen Stu­di­en­leis­tun­gen äqui­va­lent zu einem Bache­lor­stu­di­um der Psy­cho­lo­gie sei­en. Die Beschrän­kung der Zulas­sung zur Aus­bil­dung als Psy­cho­lo­gi­scher Psy­cho­the­ra­peut auf Absol­ven­ten eines Diplom­stu­di­ums oder eines kon­se­ku­ti­ven Bache­lor- und Mas­ter­stu­di­ums in Psy­cho­lo­gie ver­let­ze auch weder das Grund­recht der Berufs­frei­heit nach Art. 12 Abs. 1 GG noch den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz nach Art. 3 Abs. 1 GG.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die Urtei­le der bei­den Kas­se­ler Vor­in­stan­zen geän­dert und das Land Hes­sen zur Fest­stel­lung ver­pflich­tet, dass die Psy­cho­lo­gin die Vor­aus­set­zun­gen für den Zugang zur Aus­bil­dung zur Psy­cho­lo­gi­schen Psy­cho­the­ra­peu­tin erfüllt. Der von ihr bestan­de­ne Mas­ter­ab­schluss ist eine Abschluss­prü­fung im Sin­ne des § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a PsychThG. Das Erfor­der­nis eines zusätz­li­chen Bache­lor­ab­schlus­ses in Psy­cho­lo­gie lässt sich der Vor­schrift nicht ent­neh­men. Für eine dahin­ge­hen­de Aus­le­gung genügt nicht, dass der Gesetz­ge­ber bei Erlass des Psy­cho­the­ra­peu­ten­ge­set­zes im Jahr 1998 als Zugangs­vor­aus­set­zung die Diplom­prü­fung im Stu­di­en­gang Psy­cho­lo­gie vor Augen hat­te. Er hat die durch den sog. Bolo­gna-Pro­zess bewirk­te Umstel­lung der Stu­di­en­st­ruk­tu­ren auf Bache­lor- und Mas­ter­ab­schlüs­se bis­lang nicht zum Anlass genom­men, § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a PsychThG zu ändern oder zu refor­mie­ren. Wegen der grund­sätz­li­chen Gleich­stel­lung des Mas­ter­ab­schlus­ses an einer Uni­ver­si­tät mit dem Diplom­ab­schluss an einer Uni­ver­si­tät ist daher unter Abschluss­prü­fung im Sin­ne des § 5 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 Buchst. a PsychThG neben der Diplom­prü­fung auch die Mas­ter­prü­fung zu ver­ste­hen. Hin­ge­gen fin­det sich im Wort­laut der Norm kein Anknüp­fungs­punkt dafür, dass für den Zugang zur Aus­bil­dung auch ein Bache­lor­ab­schluss in Psy­cho­lo­gie vor­lie­gen muss.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urteil vom 17. August 2017 – 3 C 12.16

  1. VG Kas­sel, Urteil vom 17.03.2015 – 3 K 1496/​14.KS[]
  2. Hess. VGH, Urteil vom 04.02.2016 – 7 A 983/​15[]