Ob­jek­tiv will­kür­li­che Aus­le­gung von Rechts­nor­men

Eine ob­jek­tiv will­kür­li­che Aus­le­gung von Rechts­nor­men im Rah­men der Sach­prü­fung stellt kei­nen Ver­fah­rens­man­gel dar, der nach § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO die Zu­las­sung der Re­vi­si­on zu recht­fer­ti­gen ver­mag.

Ob­jek­tiv will­kür­li­che Aus­le­gung von Rechts­nor­men

Die Aus­le­gung von Rechts­nor­men im Rah­men der Sach­prü­fung gehört zum Kern mate­ri­el­ler Rechts­fin­dung, berührt hin­ge­gen nicht den Ver­fah­rens­ab­lauf und die ihn regeln­den Vor­schrif­ten des Ver­fah­rens­rechts. Unter­lau­fen dem Rich­ter Feh­ler bei der Aus­le­gung und Anwen­dung mate­ri­el­len Rechts, so han­delt es sich nicht, auch nicht aus­nahms­wei­se im Fall objek­ti­ver Will­kür, um Ver­fah­rens­feh­ler 1. Aus den frü­he­ren Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts 2 folgt nichts ande­res. Sie befas­sen sich ledig­lich mit der – jeweils offen­ge­las­se­nen – Fra­ge, ob eine von objek­ti­ver Will­kür gepräg­te Sach­ver­halts- und Beweis­wür­di­gung zugleich ver­fah­rens­feh­ler­haft ist. Dar­um geht es bei der auf die Geset­zes­aus­le­gung bezo­ge­nen Will­kür­rü­ge nicht. Soweit in dem Urteil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 14. Sep­tem­ber 1994 3 im Fal­le einer auch als rich­ter­li­che Rechts­fort­bil­dung nicht mehr ver­ständ­li­chen Anwen­dung irre­vi­si­blen mate­ri­el­len Lan­des­rechts ein im Revi­si­ons­ver­fah­ren beacht­li­cher Ver­stoß gegen Art. 20 Abs. 3 GG bejaht wor­den ist, besagt das nichts über die Ver­fah­rens­re­le­vanz eines sol­chen Man­gels, der Vor­aus­set­zung für den hier mit der Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de gel­tend gemach­ten Zulas­sungs­grund des § 132 Abs. 2 Nr. 3 VwGO wäre.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 16. Febru­ar 2012 – 9 B 71.11

  1. vgl. BVerwG, Beschlüs­se vom 09.10.1997 – 6 B 42.97; und vom 21.02.2003 – 9 B 64.02[]
  2. BVerwG, Beschlüs­se vom 02.11.1995 – 9 B 710.94, Buch­holz 310 § 108 VwGO Nr. 266 S. 19; und vom 11.10.2005 – 10 B 8.05[]
  3. BVerwG, Urteil vom 14.09.1994 – 6 C 42.92, BVerw­GE 96, 350, 355[]