Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­büh­ren nach dem "Front­me­ter­maß­stab"

Die Fest­set­zung der Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­büh­ren nach dem "Front­me­ter­maß­stab" ver­stößt nicht gegen den Grund­satz der gerech­ten Ver­tei­lung der Kos­ten auf alle Anlie­ger einer Stra­ße.

Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­büh­ren nach dem "Front­me­ter­maß­stab"

So hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Kla­ge ent­schie­den, die sich gegen die Ver­an­la­gung der Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­büh­ren für die Jen­ny-Marx-Stra­ße in Trier gerich­tet hat. Geklagt hat­ten Mit­ei­gen­tü­mer eines von ins­ge­samt sechs unmit­tel­bar an die Jen­ny-Marx-Stra­ße angren­zen­den Grund­stü­cken. Mit Grund­be­sitz­ab­ga­ben­be­scheid vom 28. Mai 2018 hat die beklag­te Stadt Trier für das Grund­stück der Klä­ger die Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­büh­ren für den Zeit­raum Janu­ar bis Dezem­ber 2018 sowie die Fol­ge­jah­re fest­ge­setzt (rund 150 Euro jähr­lich). Die Ver­an­la­gung erfolg­te nach dem „Front­me­ter­maß­stab“, d. h. bei der Bemes­sung der Gebüh­ren war die Stra­ßen­front­län­ge der an die Jen­ny-Marx-Stra­ße angren­zen­den Grund­stü­cke maß­geb­lich.

Dem­ge­gen­über sind die Klä­ger der Auf­fas­sung, es habe eine sog. „Flä­chen­ver­an­la­gung“, bei der die Grund­stücks­flä­che ent­schei­den­der Maß­stab der Gebüh­ren­be­mes­sung ist, zur Anwen­dung kom­men müs­sen. Die Anwen­dung des Front­me­ter­maß­sta­bes ver­sto­ße gegen den Grund­satz der gerech­ten Kos­ten­ver­tei­lung, da die bei­den am Ende der Stra­ße gele­ge­nen Grund­stü­cke, die nur mit 5 bzw. 8 m an die Stra­ße angren­zen, wegen die­ser kur­zen Stra­ßen­front mit deut­lich gerin­ge­ren Gebüh­ren belas­tet sei­en, obwohl sie erheb­lich grö­ße­re Flä­chen als die übri­gen vier Grund­stü­cke auf­wie­sen. Gegen den Grund­be­sitz­ab­ga­ben­be­scheid ist Kla­ge erho­ben wor­den.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Trier sei die Fest­set­zung der Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­büh­ren auf Grund­la­ge der ein­schlä­gi­gen Bestim­mun­gen (u. a. der Stra­ßen­rei­ni­gungs­sat­zung der beklag­ten Stadt Trier in der bis zum 31. Dezem­ber 2019 gül­ti­gen Fas­sung) nicht zu bean­stan­den. Ins­be­son­de­re sei die Ver­an­la­gung zu Recht nach dem „Front­me­ter­maß­stab“ erfolgt. Eine Ver­an­la­gung nach dem „Flä­chen­maß­stab“ sei in der Stra­ßen­rei­ni­gungs­sat­zung nur vor­ge­se­hen, wenn unter den durch die Stra­ße erschlos­se­nen Grund­stü­cke sol­che sei­en, die nicht oder nur mit einer Zufahrt oder einem Zugang an die Stra­ße angren­zen. Unter den Begriff der „Zufahrt“ im Sin­ne der Stra­ßen­rei­ni­gungs­sat­zung fie­len jedoch nur vom Grund­stück selbst abgrenz­ba­re, befahr­ba­re Flä­chen. Dar­an feh­le es hier. Die Anwen­dung des „Front­me­ter­maß­sta­bes“ ver­sto­ße auch nicht gegen den Grund­satz der gerech­ten Ver­tei­lung der Kos­ten auf alle Anlie­ger einer Stra­ße. Inso­weit sei zu berück­sich­ti­gen, dass die Grund­stü­cke mit einer län­ge­ren Stra­ßen­gren­ze einen enge­ren Bezug zu die­ser hät­ten und der Vor­teil der Stra­ßen­rei­ni­gung dadurch unmit­tel­ba­rer erschei­ne. Fer­ner sei eine pau­scha­lie­ren­de Betrach­tungs­wei­se im Abga­ben­recht aus Grün­den der Ver­ein­fa­chung und Ver­wal­tungs­prak­ti­ka­bi­li­tät gera­de bei rela­tiv gering­fü­gi­gen Gebüh­ren gestat­tet.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urteil vom 26. März 2020 – 10 K 4644/​19.TR