Trun­ken­heit im Ver­kehr – und die Neu­er­tei­lung der Fahr­erlaub­nis

Ist nach einer ein­ma­li­gen Trun­ken­heits­fahrt mit einer Blut­al­ko­hol­kon­zen­tra­ti­on (BAK) von weni­ger als 1,6 Pro­mil­le im Straf­ver­fah­ren die Fahr­erlaub­nis ent­zo­gen wor­den, darf die Ver­wal­tungs­be­hör­de ihre Neu­er­tei­lung nicht allein wegen die­ser Trun­ken­heits­fahrt von der Bei­brin­gung eines medi­zi­nisch-psy­cho­lo­gi­schen Fahr­eig­nungs­gut­ach­tens abhän­gig machen. Anders liegt es, wenn zusätz­li­che Tat­sa­chen die Annah­me von künf­ti­gem Alko­hol­miss­brauch begrün­den.

Trun­ken­heit im Ver­kehr – und die Neu­er­tei­lung der Fahr­erlaub­nis

Das hat jetzt das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig in zwei Fäl­len ent­schie­den:

  • Im ers­ten Ver­fah­ren 1 hat­te das Straf­ge­richt die Auto­fah­re­rin wegen fahr­läs­si­ger Trun­ken­heit im Ver­kehr (BAK 1,28 Pro­mil­le) nach § 316 StGB ver­ur­teilt und ihr nach § 69 StGB die Fahr­erlaub­nis ent­zo­gen, da sich aus der Tat erge­be, dass sie zum Füh­ren von Kraft­fahr­zeu­gen unge­eig­net sei. Als sie die Neu­er­tei­lung bean­trag­te, erhielt sie von der Fahr­erlaub­nis­be­hör­de gestützt auf § 13 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d i.V.m. Buchst. a der Fahr­erlaub­nis-Ver­ord­nung (FeV) die Auf­for­de­rung, ein medi­zi­nisch-psy­cho­lo­gi­sches Fahr­eig­nungs­gut­ach­ten vor­zu­le­gen.
  • Im zwei­ten Ver­fah­ren 2 hat­te das Straf­ge­richt dem Auto­fah­rer die Fahr­erlaub­nis bei im Übri­gen glei­chem Sach­ver­halt wegen einer Trun­ken­heits­fahrt mit einer BAK von 1,13 Pro­mil­le ent­zo­gen.

In bei­den Fäl­len ist die Kla­ge auf Ertei­lung der Fahr­erlaub­nis ohne vor­he­ri­ge medi­zi­nisch-psy­cho­lo­gi­sche Unter­su­chung in den Vor­in­stan­zen vor den Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richt Regens­burg 3 und Mün­chen 4 wie auch vor dem Baye­ri­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof 5ohne Erfolg geblie­ben.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat die vor­in­stanz­li­chen Urtei­le geän­dert und die Fahr­erlaub­nis­be­hör­den jeweils ver­pflich­tet, den Auto­fah­rern die bean­trag­ten Fahr­erlaub­nis­se auch ohne die Vor­la­ge eines posi­ti­ven medi­zi­nisch-psy­cho­lo­gi­schen Gut­ach­tens zur Fra­ge von Alko­hol­miss­brauch neu zu ertei­len. Der Auf­fas­sung, dass die Fahr­erlaub­nis nach straf­ge­richt­li­cher Ent­zie­hung wegen einer Trun­ken­heits­fahrt nur nach Bei­brin­gung eines medi­zi­nisch-psy­cho­lo­gi­schen Gut­ach­tens neu erteilt wer­den dür­fe, ist es nicht gefolgt. Nach § 13 Satz 1 Nr. 2 Buchst. c FeV recht­fer­tigt eine ein­ma­li­ge Trun­ken­heits­fahrt ohne das Hin­zu­tre­ten wei­te­rer aus­sa­ge­kräf­ti­ger Tat­sa­chen erst ab einer BAK von 1,6 Pro­mil­le die Anfor­de­rung eines medi­zi­nisch-psy­cho­lo­gi­schen Gut­ach­tens. Die straf­ge­richt­li­che Ent­zie­hung einer Fahr­erlaub­nis wegen einer Trun­ken­heits­fahrt ist – wie die Bezug­nah­me in § 13 Satz 1 Nr. 2 Buchst. d FeV auf die unter den Buch­sta­ben a bis c genann­ten Grün­de zeigt – kein eigen­stän­di­ger, von der 1,6 Pro­mil­le-Gren­ze unab­hän­gi­ger Sach­grund für die Anfor­de­rung eines Gut­ach­tens. Im Straf­ver­fah­ren ist der Täter bei einer Trun­ken­heit im Ver­kehr (§ 316 StGB) „in der Regel“, also ohne das Hin­zu­tre­ten wei­te­rer belas­ten­der Tat­sa­chen, als unge­eig­net zum Füh­ren von Kraft­fahr­zeu­gen anzu­se­hen (§ 69 Abs. 2 Nr. 2 StGB).

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 6. April 2017 – 3 C 24.15 – und 3 C 13.16

  1. BVerwG – 3 C 24.15[]
  2. BVerwG – 3 C 13.16[]
  3. VG Regens­burg, Urteil vom 04.11.2014 – RO 8 K 14.1468[]
  4. VG Mün­chen, Urteil vom 26.06.2015 – M 6a K 15.1122[]
  5. BayVGH, Urtei­le vom 17.11.2015 – 11 BV 14.2738; und vom 08.03.2016 – 11 BV 15.1589[]