Besei­ti­gungs­an­ord­nung für Gen­mais-Anpflan­zung

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he hat den Eil­an­trag eines Land­wirts aus dem Land­kreis Ras­tatt gegen die Anord­nung der sach­ge­rech­ten Besei­ti­gung sämt­li­cher Mais­pflan­zen abge­lehnt, die aus einer Char­ge mit Saat­gut stam­men, die mit einer gen­tech­nisch ver­än­der­ten Mais­sor­te durch­mischt ist.

Besei­ti­gungs­an­ord­nung für Gen­mais-Anpflan­zung

Der Antrag­stel­ler hat­te von einer nie­der­säch­si­schen Fir­ma Mais­saat­gut bezo­gen und auf sei­nen Fel­dern aus­ge­sät. Bei einer Ana­ly­se von Saat­gut der bezo­ge­nen Sor­te durch das Nie­der­säch­si­sche Lan­des­amt für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit wur­den Spu­ren einer gen­tech­nisch ver­än­der­ten, her­bi­zid­re­sis­ten­ten Mais­sor­te gefun­den, die zwar als Lebens- und Fut­ter­mit­tel ver­wen­det wer­den darf, jedoch in Deutsch­land nicht zum Anbau zuge­las­sen ist. Das Land­rats­amt Ras­tatt hat dar­auf­hin dem Antrag­stel­ler auf­ge­ge­ben, sämt­li­che Mais­pflan­zen aus die­sem Saat­gut sach­ge­recht zu besei­ti­gen. Die Behör­de hat unter Ver­weis auf die unmit­tel­bar bevor­ste­hen­de Blü­te der Pflan­zen die sofor­ti­ge Voll­zie­hung ange­ord­net und für den Fall der nicht frist­ge­mä­ßen Umset­zung die Ersatz­vor­nah­me ange­droht

Gegen die vom Land­rats­amt Ras­tatt erlas­se­ne Besei­ti­gungs­an­ord­nung hat der Antrag­stel­ler beim Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he Antrag auf vor­läu­fi­gen Rechts­schutz gestellt. In der Begrün­dung sei­nes Antrags hat er u.a. argu­men­tiert, es ste­he nicht fest, dass sei­ne Saat­gut­char­ge von der Ver­un­rei­ni­gung betrof­fen sei. Es bestün­den bereits Zwei­fel am Prü­fungs­er­geb­nis des Nie­der­säch­si­schen Lan­des­amts für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit, da die­ses ledig­lich eine Ver­un­rei­ni­gung unter der Nach­weis­schwel­le von 0,1 % aus­wei­se. Die gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für die Anord­nung sei­en nicht erfüllt, es lie­ge kei­ne Frei­set­zung gen­tech­nisch ver­än­der­ter Orga­nis­men im Sin­ne des Gen­tech­nik­ge­set­zes vor. Wei­ter sei die Anord­nung unver­hält­nis­mä­ßig. Schließ­lich feh­le auch die Eil­be­dürf­tig­keit, denn es sei nicht ersicht­lich, dass die Anord­nung des Land­rats­amts der Abwehr einer kon­kre­ten Gefah­ren­la­ge die­ne.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he ist den Argu­men­ten des Antrag­stel­lers nicht gefolgt: Zwar bestün­den Zwei­fel an der Zustän­dig­keit des Land­rats­amts Ras­tatt. Mög­li­cher­wei­se sei aus­schließ­lich das Regie­rungs­prä­si­di­um Tübin­gen für der­ar­ti­ge Anord­nun­gen zustän­dig. Die abschlie­ßen­de Klä­rung die­ser Fra­ge müs­se aber einem Haupt­sa­che­ver­fah­ren über­las­sen blei­ben. In der Sache selbst sei die Anord­nung des Land­rats­amts Ras­tatt vor­aus­sicht­lich zur Besei­ti­gung eines fest­ge­stell­ten Ver­sto­ßes gegen das Gen­tech­nik­ge­setz not­wen­dig. Bei der allein mög­li­chen und gebo­te­nen sum­ma­ri­schen Prü­fung im einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren sei bei dem vom Antrag­stel­ler aus­ge­brach­ten Mais­saat­gut von einem hin­rei­chend siche­ren Nach­weis einer Ver­un­rei­ni­gung mit gen­tech­nisch ver­än­der­tem Saat­gut aus­zu­ge­hen. Kon­kre­te Hin­wei­se auf eine feh­ler­haf­te Prü­fung des Nie­der­säch­si­schen Lan­des­amts für Ver­brau­cher­schutz und Lebens­mit­tel­si­cher­heit wür­den vom Antrag­stel­ler nicht benannt und sei­en auch sonst nicht ersicht­lich. Die erfolg­te Aus­saat des ver­mut­lich kon­ta­mi­nier­ten Saat­gu­tes sei als Frei­set­zung im Sin­ne des Geset­zes zu wer­ten, für die kei­ne Geneh­mi­gung vor­lie­ge. Hier­für kom­me es nicht dar­auf an, ob der Land­wirt Kennt­nis von dem Vor­han­den­sein der Ver­un­rei­ni­gun­gen habe. Die Anord­nung sei auch nicht unver­hält­nis­mä­ßig. Eine Beschrän­kung dar­auf, ledig­lich das Inverkehr­bringen der Ern­te zu unter­sa­gen und eine Ver­wer­tung etwa als Fut­ter­mit­tel oder zur Her­stel­lung von Bio­brenn­stof­fen zuzu­las­sen, kom­me nicht in Betracht, weil eine sol­che Ver­wer­tung der Ern­te erst nach der Blü­te mög­lich sei, die die Gefahr von Aus­kreu­zun­gen und damit einer unkon­trol­lier­ten Ver­brei­tung des gen­tech­nisch ver­än­der­ten Orga­nis­mus mit sich bräch­te. Nach dem hier maß­geb­li­che Null-Tole­ranz-Prin­zip sei­en Pflan­zen, die ohne Frei­set­zungs­ge­neh­mi­gung wach­sen, in der Regel zu ver­nich­ten. Die im Eil­ver­fah­ren zu tref­fen­de Fol­genab­wä­gungs­ent­schei­dung fal­le wegen der gege­be­nen­falls unab­seh­ba­ren Fol­gen für die Umwelt zu Las­ten des Antrag­stel­lers aus, bei dem zwar nicht uner­heb­li­che Ein­grif­fe in Grund­rech­te in Rede stün­den, letzt­lich aber (noch) über­schau­ba­re wirt­schaft­li­che Inter­es­sen betrof­fen sei­en.

Ver­wal­tungs­ge­richt Karls­ru­he, Beschluss vom 9. Juli 2010 – 6 K 1566/​10