Vogel­schlag auf dem Dra­chen­fels

Vogel­schutz kann man nicht dadurch umge­hen, dass ein bestimm­tes Grund­stück aus einem zusam­men­hän­gen­den Natur­schutz­ge­biet aus­ge­klam­mert wird. So hat jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln geur­teilt, dass der Befrei­ungs­be­scheid zur Gestal­tung der Glas­fas­sa­de des Glas­ku­bus auf dem Dra­chen­fels rechts­wid­rig ist, da – auch wenn das Pla­teau aus der Natur­schutz­ge­biets­ver­ord­nung aus­ge­nom­men wur­de – ein erheb­lich wirk­sa­me­res Vogel­schutz­glas zur Ver­mei­dung von Vogel­schlag hät­te ein­ge­baut wer­den kön­nen.

Vogel­schlag auf dem Dra­chen­fels

Damit hat­te vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt Köln die Kla­ge des Bun­des für Umwelt und Natur­schutz Deutsch­land (BUND) gegen die vom Rhein-Sieg-Kreis erteil­te Befrei­ung von dem natur­schutz­recht­li­chen Ver­bot, Ver­än­de­run­gen oder nach­hal­ti­ge Stö­run­gen des umlie­gen­den Natur­schutz­ge­biets her­bei­zu­füh­ren, Erfolg. Der Dra­chen­fels ist mit jähr­lich etwa 450.000 Besu­chern ein her­aus­ra­gen­des tou­ris­ti­sches Ziel von über­re­gio­na­ler Bedeu­tung. Das Dra­chen­fels­pla­teau liegt in dem nach euro­päi­schen Vor­ga­ben beson­ders schüt­zens­wer­ten Fau­na-Flo­ra-Habi­tat-Gebiet (FFH) „Sie­ben­ge­bir­ge“. Schon seit vie­len Jah­ren gab es Über­le­gun­gen, das Dra­chen­fels­pla­teau umzu­ge­stal­ten. Im Herbst 2010 beschloss daher der Rat der Stadt Königs­win­ter einen Bebau­ungs­plan für das Pla­teau. Im März 2011 nahm die Bezirks­re­gie­rung Köln das Pla­teau aus sei­ner Natur­schutz­ge­biets­ver­ord­nung aus. Im August 2011 erteil­te die Stadt Königs­win­ter der Wirt­schafts­för­de­rungs­ge­sell­schaft der Stadt eine Bau­ge­neh­mi­gung zur Umge­stal­tung des Pla­teaus. Schließ­lich befrei­te der Rhein-Sieg-Kreis als Land­schafts­be­hör­de die Bau­her­rin von dem natur­schutz­recht­li­chen Ver­bot, Ver­än­de­run­gen oder nach­hal­ti­ge Stö­run­gen des umlie­gen­den Natur­schutz­ge­biets her­bei­zu­füh­ren. Der BUND hat befürch­tet, dass das ver­wen­de­te Glas nicht geeig­net ist, Vogel­schlag zu ver­mei­den und hat daher Kla­ge erho­ben.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Köln ist die Erlaub­nis zur Gestal­tung der Glas­fas­sa­de rechts­wid­rig. Es stell­te fest, dass die natur­schutz­recht­li­chen Vor­ga­ben wei­ter­hin gel­ten, obwohl das Dra­chen­fels­pla­teau inzwi­schen aus der Natur­schutz­ge­biets­ver­ord­nung aus­ge­nom­men sei. Es kom­me nicht dar­auf an, ob der Glas­ku­bus im Natur­schutz­ge­biet selbst lie­ge. Maß­geb­lich sei allein, dass sich der Bau auf das umlie­gen­de Natur­schutz­ge­biet nega­tiv aus­wir­ken kön­ne. Zwar habe der Rhein-Sieg-Kreis bei sei­ner Ent­schei­dung berück­sich­ti­gen dür­fen, dass der Neu­bau dazu dient, das Dra­chen­fels­pla­teau als her­aus­ra­gen­des tou­ris­ti­sches Ziel zeit­ge­mä­ßen Anfor­de­run­gen ent­spre­chend zu gestal­ten. Jedoch sei die Erlaub­nis zur Gestal­tung der Glas­fas­sa­de rechts­wid­rig, weil es im Ver­gleich zu dem ein­ge­bau­ten Glas ande­re Mög­lich­kei­ten gebe, den Vogel­schlag erheb­lich wirk­sa­mer zu ver­mei­den. So könn­ten z.B. Glas­ty­pen mit sicht­ba­ren Mar­kie­run­gen einen Vogel­schlag in mehr als 90 % der Fäl­le ver­hin­dern. Dass der Ein­bau hoch­wirk­sa­men Gla­ses unzu­mut­ba­re Mehr­kos­ten ver­ur­sacht hät­te, sei nicht ersicht­lich und von der Bau­her­rin auch nicht gel­tend gemacht wor­den. Schließ­lich kom­me es nicht auf den Ein­wand der Bau­her­rin an, dass bei ande­ren wirk­sa­me­ren Vari­an­ten mög­li­cher­wei­se nur eine ein­ge­schränk­te Durch­sicht des Gla­ses gege­ben sei. Eine sol­che allein an per­sön­li­chen ästhe­ti­schen Emp­fin­dun­gen ori­en­tier­te Betrach­tungs­wei­se kön­ne sich gegen­über den erheb­li­chen Belan­gen des Natur­schut­zes nicht durch­zu­set­zen, die durch die Aus­wei­sung des Sie­ben­ge­bir­ges als Natur­schutz- und FFH-Gebiet belegt sei­en.

Ver­wal­tungs­ge­richt Köln, Urteil vom 24. Juli 2012 – 14 K 4263/​11